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StadtgeschichteErster Volkspark Deutschlands: Neue Ausstellung im Magdeburger Gesellschaftshaus

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin für Sachsen-Anhalt

Stand: 23. März 2022, 13:13 Uhr

Eine Ausstellung im Gesellschaftshaus Magdeburg führt durch die Geschichte dieses bedeutenden Areals. Denn dort stand einst ein Benediktinerkloster, später wurde dessen Anlage als Klosterbergegarten zum ersten Volkspark umgestaltet. Es wurde unter Zutun des berühmten Architekten Schinkel das Gesellschaftshaus errichtet – später Pionierhaus und heute eben Haus der Musik. Die Magdeburger können hier nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern selbst Teil der Geschichte werden.

Heute erinnert nur noch der Name der Parkanlage "Klosterbergegarten" an diesen Teil der Magdeburger Stadtgeschichte: Denn auf dem Berge – an exponierter Stelle direkt an der Elbe – stand einst ein Kloster, "eine ottonische Gründung, die ersten Urkunden datieren um 970", erklärt Ausstellungsmacher Ralph Jürgen Reipsch.

Ausgestellt wurde das Dokument von Kaiser Otto. "Damit hat das Benediktinerkloster bestimmte Privilegien erhalten und war ein wichtiger Ort der Bildung, hatte eine eigene Bibliothek. Es war ein bedeutendes Kloster mit reichen Grundbesitz." Die Größe der Klosteranlage zeigt Reipsch auf einer handgezeichneten Karte aus dem 16. Jahrhundert.

Das Magdeburger Kloster verschwand

Auf Fahnen gedruckte Texte erzählen von der mehrfachen Zerstörung des Klosters: zur Reformationszeit und auch im Dreißigjährigen Krieg wurde es verlassen, dann aber als Pädagogium neugegründet. Dort lernten so prominente Schüler wie Christoph Martin Wieland oder Carl Friedrich Christian Fasch.

"Mit dem Pädagogium war dann auch irgendwann Schluss, und zwar unter napoleonischer Herrschaft", erläutert Reipsch weiter. "1810 ist die Schule geschlossen worden und 1813 hat man aus strategischen Gründen die Klostermauern wirklich völlig niedergelegt. Das Kloster war dann einfach weg."

Der erste Volkgarten entstand in Magdeburg

Weil Magdeburg als Festungsstadt eine Grünfläche fehlte, wurde 1824 der berühmten Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné beauftragt, vor den Toren der Stadt den ersten deutschen Volkspark zu gestalten – mit dem Gesellschaftshaus, das bis heute steht. Für dieses Gebäude zeichnete dann auch kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel erste Pläne, zeigt Carsten Gerth, Leiter des Gesellschaftshauses: "Dieser Schinkelsaal basiert schon auf dem Entwurf von Schinkel. Das ist also in den 1920er-Jahren als Gesellschaftshaus für Empfänge, für Bälle und für Konzerte geschaffen worden."

Die Ausstellung im Magdeburger Ständehaus versammelt Objekte aus verschiedenen Zeiten. Bildrechte: Max Fuchs

Vor allem war es damals ein viel besuchtes Ausflugslokal. Deswegen wurde das klassizistische Gebäude um 1900 mit einem Jugendstilbau erweitert. Dort traf man sich, erzählt auch Ingrid Pietsch, die Urenkelin des damaligen Restaurantbetreibers. Damals habe eine große Gastlichkeit im Garten geherrscht. "In einer Saison waren über hundert Kellner angestellt", habe Pietsch von ihrer Mutter erfahren.

Das Gesellschaftshaus war und ist für viele Menschen in Magdeburg ein wichtiger Treffpunkt. Bildrechte: Cornelia Schmalhaus

Das Pionierhaus in DDR-Zeiten

Sie hat noch historische Postkarten, Porzellan, Servietten und Besteck aus der Zeit, die sie den Ausstellungsmachern zur Verfügung gestellt hat. Denn das war die Idee, sagt Reipsch: die Magdeburger einzuladen auch ihre eigenen Erinnerungen zu teilen. Schließlich hat auch das Gesellschaftshaus eine wechselvolle Geschichte: wurde nach dem Krieg als Lazarett genutzt und zu DDR-Zeiten als Pionierhaus.

Die Magdeburger Ausstellung soll auch eine Einladung für eigene Erinnerungen sein. Bildrechte: Max Fuchs

Daran kann sich Angela Weit gut erinnern: "Für mich ist das ein Haus, in dem ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe. Ich habe im Malzirkel gearbeitet und habe hier auch Fasching gefeiert. Ich war draußen im Park und habe meine Ferien hier verbracht." Wobei der Park nicht nur für gute Erinnerungen sorgt – denn zu DDR-Zeiten war die Industriestadt deutlich spürbar, erzählt wiederum Pietsch: "Man hatte hier ein Kohlelager. Man konnte nicht auf die Elbe gucken, was nun alles richtig schön ist."

So schafft es diese Ausstellung, mit ihren Texten und den Exponaten ganz persönliche Erinnerungen zu triggern, weswegen auch die Erzählcafés als Rahmenprogramm regen Zulauf haben. So ist Stadtgeschichte ganz nah an den Bürgerinnen und Bürgern.

Mehr InformationenDie Ausstellung über das Gesellschaftshaus ist noch bis zum 31. August 2022 zu sehen.

Adresse:
Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten
Schönebecker Straße 129
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Jeweils eine Stunde vor Beginn von Veranstaltungen
Im Rahmen der Telemannfesttage vom 18. bis zum 27. März immer von 13 bis 17 Uhr

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 23. März 2022 | 07:10 Uhr