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Bildrechte: MWG-Wohnungsgenossenschaft

Kunst in Corona-Zeiten

Magdeburg zeigt 3D-Kunst auf Litfaßsäule

von Sandra Meyer, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Stand: 23. Februar 2021, 15:43 Uhr

Die Galerien und Museen sind geschlossen. Genau wie die meisten Läden auch. Einige Passanten und Spaziergänger sind froh, wenn sie mitten auf der Straße doch etwas Kunst erleben können. In Magdeburg wird das nun auf besondere Weise möglich: Zwei Wohnungsbaugenossenschaften haben im Domviertel eine Litfaßsäule kurzerhand zur Kunstsäule umfunktioniert – ein Beispiel dafür, wie Unternehmen Kulturschaffende in Lockdown-Zeiten unterstützen können.

Es ist wenig los in der Innenstadt von Magdeburg. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und selbst Schaufensterbummel funktionieren nicht richtig – so schaut man vielleicht noch genauer auf die Litfaßsäulen. Eigentlich dienen sie als Werbeträger, doch haben die Wohnungsbaugenossenschaften MWG und Otto von Guericke beschlossen, die Säule im neuen Domquartier anders zu bespielen.

Von der Litfaßsäule zur Kunstsäule

Als Wohnungsunternehmen der Stadt sei man auch für deren Kultur verantwortlich und so habe man die Idee gefasst, die herkömmliche Litfaßsäule in eine Kultursäule zu verwandeln, erklärt Jana Erdmann von der MWG-Wohnungsgenossenschaft. Wobei man der Säule ihre neue Funktion erst einmal gar nicht ansieht. Denn letztlich ist sie nur mit vier unterschiedlichen QR-Codes beklebt. Doch aktiviert man diese mit dem Smartphone, wird es zumindest auf dem Bildschirm bunt: "Die Idee ist, dass Künstler entweder Ankündigungen für ihre Projekte machen können oder einfach einen Gruß schicken, damit sie in der heutigen Zeit nicht ganz vergessen werden." Außerdem geplant seien erlebbare Videos, die zeigen, wie ein Kunstobjekt entsteht, erklärt Jana Erdmann.

Auf den ersten Blick scheint die Lichtfaßsäule unscheinbar – scannt man die QR-Codes beginnt die interaktive Schau. Bildrechte: MWG-Wohnungsgenossenschaft

3D Animationen: Vom Schmetterling bis zum Dinosaurier

Eine ausgeklügelte Software des Magdeburger Unternehmens 3DQR macht es möglich: Die Säule wird ins Dreidimensionale erweitert, erklärt Maximilian Unbescheidt. Was das Unternehmen sonst für Bildungseinrichtungen nutzt, um die Vorstellungskraft beim Lernen zu unterstützen, bekommt hier eine kreative Note: So hat das Unternehmen selbst auch zwei Animationen für die Säule kreiert: Einen Schmetterling, der vor der Säule hin und her flattert und einen Dinosaurier. Das Smartphone sei das Medium, um diese Technologie betrachten zu können, erklärt Maximilian Unbescheidt. Die Litfaßsäule bleibe im Hintergrund eingeblendet. Steht man also davor, kann der Dinosaurier von allen Seiten betrachtet werden, erklärt Unbescheidt.

Die 3D Animation eines Schmetterlings, der vor der Säule hin und her flattert. Bildrechte: MWG-Wohnungsgenossenschaft

Mehr Sichtbarkeit für Kulturschaffende

Daneben sollen aber vor allem Kulturschaffende ihre Werke zeigen. Momentan präsentieren sich ein Lichtkünstler und ein Bildhauer, erzählt Galeristin Tatyna Nindel: "Dieses Video zeigt die Entstehung einer Skulptur. Angefangen von der Skizze, die der Bildhauerhauer bei einer Live-Performance vor Publikum in Magdeburg von dem berühmten Magdeburger Boxer Stieglitz gemacht hat über die Weiterbearbeitung, dem Abguss bis zur fertigen Präsentation der Skulptur."

Tatyna Nindel koordiniert, wer sich auf der Säule präsentieren darf. Bereits vergangenen September war sie für die Kunstmeile aktiv. Damals konnte man die Kunst noch real im Stadtraum erleben. Jetzt geht das nur digital und das kann für die Werke bei winterlichem Wetter durchaus von Vorteil sein. Vor allem aber sieht die Galeristin die Kultursäule als Motivation in Zeiten begrenzter Möglichkeiten: Denn die Säule verschaffe Künstlerinnen und Künstlern in Corona-Zeiten, wenn Galerien und Museen geschlossen bleiben müssen, Sichtbarkeit.

Eine 3D Animation auf der Kunstsäule im Magdeburger Domquartier. Bildrechte: MWG-Wohnungsgenossenschaft

Eine Plattform für alle Kunst- und Kulturschaffenden

Bisher hat Tatyna Nindel allerdings vermehrt die Künstler im Blick, die mit ihrer Galerie verbunden sind. Doch eigentlich ist die Säule für alle Kulturschaffenden, ob Schauspieler, Tänzer, Kabarettisten oder Zauberer, offen. So werden die QR-Codes immer wieder ausgetauscht. Gebannt wartet man die Reaktion der Passanten ab. Denn die verraten erst, ob es sich für die Künstler lohnt. Galeristin Tatyna Nindel ist zuversichtlich: "Die Künstler haben die Möglichkeit, gesehen zu werden. Und natürlich, wenn jemand das Bild sieht und sich in dieses Bild verliebt, dann gibt's heutzutage ganz viele Möglichkeiten, sich zu treffen und den Kauf abzuwickeln."

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 22. Februar 2021 | 17:40 Uhr