Ausstellung "Phantasma" Katzen, Kitsch und Herr der Ringe: Martin Eder in Leipzig

Der in Berlin lebenden Maler Martin Eder präsentiert in der Leipziger Galerie EIGEN+ART seine neuen Ölgemälde. Der Künstler ist auch in Amerika ein Star, bekannt für die gegenständlich ausgeführten Gemälde seiner sündigen oder mindestens von der Sünde umfächelten Frauengestalten, des Weiteren für seine meist herzallerliebsten Katzen und Kätzchen.

Martin Eder: Purgatory / Fegefeuer, 2021, Öl auf Leinwand, 112 x 75 cm
Martin Eder: Purgatory / Fegefeuer, 2021, Öl auf Leinwand, 112 x 75 cm Bildrechte: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

Sein Ruf eilt seinen Gemälden voraus: Wer zu Martin Eders Bildern pilgert, tut das in dem Bewusstsein, sexuell – und auch geschmacklich – auf die Probe gestellt zu werden. Bekannt ist der Maler für seine mindestens halbnackten Frauengestalten in eindeutigen, manchmal auch zweideutigen Posen. Gerne gibt ihnen Eder, als Steigerung, Salon-Kätzchen zur Seite und überzieht die Szenerie mit einem kitschigen "Glow" aus Bonbonfarben.

"Kitschy" sagt man dazu in den Staaten; dort ist man schon viele Jahre begeistert von Martin Eders Vulgarismen, die immer auch das Böse in der Welt anzeigen.

Martin Eder
Martin Eder Bildrechte: Johan Sandberg

Ich bin das nackteste Modell von allen. Es ist ein Unterschied, ob man unbekleidet ist. Wenn ich sage: 'Ich bin der Nackteste von allen', dann meine ich das im Sinne von: Ich habe kein Geheimnis mehr.

Martin Eder

Entwicklung der Motive

Wer nun Eders neue Exkurse in Öl in der Lepziger Galerie EIGEN+ART in Augenschein nimmt, ist vor allem verblüfft, dass er oder sie sich nicht geschockt auf die eigens mitgebrachte Frauenbeauftrage stützen müssen: Das Vulgär-Pornografische scheint aus den neueren Bilder zu weichen; der abgründige Zustand der Welt wird hingegen stärker betont.

Martin Eder: Purgatory / Fegefeuer, 2021, Öl auf Leinwand, 112 x 75 cm
Martin Eder: Purgatory / Fegefeuer, 2021, Öl auf Leinwand, 112 x 75 cm Bildrechte: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

Ausdrucksmittel sind denn auch weniger halbnackte Frauen, als wesentlich mehr Katzen, nackte Katzen, hellhäutige Nacktkatzen, die in der realen Welt in ihren Rasse-Namen oft das Wort "Sphynx" führen. Katzen sind die zweite Gruppe von Lebewesen, denen Martin Eder seine künstlerische Aufmerksamkeit schenkt. Bislang malte er eher stark behaarte, vom Typ der Perserkatze, nun nackte.

Elke Hannemann von der Galerie EIGEN+ART beschreibt, was der Maler Martin Eder der Welt über die Metapher der Katze mitzuteilen hat: "Dass es keine klassischen Katzenbilder sind, und es nicht darum geht, Katzen eins zu eins abzubilden, sieht man auch an den Formaten. Vor uns stehen hier Katzen, die lebensgroß, menschengroß sind, in Form von Bildern. Martin Eder formuliert es für sich: Ich male keine Katzen, sondern den Geist der Katzen. Das ist so etwas wie eine Essenz der Welt, die da übrig bleibt. Die wird also materialisiert: in Bildern auf Leinwand, in Form von Katzen."

