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Philipp AdlungMeininger Museen: Das plant der neue Direktor für die Zukunft

von Blanka Weber, MDR KULTUR

Stand: 30. Dezember 2021, 04:00 Uhr

Der neue Direktor der Meininger Museen hat große Pläne: Philipp Adlung will die Digitalisierung vorantreiben, sich Fragen der Restitution widmen und jüngere Zielgruppen erreichen. Kurzum: der Jurist und Musikwissenschaftler will die Museumslandschaft in Meiningen neu denken und das Schloss Elisabethenburg, das Literaturmuseum Baumbachhaus sowie das Theatermuseum in der Reithalle modernisieren und offener gestalten. Dennoch soll es kein buntes Entertainment geben, sondern: Bildung mit Tiefgang.

Das Schloss Elisabethenburg ist das größte Museum Südthüringens und beherbergt neben Musik-, Theater- und Literaturgeschichte eine Sammlung zu mittelalterlicher Kunst der Region, Gemälde und viele Objekte der Residenzgeschichte. "Denn das wichtigste Exponat ist das Schloss selber", so der neue Direktor der Museen Philipp Adlung. Die historischen Räume sind weitgehend erhalten, und das Schloss Elisabethenburg liegt mitten in der Stadt, mit dem Park an der Rückseite und dem Theater in Laufnähe. 

Philipp Adlung will Meininger Museen entstauben

Früher war hier der Sitz der Herzöge. Heute schließt sich an diesem Ort für Philipp Adlung ein Kreis. Schon zu DDR-Zeiten war er oft in der Rhön zu Gast. Seit November 2021 verantwortet er als Direktor das, was man in den Meininger Museen in ca. 50 Räumen, auf drei Etagen und 4.000 Quadratmetern an Geschichte zeigt. Wie viele Objekte und Sammlungsstücke es sind? Adlung überlegt kurz. Schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Exponate könnten es sein.

Im Schloss Elisabethenburg befinden sich um die 250.000 Exponate zur Regionalgeschichte Südthüringens. Bildrechte: IMAGO / Steve Bauerschmidt

Der neue Direktor macht keinen Hehl daraus, dass er dezent, aber doch bewusst Vieles entstauben wird. "Wie das passieren soll und wo, da habe ich schon Vorstellungen", erklärt Adlung. Die Pläne wird er allesamt mit seinem Team besprechen und dann erst öffentlich diskutieren. Doch einige markante Punkte sind klar: manche Rundgänge werden anders aussehen, mehr Digitalisierung wird es geben und die Regionalgeschichte soll markanter erzählt werden, so Adlung: "Gerade hier in Südthüringen gibt es ja kaum Regionalmuseen dieser Art. Wir wollen also die Meininger und Hennebergische Geschichte künftig hier präsentieren."

Tradition neu denken und Vermittlung modernisieren

Neue Wege des Erzählens will er ausloten, Tradition, Niveau und Vermittlungsauftrag zeitgemäß zusammenbringen und vor allem für junges Publikum hier einen starken außerschulischen Bildungsort schaffen, der auch bei den Lehrern beliebt ist. Und dennoch – so Adlung – soll es keine Verbeugung an den Mainstream und buntes Entertainment werden. Höfische Geschichte verpflichtet eben: "Ich bin schon der Meinung, dass wir die alte Idee vom 'Musenhof' – ein Begriff, der etwas oldfashioned wirkt – absolut fortsetzen müssen."  

Die Bach-Familie hat hier ihre Spuren hinterlassen, Brahms war in Meiningen zu Gast, Max Reger und der Kapellmeister Hans von Bülow auch. Allesamt Themen, die den Musikwissenschaftler und Juristen Philipp Adlung begeistern und für ihn zum Auftrag werden. Manch einem bislang wenig bekannten Detail will er sich widmen, zum Beispiel den Bildern und Zeichnungen, die aus den Händen der Bachfamilie stammen.

Kultur und Kunst mit dem Lernen verknüpfen

Erfahrung hat Adlung in Halle gesammelt und dem Händel-Haus vor 15 Jahren mit einer neuen Ausstellung zu Renommee verholfen. Jetzt also Meiningen und damit eine Stadt, die mit ihren Museen bislang eher im Schatten der größeren Thüringer Häuser stand. Adlung betont: "Wir müssen deutlicher machen, dass wir hier in Meiningen nicht eine Südthüringer Kultureinrichtung sind, dass wir mindestens für Thüringen insgesamt hohe Relevanz haben." Einladen will er, das Haus offener gestalten, die Rundgänge zu Geschichte und Kunst erklärender, aber die repräsentativen Wohnräume der Regenten so authentisch wie möglich erhalten. 

Wir müssen deutlicher machen, dass wir hier in Meiningen nicht eine Südthüringer Kultureinrichtung sind, dass wir mindestens für Thüringen insgesamt hohe Relevanz haben.

Philipp Adlung, Museumsdirektor Meininger Museen

Manche Kuriosität finde man in den Wohnräumen der Regenten, erzählt Adlung während der Tour durch die getäfelten, mit Kunst, wertvollen Möbeln und Porzellan gefüllten Räume. Er zeigt auf eine dezent eingebaute Toilette hinter stoffbespannten Wänden. Statt vieles nur oberflächlich zu begreifen und den Gästen Exponate in Hülle und Fülle zu bieten, spricht sich Adlung für den "konzentrierten Blick" aus: Tiefgang mit Bildungsanspruch.

Das Erlebnis Kultur und Kunst will er mit dem Lernen verknüpfen. Monat für Monat ein Kunstwerk intensiv in einem extra Raum hervorheben, um es ausgiebig zu erklären und erlebbar zu machen, egal wie das Vorwissen der Gäste ist, das schwebt ihm vor. Was ihn verpflichtet und beeindruckt, ist die Sammlungsgeschichte des Hauses und der Herzöge, vor allem die der Gemälde. Wobei klar ist, dass jener theaterbegeisterte Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826-1914) auch manch ein Gemälde wieder vertickte, um das Theater zu erhalten.  

Restitution gerauberter Exponate im Nationalsozialismus

Einem Thema will sich der begeisterte neue Direktor allerdings auch verstärkt widmen: Den Fragen der Restitution, auch wenn er weiß, dass die Sammlungsgeschichte seines Hauses lange vor der NS-Zeit beendet war, nämlich mit dem Ende der Residenzen. Trotzdem werde es auch hier Exponate geben, denen man sich widmen müsse, meint Adlung, und möchte "solche Fragen anders angehen" – weil man heute mit modernen Methoden der Vermittlung und der Erforschung auch andere Dinge zulassen könne.

"Ich bin schon der Meinung, wo Unrecht geschehen ist, sollte man über eine Rückführung sprechen", erklärt Adlung. Aktuell gäbe es den Fall einer Schamanen-Trommel – eine Anfrage aus Norwegen, die ihn derzeit beschäftige: "Auch da stellt sich die Frage: Ist so ein Stück, was durch Zufälle hier gelandet ist, hier richtig aufgehoben? Oder sollen wir es nicht dem Volk geben, für das es eine ganz hohe Bedeutung hat, hinsichtlich Kultur und Identität."

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 30. Dezember 2021 | 06:15 Uhr