"Alte Frau an der Haustür" und "Venezianische Gasse nach links" Liebermann-Gemälde nach Halle zurückgekehrt

Eine Museumsmitarbeiterin betrachtet die Arbeiten 'Alte Frau an der Haustür' und 'Venezianische Gasse' (beide 1878) von Max Liebermann in einer Ausstellung über der Arbeit 'Weberei in Laren'.
Die beiden Werke "Alte Frau an der Haustür" und "Venezianische Gasse" von Max Liebermann in einer Ausstellung über der Arbeit "Weberei in Laren". Ab dem 3. September sind sie im Kunstmuseum Moritzburg zu sehen. Bildrechte: dpa

Zwei Werke des Malers Max Liebermann sind am Mittwoch ins Kunstmuseum Moritzburg Halle zurückgekehrt. Wie Direktor Thomas Bauer-Friedrich erklärte, sind die beiden kleinformatigen Gemälde "Alte Frau an der Haustür" und "Venezianische Gasse nach links" ab dem 3. September wieder in der Ausstellung zu sehen. Bauer-Friedrich zufolge stammen sie aus dem Jahr 1878 und können wegen ihrer "lichtdurchfluteten Darstellungen" als "Paradebeispiele für das Schaffen des damals werdenden Impressionisten Max Liebermann" gelten.

Ölgemälde mit bewegter Geschichte

Bei der Präsentation gab er auch über die bewegte Geschichte der beiden Werke Auskunft. Im Jahr 1900 wurden die zwei Ölgemälde demnach als erste der damals entstehenden Liebermann-Sammlung vom Museum erworben, bald hatte das Haus 15 Werke des Malers in Besitz. 1938 folgte das Kunstmuseum mit seinem Direktor Hermann Schiebel einer Anordnung des NS-Regimes, Liebermann-Werke nicht mehr auszustellen, wie Bauer-Friedrich weiter ausführte. Schiebel habe die beiden Werke daraufhin an die Leipziger Kunsthandlung Franke veräußert, statt sie ins Depot zu geben. Im Gegenzug habe das Museum ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert sowie eine kleine Geldsumme erhalten. Liebermanns Kunst sei von den Nazis als "entartet" eingeordnet worden, vorrangig weil er Jude war.

Die abzugebenden beiden Bilder von Liebermann sind für uns als Ausstellungsstücke nicht mehr verwendbar, da Liebermann Jude ist.

Museumsdirektor Hermann Schiebel In einem Schreiben an Gaukulturwart Bernhard Grahmann, 1938

Zufallsfund im Auktionsportal

Eine Museumsmitarbeiterin betrachtet die Arbeiten 'Alte Frau an der Haustür' und 'Venezianische Gasse' (beide 1878) von Max Liebermann in einer Ausstellung über der Arbeit 'Weberei in Laren'.
Wieder in der Ausstellung Bildrechte: dpa

Durch Zufall sei eine Museumsmitarbeiterin Ende 2019 bei einer Recherche in einem Auktionsportal auf das Gemälde "Alte Frau an der Haustür" gestoßen. Kurze Zeit später fand sich auch die "Venezianische Gasse nach links" über ein Auktionshaus wieder, wie es weiter hieß. Daraufhin habe es Gespräche mit den neuen Eigentümern gegeben, so Bauer-Friedrich. Mit der Rückkehr der beiden Gemälde nach 82 Jahren sei die Liebermann-Sammlung in Halle nun wieder auf fünf dauerhaft im Kunstmuseum zu sehende Werke gewachsen.

Vorauseilender Gehorsam

Das Kunstmuseum Moritzburg habe sich damals unter Schiebel durchaus eigeninitiativ entschieden, die Liebermann-Werke zu entfernen, hieß es vorab. Dies sei etwa in der Nationalgalerie Berlin anders gewesen, wo auch nach der Aktion "Entartete Kunst" der Nationalsozialisten noch Werke Liebermanns zu sehen gewesen seien.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. September 2020 | 14:30 Uhr

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