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Michael John arbeitet seit 1990 bei den Staatlichen Kunstsammlungen. Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Sicherheitstechnik in MuseenMichael John – Der Wächter von Raffael, Tizian und Richter

Stand: 16. Juni 2018, 15:34 Uhr

Ganze 14 Museen gehören zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, vom Grünen Gewölbe über die Galerie Neue Meister, das Kunstgewerbemuseum auf Schloss Pillnitz bis hin zum Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig. Sie beherbergen einen wahren Kunstschatz und müssen dementsprechend auch gut gesichert werden. MDR KULTUR hat mit dem Sicherheitschef der Kunstsammlungen, Michael John, gesprochen.

Wenn heftige Gewitter und Starkregen im Wetterbericht angekündigt werden, wird er besonders wachsam: Michael John, seit 1992 der Leitende Sicherheitsverantwortliche der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Vor 16 Jahren hat er in diesem Amt das Jahrhunderthochwasser miterlebt, als das Wasser der Weißeritz drohte, unzählige Kunstwerke zu zerstören und nur durch beherztes Handeln vieler Bürger die meisten von ihnen in letzter Sekunde gerettet werden konnten.

Es ist ein sehr emotionaler Augenblick wenn man spürt: Wir sind kurz davor, unsere Generationenaufgabe nicht zu erfüllen – die Bestände also nicht genau so durch unsere Generation zu bringen, wie das vor uns geschehen ist.

Michael John

Auch schlichtes Glück bewahrte damals vor einer Katastrophe. Für Michael John ist deswegen klar: So etwas darf nicht noch mal passieren. Die Staatlichen Kunstsammlungen bauten deswegen nach dem Hochwasser eine "Arche", wie Michael John sie nennt, ein hochwassersicheres Depot im Dach des Albertinums.

Alles im Blick behalten

Doch nicht nur Wasser kann Kunst zerstören. Für John gilt es, eine lange Liste von Faktoren in seiner Arbeit zu beachten: Wie ist das Klima in Museumsräumen und Depots, wie sind die Lichtwerte? Treten irgendwo Schadstoffe aus, hat sich Schimmel gebildet? Der Brandschutz sei extrem wichtig und natürlich der Schutz vor Diebstahl – eine Geschichte wie der Goldmünzenraub im Berliner Bodemuseum solle in Dresden nicht passieren.

Darf Technik erneuert werden?

Michael John geht als Ingenieur sachlich an die Kunst heran – er möchte Künstlern ermöglichen, ihre Werke auch nach ihren Vorstellungen zu präsentieren. Deswegen findet der Hauptteil seiner Arbeit vor dem Ausstellungsbeginn statt: Ist das Klima in Ordnung? Ist das Licht okay? Darf ein Videoprojektor auch an der Stelle hängen, wie es der Künstler wünscht? Für John bringt vor allem die zeitgenössische multimediale Kunst viele Herausforderungen mit sich, in der die Technik eine große Rolle spielt. Sein Team werde hierbei mit immer neuen Fragen konfrontiert.

Darf man ein Kabel an einer 30 Jahre alten Elektroarbeit austauschen? Ist das ein Kunstwerk, darf man nichts tun, oder doch? Die Sicherheit der Besucher ist hier immer die erste Voraussetzung, aber darüber diskutieren wir.

Michael John

Schloss Pillnitz ist ein Sommerschloss - das macht die Klimaregulierung im Kunstgewerbemuseum schwierig. Bildrechte: dpa

Diskussionen sind Teil von Johns Berufsalltag. Denn "fertig" ist er in seinem Job nie. Irgendwo wartet innerhalb der riesigen Kunstsammlungen immer das nächste Projekt. Derzeit gilt es, den für 2019 geplanten Umzug der antiken und barocken Arbeiten aus dem Albertinum zu organisieren. Und dann hat John auch noch ein kleines "Sorgenkind", dem er sich gerne mehr widmen würde: das Kunstgewerbemuseum im Pillnitzer Schloss. Dieses sei in keiner guten Situation. Die Aufzüge seien schwer nachrüstbar, das Klima nur mit Aufwand herzustellen.

Wenn wir das Kunstgewerbemuseum noch weiter entwickeln könnten, wäre das eine große Freude.

Michael John

Eine Generationenaufgabe

Insgesamt gilt für John: Der riesige Aufwand, der hinter dem Sicherheitskonzept der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden steckt, soll für den Besucher so wenig wie möglich sichtbar sein. Seine Arbeit ist getan, wenn Menschen ungestört die großartige Kunst genießen können – und die Kunstwerke gleichzeitig sicher und geschützt die Jahre überleben.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juni 2018 | 11:05 Uhr