"Next Season" Magdeburger Kunstmuseum zeigt Sachsen-Anhalts nächste Künstlergeneration

Im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen spielt momentan die junge Generation eine wichtige Rolle: Die neu eröffnete Schau "Next Season" zeigt Arbeiten von fünf Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Burg Giebichenstein Halle. Nach dem Motto "Ohne Risiko keine Kunst" greifen die jungen Künstlerinnen und Künstler mit Axt und Kohlestaub zum Material. Das Land Sachsen-Anhalt war überzeugt, hat die Werke gekauft und dem Kunstmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Unter dem Motto "Next Season" zeigt das Kunstmuseum Magdeburg Arbeiten von fünf Absolventinnen und Absolventen der Hochschule Burg Giebichenstein Halle. Mit Norma Mona Bach, Linda Grünberg, Johannes Nagel, Hanna Sass und Ulrike Zabel steht somit eine junge Generation im Mittelpunkt der außergewöhnlichen Ausstellung.

Chance für die nächste Generation

Die Idee ist einfach und das Ergebnis bemerkenswert: Jedes Jahr werden Werke zur Unterstützung der bildenden Künstler vom Land Sachsen-Anhalt erworben – als wohl einzigem substanziellen Käufer, wie Uwe Gellner vom Kunstmuseum Magdeburg sagt. Einige dieser Arbeiten seien so gut, dass man sie auch im Museum ausstellen sollte. So wolle man den Blick für die respektable Kunstsammlung des Landes schärfen, aber auch zum Sammeln im Privaten motivieren.

Das ist eigentlich unser Wunsch, mit so einer Ausstellung zu zeigen: Es gibt fabelhafte junge Künstlerinnen und Künstler als Absolventen in diesem Land.

Uwe Gellner Sammlungsleiter Kunstmuseum Magdeburg

Authentischer Blick in die Arbeitswelt junger Künstlerinnen und Künstler

Die Arbeiten sprächen für sich, sagt die ebenfalls noch junge Kuratorin Theresia Ilchmann, die aus den unterschiedlichen Werken eine bemerkenswerte Ausstellung komponiert hat. Mit ähnlichem Erfahrungshintergrund gelingt es der jungen Kunstwissenschaftlerin in ihren einführenden Texten, aber auch bei ihren Führungen, einen authentischen Blick in die Arbeitswelt der fünf Hochschulabsolventen zu geben.

Ein Bild von Hanna Sass: 02.01.18
Hanna Sass: 02.01.18 Bildrechte: Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg / Hanna Sass

Die großformatigen Holzschnitte von Hanna Sass erinnern an Gräser oder Mosquitoschwärme – Abstraktionen, für die sich die Künstlerin im wahrsten Wortsinn am Material abarbeitet, wie Kuratorin Ilchmann erläutert:

"Hanna Sass bearbeitet mit Beil und Stecheisen und mit ganz schweren Gerätschaften die Platten, die wirklich auch große Formate haben. Und entscheidet dann sozusagen nach diesem doch sehr intuitiven Prozess, wo sie sich selbst in so eine Art Flow begibt, wo sie sich wirklich richtig fallen lässt."

Zeichnungen, Druckgrafik und Keramik mal anders

Johannes Nagel, Orbital, 2015
Johannes Nagel, Orbital, 2015 Bildrechte: Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg /Johannes Nagel / Foto: Hans-Wulf Kunze

Dieses Changieren zwischen Intuition und bewusstem Tun zeigt sich auch in den anderen Werken: Der Keramiker Johannes Nagel arbeitet keine Schälchen oder Vasen an der Drehscheibe, wie man es sonst kennt, sondern zaubert quasi blind Skulpturen aus dem Sand, weiß die Kuratorin:

"Er baut nicht die äußere Form, sondern die innere. Er hat in seinem Atelier Sandkästen und formt mit seinem Arm diese Ausbuchtungen in den Sand und gießt sie dann aus."

Mit Blick auf das Schaffen der Künstlerinnen und Künstler ihrer eigenen Generation meint sie: "Letztlich ist es wie ein Zufallsfund, es kann also gelingen oder eben nicht – und das ist vielleicht auch das, was diese unsere Zeit gerade ausmacht", sagt die 34-Jährige. Der Wechsel zwischen diesem "Ich muss mich zurückziehen, um mein Handeln noch mal zu reflektieren" und "Ich muss auch einfach mal was wagen" sei heute wichtiger denn je.

Mit Bleistift oder Atemmaske im Atelier

Auch hier hat die Kuratorin die Ateliers der Künstlerinnen vor Augen: Ulrike Zabel, die mit feinsten Strichen amorphe Gebilde zeichnet oder – ganz anders – die riesigen Werke von Nora Mona Bach, die mit Staubmaske grauschwarze Landschaften aus Kohlestaub auf die Leinwand bringt. Sie sehe dann immer aus wie ein Schornsteinfeger, erklärt Ilchmann: "Aber ihre Arbeiten wirken wiederum sehr, sehr zerbrechlich. Die wirken wie so ein Aufscheinen aus einer Erinnerung oder aus einem Traum."

Heißt: diese Künstler stellen sich einem Wagnis, das sie gleichsam mit der intensiven Beschäftigung des Materials zu überwinden suchen:

Linda Grüneberg untersucht dabei die innere Struktur und Logik von Textilien, ohne dass sie diese abbildet. Sondern sie schafft papierne Gewebe, die sie wiederum auf Japanpapier abdruckt. Erneut ist hier ein konzeptueller Ansatz zu spüren, der den Arbeiten eine weitere Dimension verleiht.

Auch das macht diese Schau sehenswert.

Angaben zur Ausstellung Next Season
Bis 5. September

Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg
Regierungsstraße 4-6
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten
Di bis Fr: 10-17 Uhr |
Sa und So: 10-18

Tipps zu Ausstellungen und Museen in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juli 2021 | 08:40 Uhr

Abonnieren