Die Macht der Katzen

Martin Eder: Coherence / Zusammenhang, 2021, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm
Martin Eder: Coherence / Zusammenhang, 2021, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm Bildrechte: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

Wer die Schau in der Leipziger Galerie betrifft, sieht sich an der gegenüberliegenden Wand von einer Nacktkatze konfrontiert, die das praktiziert, was man gemeinhin als den Bösen Blick bezeichnet. Gänzlich überraschend sitzt sie in einem mächtigen Blumenbouquet, gleich dem plötzlich auftauchenden Pudel in Goethes Faust. Der Himmel ist schwarz und dramatisch. Die vielen weißen Lilien im Strauß, die auch als Totenblumen gelten, lassen anklingen, dass es sich hier nicht um eine Geburtstagsgabe handelt.

"Fegefeuer" heißt denn auch das Bild, dass Eder, 1968 im katholischen Bayern geboren, gemalt hat. Die sphinxenhafte Nacktkatze scheint der Höllenfürst persönlich, der über die Dauer der Seelenreinigung im Purgatorium wacht – oder eben eine der unglücklichen Seelen, die darin schmort. Je nach Perspektive.

Es ist ein sehr grimmiger Blick. Die Augen gucken einen so an: Was willst du von mir, was ist das hier? Unzufriedenheit mit der Welt! Und es ist auf alle Fälle ein Zeitgenosse, der uns so anguckt. Dass man kurz erschrocken ist, zusammenzuckt und denkt: Habe ich was falsch gemacht, was möchtest du von mir? Was sind meine Fehltritte?

Elke Hannemann, Galerie EIGEN+ART

Kitsch+Trash

"Phantasma" heißt die Ausstellung. Den Betrachtern begegnen darin jede Menge phantastische Tier- und Katzenwesen, so auch in zwei Metern Höhe, in Öl, eine doppelköpfige, janusköpfige, weiße Perserkatze, die sich im Bild zu einem Felsen am Fluss auftürmt wie im "Herr der Ringe". Die Szenerie ist in Bonbonfarben getaucht, rosa und hellblau. Und hat so die kitschig-trashige Note, die die Fans des Malers so lieben.

Es ist ein bewusstes Spiel mit dem, was wir in dieser Alltagästhetik erleben. Martin Eders Bilder sind so in diesem Spannungsfeld, was man vielleicht als Trivialkultur bezeichnen würde – oder auch Hochkultur.

Elke Hannemann

Die dunkle Seite des Weibes

Martin Eder: Illusionist, 2021, Öl auf Leinwand, 225 x 150 cm
Martin Eder: Illusionist, 2021, Öl auf Leinwand, 225 x 150 cm Bildrechte: courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Uwe Walter, Berlin

So bringt Martin Eder auch auf die Lippen der wenigen Frauenportraits in der Schau einen kitschigen, lipglossartig-klebrigen "Glow". Äußerlich scheinen seine Protagonistinnen allesamt Franz von Stucks Bild "Die Sünde" entsprungen zu sein, eines der bekanntesten Bilder des Symbolismus‘ –  ihre Namen lauten mindestens Judith oder Salomé.

An den Frauenportraits zeigt sich am deutlichsten, wie altmeisterlich gegenständlich Martin Eder in Öl malt. Was die sichtlich emotional gesteuerten, dunkelhaarigen Schönheiten antreibt, bleibt ihr Geheimnis. Die dunkle Seite des Weibes – vor ihr scheinen sich doch tatsächlich auch Männer von heute zu fürchten.  Zu erleben in den Bildern Martin Eders.

Die Ausstellung Martin Eder – "Phantasma"

10. April - 29. Mai 2021

Galerie EIGEN + ART Leipzig
Spinnereistraße 7. Halle 5.
D - 04179 Leipzig

Besuchstermine können auf der Webseite gebucht werden. Der Nachweis eines negativen Corona-Tests, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, ist verpflichtend. Es gelten die bekannten Corona-Schutzmaßnahmen.

Ausstellungen in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. April 2021 | 11:15 Uhr

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