Ausstellung Kunstmuseum Magdeburg zeigt junge Malerei aus Südafrika

Erst vor zwei Jahren hatte die südafrikanische Künstlerin Zandile Tshabalala ihre erste Einzelausstellung in Deutschland, in der Galerie Draxler in Berlin. 2021 bekam sie das renommierte Kaiserring-Stipendium in Goslar. Nun zeigt das Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieber Frauen ihre Werke und gewährt damit einen Einblick in die afrikanische Kunstszene, in der zunehmend auch Schwarze Frauen eine Rolle spielen. Und genau davon erzählen auch Tshabalalas Gemälde.

Zandile Tshabalala - Lounging I G fabulous, 2021 4 min
Bildrechte: Simon Vogel

Ein Gemälde: Eine junge Schwarze Frau mit rot geschminkten Lippen und strahlend gelben Kleid hat sich gerade einen Rotwein eingeschenkt und blickt den Betrachter direkt an. Selbstbewusst treten uns die Protagonistinnen der Gemälde von Zandile Tshabalala entgegen und erzählen damit Geschichten von Leichtigkeit und Stärke.

Vor allem junge, starke Frauen spielen in den Werken der Künstlerin die zentrale Rolle. Die Leiterin des Kunstmuseums Magdeburg, Annegret Laabs, erklärt, damit rücke Tshabalala das ins Bild, was bisher in dieser Community vergessen wurde: "Das ist nämlich die Frau im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Nicht die Frauen am Rande der Gesellschaft, sondern mittendrin, mit beiden Beinen im Leben. International verknüpft, online, nicht mehr bezogen auf ein Land, auf eine Region, sondern überall in der Welt unterwegs."

Ausstellung in Magdeburg rückt Frauen in den Fokus

Ein Szenario, das sich aber auch für die 23-jährige Zandile Tshabalala erst nach und nach eingestellt hat. Ihre Bilder von Frauen, die ihre Schwarze Identität feiern, weichen nämlich vom immer noch gängigen Narrativ ab, wie sie selbst erzählt. Auch in der Kunst würden Schwarze Frauen als Minderheit angesehen. Das sei immer noch ein Problem, so die junge Künstlerin. Frauen müssten kämpfen, um wahrgenommen zu werden: "Wir sind so lange nur als Stereotype gesehen worden, aber wir sind halt Vieles: mal stehen wir allein, mal sind wir in einer Gruppe, mal traurig, mal fröhlich. Und bevor wir uns mit weitergehenden Themen befassen können, müssen wir erstmal richtig wahrgenommen werden."

Ein Gemälde zeigt zwei junge Frauen, die sich lachend umarmen.
Die Motive der Künstlerin Zandile Tshabalala erinnern an fotografische Schnappschüsse. Ihr Gemälde "Nono and I" entstand 2021. Bildrechte: Simon Vogel

Gemälde wie fotografische Schnappschüsse

Und genau darin sieht Tshabalala ihre Profession. 1999 in Johannesburg in Südafrika geboren und aufgewachsen, hat sie Kunst und Kunstgeschichte studiert und dabei die figürliche Malerei als Ausdrucksmöglichkeit für sich entdeckt. Ihre Kompositionen erinnern an fotografische Schnappschüsse – mit eigenwilligem Pinselstrich, was ihre Arbeiten wiederum sehr besonders mache, findet Museumsleiterin Laabs.

Wenn man die Farben ihrer Gemälde anschaut, die sehr gut gewählten Ausschnitte und Kompositionen, ist man erstaunt, wie man das im jungen Alter schon so im eigenen Stil hinbekommen kann, der sich aus sehr fein durchmodellierten Partien in den Gemälden zusammensetzt, denen sie große Flächen gegenüberstellt.

Annegret Laabs, Leiterin des Kunstmuseums Magdeburg

Auch kontrastiert die Künstlerin in der Farbgebung: Schwarze Gesichter auf weißer Leinwand oder bedeckt mit weißem Badeschaum. Spannend wird es auch, wenn sie zum Beispiel das Renaissance-Gemälde "Die Geburt der Venus" von Botticelli zitiert und damit unseren tradierten Blick auf die Werke bekannter europäischer Malerei bricht.

Neue und seltene Perspektive für europäische Betrachter

Tshabalala habe gestört, dass es die europäische, die amerikanische, die angesehene Kunst gibt, in der Schwarze Frauen nur am Rande vorkämen. Ganz selbstbewusst, ihrer Generation entsprechend, habe sie gesagt: Das muss sich ändern! Wir jungen Frauen aus Südafrika müssen jetzt zum Bildgegenstand werden, wenn wir wollen, dass wir in die Kunstgeschichte aufgenommen werden.

Ein Gemälde, das das Gesicht einer jungen Schwarzen Frau vor weißem Hintergrund zeigt.
Schwarzes Gesicht vor weißer Leinwand – Tshabalala kontrastiert in ihren Gemälden gerne. Bildrechte: Earl Abrahams

Zandile Tshabalala tut genau das und verschafft gerade dem europäischen Betrachter einen immer noch seltenen Perspektivwechsel. Sie selbst versteht sich zwar nicht als politische Künstlerin, dennoch kann man ihre Werke durchaus als politisches Statement begreifen – auch wenn sie in ihrer Bildsprache nicht so eigenwillig sei, wie man glauben möge, sagt Laabs. "Zandile Tshabalalas Arbeiten sind nicht solitär. Sie gehören in eine Community junger, afrikanischer Kunst, die im Moment tatsächlich so aussieht. Es sind Schwarze, die sich der figürlichen Malerei widmen, sei es in Südafrika, in Ghana oder auch in Nigeria."

Gemalt werde nach Foto, abgebildet das gesellschaftliche Leben. Doch eins machten all diese Künstler anders, als wir es kennen: "Ihre Personen blicken uns an – also ein Selbstbewusstsein, mit dem sie auftreten, was wir gar nicht kennen." Sie zeigen eine seltene Perspektive – genau das macht die Ausstellung in Magdeburg so besonders und sehenswert.

Ein Gemälde, das eine Gruppe junger Schwarzer Frauen zeigt, die lachen.
Die Künstlerin Zandile Tshabalala rückt junge Frauen in den Mittelpunkt, die ihre Identität feiern und selbstbewusst sind. Bildrechte: Earl Abrahams

Mehr Informationen zur Ausstellung Zandile Tshabalala: "In search of my mother's garden"
10. Juli bis 25. September 2022

Kunstmuseum Magdeburg
Kloster Unser Lieben Frauen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag:10 bis 17 Uhr
Sonnabend und Sonntag: 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

Die Kirche sowie das Obere Tonnengewölbe mit der Sammlung Zeitgenössische Kunst sind für Besucher*innen bis voraussichtlich Herbst 2022 geschlossen. Grund ist die Sanierung der Gebäudeteile.

Eintritt:
6 Euro/ermäßigt 3 Euro
Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre): frei

(Redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juli 2022 | 07:10 Uhr

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