Lebenswerk Wie Max Uhlig sein künstlerisches Fortleben sichern will

Im April 2018 übergab der Dresdner Künstler Max Uhlig große Teile seines Werkes und Ateliergebäudes an den Freistaat Sachsen. Mit dieser Schenkung sichert er sein Lebenswerk, das später öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Es war das erste derartige Projekt, mit dem die Kulturstiftung des Freistaates eine ganze Immobilie samt Bildern und Grafiken übernahm. Als Modellprojekt soll dieser sogenannte Vorlass Vorbild für andere Künstlerinnen und Künstler sein. MDR KULTUR-Autor Wolfram Nagel hat mit dem 1937 in Dresden geborenen Maler und Grafiker darüber gesprochen.

Das Atelier- und Wohnhaus des Dresdner Malers Max Uhlig.
Das Atelier und Wohnhaus des Dresdner Künstlers Max Uhlig vor Pillnitz. Bildrechte: dpa

Große Fenster, Licht von drei Seiten. In der ehemaligen Fabrikhalle mit den gusseisernen Säulen lehnen Porträts an den Wänden. Auch Landschaften, gemalt mit schnellen, expressiven Pinselstrichen. Hier saß auch einmal Gerhard Schröder Modell für ein Kanzlerporträt. Nach einem Atelierbrand im Künstlerhaus Loschwitz hatten Max Uhlig und seine Frau Angela Simon das verfallende Fabrikgebäude im Helfenberger Grund 1999 gekauft und ausgebaut. Aber schon bald wurde ihnen klar, dass die längst erwachsenen Töchter nicht einmal Teile der Gebäude übernehmen können.

Die hätten gar nicht hier einsteigen und das Nebengebäude übernehmen können. Daraufhin haben wir uns entschlossen, auch diesen Teil für die Kulturstiftung mit einzubeziehen.

Max Uhlig, Künstler
Künstler Max Uhlig
Der Dresdner Künstler Max Uhlig Bildrechte: dpa

Also wurden die Töchter ausbezahlt. Deren Verzichtserklärungen machten den Weg frei für die Schenkung des Haupt- und Nebengebäudes an die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Dazu gehören auch die Druckerpressen, mit denen Max Uhlig zu DDR-Zeiten seinen Lebensunterhalt verdiente. Wichtigster Teil des Vorlasses sind Grafiken, Zeichnungen und Gemälde.

Max Uhlig erläutert: "Ein kleiner Teil bleibt unveräußerlich, und der größere Teil ist veräußerlich. Ich mache das zu den Bedingungen: 40 Prozent für die Stiftung, damit diese Arbeiten finanziert werden können. Und wenn ich nicht mehr da bin oder geschäftlich nicht mehr tätig sein kann, bekommt alles die Stiftung."

Das Atelier- und Wohnhaus des Dresdner Malers Max Uhlig. 4 min
Bildrechte: dpa

Im Fabrikgebäude des Malers Max Uhlig vor Pillnitz entsteht ein künftiges Künstlermuseum. Es ist ein Musterbeispiel, wie das Fortleben des künstlerischen Werks über die eigene Lebensspanne hinaus vorbereitet werden kann.

MDR KULTUR - Das Radio Di 16.02.2021 12:00Uhr 04:11 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Atelier- und Wohnhaus des Dresdner Malers Max Uhlig. 4 min
Bildrechte: dpa

Im Fabrikgebäude des Malers Max Uhlig vor Pillnitz entsteht ein künftiges Künstlermuseum. Es ist ein Musterbeispiel, wie das Fortleben des künstlerischen Werks über die eigene Lebensspanne hinaus vorbereitet werden kann.

MDR KULTUR - Das Radio Di 16.02.2021 12:00Uhr 04:11 min

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Max-Uhlig-Haus wird Künstlerresidenz

Auf rund 1.700 Quadratmetern Nutzfläche könnten später einmal Workshops, Symposien und Ausstellungen stattfinden. Auch solle es Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Stipendiatinnen und Stipendiaten aus dem Ausland hier geben, die von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen eingeladen werden. Für den Umbau des Max-Uhlig-Hauses zur internationalen Künstlerresidenz hat es bereits einen Architekturwettbewerb gegeben.

