Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern steht in einem hellen Raum und beobachtet ein mathematisches Experiment in einem begehbaren Glaszylinder
Highlight der Ausstellung "Mathematik zum Anfassen" in der Magdeburger Festung Mark ist ein Experiment mit Riesenseifenblasen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Festung Mark "Mathematik zum Anfassen" – Magdeburger Ausstellung lädt zum Mitmachen ein

11. März 2023, 04:00 Uhr

Kugelbahnen, Puzzles, Seifenblasen – mit einer interaktiven Ausstellung in der Festung Mark lädt die Fakultät für Mathematik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg derzeit dazu ein, die Welt der Mathematik zu entdecken. Mit zahlreichen Exponaten zum Anfassen und Ausprobieren will die Hochschule den Besucherinnen und Besuchern zeigen, das Mathe mehr als nur bloßes Rechnen ist.

Was hat Mathematik mit Mozart und Musik zu tun? Hier kann man es hören, sagt Ulf Friedrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mathematik der Universität Magdeburg, und zeigt auf eines der 30 Exponate der Ausstellung: ein Computer, an dem man Zahlen und Takte würfeln soll.  

"Das ist tatsächlich ein Exponat, das Wolfgang Amadeus Mozart erfunden hat", sagt Ulf Friedrich, "der ja auch bekannt dafür war, gerne und viel zu spielen." Mit diesen Worten startet der Mathematiker den Computer und lässt ihn einmal würfeln, woraufhin verschiedene Kombinationen entstehen. Zu jeder Kombination – so hat Mozart es einst erfunden – gehört ein Takt einer Musik, die er geschrieben hat. Und so spuckt der Computer am Ende ein Stück von Mozart aus, was eins von 750 Billionen Möglichkeiten ist.

Das heißt: Das Stück, was wir jetzt abspielen, ist höchstwahrscheinlich eins, das noch niemand vor uns gehört hat. Also, eine Mozart-Original-Weltpremiere.

Ulf Friedrich, Mathematiker an der Uni Magdeburg

Spielerisch die Welt der Mathematik erkunden

Mozart hat das natürlich so gemacht, dass jeder Takt zu jedem anderen Takt passt. Das ist das musikalische Genie. Hier wird es computergeneriert, aber es verdeutlicht und macht Spaß. Und darum geht es in dieser interaktiven Ausstellung: spielend Dinge ausprobieren und wenn man etwas mehr wissen will, dann fragen. Dafür steht immer wissenschaftliches Personal zur Verfügung. Auf diese Weise können sich Kinder und natürlich auch Erwachsene mal ganz anders Formen, Zahlen und Strukturen nähern.

"Wir haben viele schöne Exponate aus Holz, mit denen man geometrische Figuren bauen kann", sagt Ulf Friedrich und verweist auf einen Knobeltisch, an dem man Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zusammensetzen muss. "Und auch viele Exponate mit Spiegeln zum Beispiel, wo es um Symmetrien geht, um Geometrie."

Ausstellung für Mathegenies und Mathemuffel

Die Besucherinnen und Besucher fasziniert vor allem die Riesenseifenblase, in die man sich hineinstellen kann. Das versucht die 12-jährige Sofia gerade. Dafür muss sie einen an einem Seil befestigten Ring nach oben ziehen – nicht zu schnell und nicht zu langsam, sonst platzt die Seifenblase. "Das ist halt schwer, das genau hinzubekommen. Ich habe es noch nicht geschafft."

Ähnlich geht es auch Joel Pascal, der in die 5. Klasse geht. Er hat ein anderes Exponat liebgewonnen und festgestellt: Nur Versuch macht klug. "Da muss man bestimmte Buchstaben tippen, damit daraus Sätze werden. Und dann muss man halt den Code knacken. Einmal habe ich es geschafft – mit 107 Fehlversuchen, aber es macht Spaß. Man muss überlegen, sehr dolle."

Zwei Schüler untersuchen ein Ausstellungsstück.
Wie komme ich auf schnellsten Weg von einer Landeshauptstadt in die andere? Diese und andere Fragen lassen sich in der Magdeburger Ausstellung ergründen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ideen für einen lebendigeren Matheunterricht

Mit Spaß rätseln – so beschreiben auch die besten Mathematikerinnen und Mathematiker weltweit ihren Beruf. Das habe sich jedoch zumindest in den Schulen noch nicht herumgesprochen, sagt Christian Klinsmann, der Lehrer ist. Viele Kinder hätten in Bezug auf Mathe eine Barriere im Kopf: "Mathe ist schwer und kompliziert", das sei so vorgeprägt.

Christian Klinsmann hat das Angebot der Mitmach-Ausstellung auch deshalb gerne wahrgenommen, weil sie eine Abwechslung zu dem Unterricht bietet, den er und seine Kollegen momentan in der Schule leisten können: Mathematik zum Anfassen statt Mathematik auf symbolischer Ebene, "um den Kindern es noch besser zu vermitteln und den Spaß ein bisschen in den Vordergrund zu stellen." 

Mathematik – ein Fach mit einem Imageproblem

Vorurteile gegenüber der Mathematik abzubauen, sei tatsächlich auch ein Anliegen der Ausstellung in der Festung Mark, sagt Ulf Friedrich. Denn mittlerweile ziehen diese sich bis in die Universität hinein. "Wir haben als Fach oft das Problem, dass selbst in Film und Fernsehen, wenn jemand gefragt wird, 'Wie war es denn heute in der Schule?' und die Schülerinnen oder der Schüler am Tisch sagt, 'Ich habe eine Fünf in Mathe.', der andere sagt, 'Naja, das ist nicht schlimm, es ist ja Mathe.'

Wir haben also den Ruf, dass alle Leute sagen, man darf da vielleicht schlecht drin sein. Es ist ja schwieriger, und das ist, was bei den Schülerinnen und Schülern letztlich dazu führt, dass sie so ein Grundgefühl haben, in Mathe darf man schlecht sein.

Ulf Friedrich, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Magdeburg

Joel Pascal und Sofia jedenfalls hat Mathe an diesem Tag richtig Spaß gemacht, und sie haben sicherlich verstanden: Mathe ist mehr als nur Rechnen. Kein Exponat der Ausstellung beweist das eindrücklicher, als die Kugelbahnen: Hierbei werden die Kugeln zweier gleicher Bahnen auf unterschiedlicher Höhe gestartet und trotzdem kommen beide Kugeln zur gleichen Zeit am Ende an. "Das ist kein Zufall", sagt Ulf Friedrich, "das ist Mathematik."

Weiterführende Informationen Mathematik zum Anfassen – Ausstellung der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg in Kooperation mit dem Gießener Mathematikum

Ausstellungsort:
Festung Mark
Hohepfortewall 1 | 39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Mo - Fr 15:30 bis 17:30 Uhr
Sa 10 bis 16 Uhr

Eintritt frei

Die Ausstellung endet am 24. März 2023. Am 23. März 2023 ist sie geschlossen.

(Redaktionelle Bearbeitung: Tina Murzik-Kaufmann)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. März 2023 | 08:15 Uhr