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Bildrechte: Norbert Pohlmann

Ausstellung im Forum GestaltungFaszinierende geometrische Skulpturen in Magdeburg

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin für Sachsen-Anhalt

Stand: 13. Oktober 2022, 04:00 Uhr

Die Kunstwerke von Jean Kirsten fangen Bewegung ein in komplexen geometrischen Formen. Das Ergebnis sind beeindruckende Bilder und Skulpturen, die unter dem Titel "Platonische Koerper" jetzt im Forum Gestaltung in Magdeburg zu sehen sind.

Es gibt Kunstwerke, die faszinieren und man kann gar nicht genau erklären, warum. So auch die Skulpturen und Bilder des Dresdner Künstlers Jean Kirsten. Es sind geometrische Figuren oder auch schwungvolle Linien – in jedem Fall abstrakte Strukturen in schwarz-weiß, die die Betrachter*innen regelrecht in den Bann ziehen. Vielleicht, weil sie so dynamisch und gleichsam konstruiert daherkommen. Es gehe um Bewegung von geometrischen Körpern, erklärt Kurator Norbert Eisold. Die Formen würden durch Kombination und Variation in Bewegung versetzt und zu schweben beginnen, schwärmt Eisold.

Blick in die Ausstellung "Platonische Körper" von Jean Kirsten

Bildrechte: Norbert Pohlmann
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Was auf den ersten Blick vor allem sehr ästhetisch wirkt, beruht eigentlich auf komplexen theoretischen Überlegungen. Denn Kirsten arbeitet mit den sogenannten fünf platonischen Körpern, also geometrische Konstruktionen von höchster Symmetrie. Da gibt es zum Beispiel den zwanzigseitigen Ikasaeder, den der Künstler als Objekt baut, dann aber aufbricht oder erweitert. So ergeben sich mannshohe verschachtelte Körper oder auch Flächen, die manchen an Ob-Art erinnern mag.

Bewegung eingefangen in komplexer Geometrie

Hier geht es aber vor allem um die bildnerische Erforschung von Bewegungen. So setzt sich der 1966 in Dresden geborene Künstler seit einigen Jahren mit der Raum-Harmonielehre des ungarischen Avantgarde Choreografen Rudolf von Laban auseinander. Laban entwickelte mithilfe geometrischer Strukturen eine eigene Schrift für seine strenge Tanzkunst, "die sogenannte Labanotation", erzählt Kurator Eisold. Hier ist auch der Link nach Magdeburg: Denn Laban war als Tanzpionier bei der Theaterausstellung 1927 und sei deshalb auch für das Forum Gestaltung von besonderem Interesse, erklärt Eisold. Und damit auch die Arbeiten von Jean Kirsten, dessen Liniengefüge und Objekte dieser spezifischen Tanztheorie folgen, wie er selbst erzählt.

Im Prinzip ist es eine Visualisierung einer gedachten Bewegung, die im Raum ablaufen würde: Der Tänzer steht gedacht in einem Raum, das kann ein Würfel oder ein Quader sein und in dem läuft eine Bewegung ab. Und auf die Seitenfläche wird dann diese Bewegung projiziert.

Jean Kirsten, Künstler

Paradoxe Gegensätze

Dabei ist ihm das Paradoxe seines Vorhabens wohl bewusst, denn warum versucht man das, was sich bewegt, wieder in die Starre zurückzuführen? Doch genau darin besteht das Experiment, dem sich der Künstler, wie er erzählt, gerne ausliefert. Und das er im besten Sinn auch von den Besucher*innen abverlangt, findet Eisold: "Man ist fasziniert, insbesondere von diesen Raum-Durchdringungen. Wenn man die Figuren umrundet, ergeben sich immer andere Blickwinkel, (…) dass man meint, diese großen plastischen Arbeiten könnten umfallen."

In diesen Uneindeutigkeiten oder Gegensätzen von klaren Strukturen und künstlerischem Chaos besteht der Clou dieser Arbeiten. Es ist eine Ausstellung, bei der man sich auf geschichtlichen Spuren ins Theoretische vertiefen kann, die aber mit ihren dynamisch spielerischen Elementen auch einfach sinnlich berührt.

Informationen zur AusstellungSonderausstellung: "Platonische Koerper" von Jean Kirsten

Vom 16. September bis 11. Dezember 2022 im Forum Gestaltung Magdeburg

Adresse:
Brandenburger Str. 10
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr

Preis: 5 Euro

Redaktionelle Bearbeitung: Hanna Romanowsky

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2022 | 07:40 Uhr