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Die Ausstellung des freiberuflichen Fotojournalisten Werner Fiedler aus Leipzig gibt Einblicke in die faszinierende Welt unter Wasser. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

SonderausstellungNaturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg zeigt "Sonderbare Meerestiere"

von Marlene Drexler, MDR THÜRINGEN

Stand: 21. November 2021, 17:30 Uhr

Elefantenohr-Schwamm, Schmuck-Geisterpfeifenfisch, Phantom-Samtfisch, Pfeilschwanzkrebs, Blaustreifen-Säbelzahnschleimfisch – die Liste mysteriöser Meeresbewohner, die kaum einer kennt, ist lang. In Schleusingen in Thüringen gibt es im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg seit dem 20. November die Ausstellung "Sonderbare Meerestiere" zu sehen. Sie besteht aus hochauflösenden Unterwasserfotografien und präparierten Originalen.

Die Ausstellung "Sonderbare Meerestiere" beeindruckt mit einer Pracht an Farben und Formen. Filigrane Seepferdchen, schillernde Würmer, haarige Krabben und Fische, die fliegen können. Letztere können ihre feinen Flossen wie Fächer ausbreiten. Eine Kuriosität, findet auch Museumsdirektor Ralf Werneburg: "Die schießen aus dem Meer heraus, meistens auf der Flucht, um so schneller voranzukommen". Wenn der Wind günstig steht, können die Fische über 100 Meter in der Luft gleiten. Aber Obacht, auch oberhalb des Wassers warten Fressfeinde auf eine günstige Gelegenheit. So wird ihr Ausflug in das fremde Element zum Ritt auf Messers Schneide.

Schleusinger Ausstellung zeigt Exoten unter den Bewohnern des Meeres

Neben den fliegenden Fischen gibt es mehrere präparierte Exemplare der viereckigen, sogenannten Kofferfische zu sehen. Ein putziger Anblick. "Wenn sie schwimmen, wirken sie durch die kurzen Flossen wie kleine Helikopter", beschreibt Ralf Werneburg. Eine besondere Faszination geht für die Besucher und die Museumsmitarbeiter derweil vom Flügelrossfisch aus. Mit ein bisschen Fantasie könnte er als Mini-Einhorn der Meere durchgehen.

Blick in die Ausstellung "Sonderbare Meerestiere" Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Auf dem Foto kriecht der abgebildete Zwerg-Flügelrossfisch mit der markanten Nase über den Sandboden. Eine typische Pose für den bis zu acht Zentimeter langen Fisch, gilt er doch als schlechter Schwimmer. Ein Mitarbeiter des Museums erklärt: "Weil er mich überrascht und mir Rätsel aufgegeben hat, ist er mein Favorit in der Ausstellung."

Zu sehen, was alles existiert, sollte uns auch Demut lehren!

Besucher der Ausstellung

Die Frage danach, wo bei so manchem Tier oben, unten, vorne und hinten ist, stellt sich auch bei dem Abbild eines großen gelben Anglerfischs. Seine Masche ist die Tarnung als Schwamm. Jeder macht hier ganz erfolgreich sein eigenes Ding, fasst ein Besucher zusammen: "Zu sehen, was alles existiert, sollte uns auch Demut lehren!"

Unterwasserfotografien aus Indonesien

Die knapp 50 ausgestellten Unterwasserfotografien hat der Leipziger Fotograf Werner Fiedler beigesteuert. Die allermeisten sind auf Tauchgängen in Indonesien entstanden. Fiedler beweist einen Sinn für das Warten auf den richtigen Moment. Wie zum Beispiel auf dem Foto einer rötlichen Sternschnecke, über deren Nase gerade ein sogenannter Finger-Teufelsfisch kriecht.

Finger-Teufelsfisch mit Sternschnecke Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Die Präparate stammen aus dem Bestand des Museums Schloss Bertholdsburg. Dieses umfasst auch eine historische Conchylien-Sammlung, die die Herzöge in Meiningen im 19. Jahrhundert für ihr Naturalienkabinett angekauft haben.

Wir wollen die Biodiversität des Meeres in all ihren Facetten zeigen, um für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren.

Ralf Werneburg, Museumsdirektor

Bei ihrer jeweiligen Einzigartigkeit haben die gezeigten Sonderlinge aber eines gemeinsam: durch die anhaltende Verschmutzung der Meere ist ihr Lebensraum in Gefahr. Museumsdirektor Ralf Werneburg wünscht sich daher, dass die Ausstellung auch zum Nachdenken anregt: "Wir wollen die Biodiversität des Meeres in all ihren Facetten zeigen, um für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren." Die Menschen sollten wissen, wofür es sich einzusetzen gilt.

Pfeilschwanzkrebse aus dem Atlantik und Pazifik. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Die gleiche Welt und doch so fremd

Insgesamt ist die Ausstellung "Sonderbare Meerestiere" kurzweilig. Die Begegnung mit diesen merkwürdigen Kreaturen der Unterwasserwelt ist anrührend – und hinterlässt tatsächlich ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Vielfalt des Lebens und der Genialität der Evolution. Während die Sinne befriedigt werden, kommt das informative Momentum in der Ausstellung leider etwas zu kurz. Aufsteller mit zusätzlichen Texten gibt es nicht. So bleiben inhaltliche Fragen offen.

Jedem Besucher ist jedoch angeraten, sich auch die sehenswerte Dauerausstellung "300 Millionen Jahre Thüringen" anzuschauen, da im Eintritt inklusive. Dabei kommen Tier- und insbesondere Dinosaurierfreunde auf ihre Kosten.

Die Ausstellung kann auf Schloss Bertholdsburg in Schleusingen besucht werden. Bildrechte: imago images/H. Tschanz-Hofmann

Mehr zur Ausstellung"Sonderbare Meerestiere"
20. November 2021 bis 30. April 2022

Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg
Burgstraße 6, 98553 Schleusingen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen: 10 bis 18 Uhr

Es gilt die 2G-Regelung.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 23. November 2021 | 17:10 Uhr