Es können nach dem sehr guten Entwurf sechs solche Räume, die für Doppelzwecke möglich sind – Wohnen und Arbeiten – hier mit ausgebaut werden.

Max Uhlig, Künstler

Für die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sei das zukünftige Max-Uhlig-Haus ein Vorzeigeprojekt, sagt Stiftungsdirektor Manuel Frey. Allein Umfang und Vielfalt des Werkes von Max Uhlig seien einzigartig. Und es kommen noch immer neue Arbeiten hinzu. Dazu gehören beispielsweise die Entwürfe für die viel beachteten Fenster der Magdeburger Johanniskirche. Manuel Frey erklärt weiter: "Das Besondere ist, dass Max Uhlig weiterarbeitet. Das heißt, der Vorlass ist Teil eines Schaffensprozesses, es ist in den Werkprozess des Künstlers eingebettet. Es ist kein Bruch, sondern ein Kontinuum."

15.000 Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Objekte

Einmal in der Woche besucht die Kunsthistorikerin Katrin Schlechte den körperlich gebrechlichen, aber geistig hellwachen Künstler im Helfenberger Grund. Sie hat bereits 2017 an der Inventarisierung des Vorlasses gearbeitet. 15.000 Gemälde, Grafiken, Zeichnungen und Objekte wurden da erstmals überhaupt aufgenommen.

Katrin Schlechte beschreibt ihre Tätigkeit so: "Im Moment bearbeite ich den Grafikbestand, mache eine Feinverzeichnung. Ich nehme Maße auf, Datierungen natürlich. Alles, was Herr Uhlig drauf geschrieben hat an Bemerkungen, Hinweisen, Personen, die er dargestellt hat, nehme ich auf in die Datenbank, dass es festgehalten wird für die Ewigkeit."

Der über 80-Jährige hilft aktiv mit, so gut es eben geht: "Da hab ich die Hauptarbeit zu machen, indem ich aus diesen 1.200 bisher aufgenommenen Motiven – aus den Umschlägen, wo mehrere Drucke immer drin liegen – einen gültigen für das Archiv auswähle."

Das ist auch wirklich ein Privileg, dass man so nah zusammenarbeiten kann und auch immer noch fragen kann, wenn man einen Titel zum Beispiel nicht lesen kann.

Katrin Schlechte, Kunsthistorikerin

Werk für die Zukunft zugänglich machen

Die Corona-Pandemie hat alle Planungen ausgebremst. Zwar hat im vergangenen Jahr sogar die neue sächsische Staatsministerin für Kultur den Maler besucht, doch auf der Prioritätenliste steht das Max-Uhlig-Haus nicht mehr. Dennoch ist Stiftungsdirektor Frey optimistisch, dass die Umbauarbeiten demnächst beginnen könnten: "Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir das Werk eines bedeutenden sächsischen Künstlers für die Zukunft zugänglich machen und erhalten. Und wie wir zweitens einen lebendigen Dialog mit seinem Werk und anderen Künstlern etablieren. An diesem Ziel wollen wir festhalten. Das ist auch der Wunsch der Kulturstiftung und das ist auch der Wunsch des Künstlers Max Uhlig."

Der emeritierte Kunstprofessor Max Uhlig möchte gerne erleben, wenn junge Stipendiatinnen und Stipendiaten in der internationalen Künstlerresidenz der Kulturstiftung leben und ihre Grafiken drucken.

Nachlässe von Künstlerinnen und Künstlern

Hartwig Ebersbach 4 min
Bildrechte: MDR/Andreas Höll
Jena Stadtmuseum 5 min
Bildrechte: MDR/Holger John

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Februar 2021 | 12:10 Uhr

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