Internationaler Museumstag 2021 Digitaler Auftakt des internationalen Museumstags in Halberstadt

Der Internationale Museumstag findet in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Bundesratspräsidenten Dr. Reiner Haseloff statt. Heute soll insbesondere auf die thematische Vielfalt der mehr als 6.500 Museen in Deutschland aufmerksam gemacht werden. Eröffnungsort der 44. Ausgabe in diesem Jahr ist das neu eingerichtete Berend Lehmann Museum in Halberstadt. Corona-bedingt findet der Auftakt unter dem Motto "Museen inspirieren die Zukunft“ mit Podcasts, Filmen und virtuellen Rundgänge digital statt. Ein vielfältiges Programm lädt zum Entdecken der rund 230 Museen in Sachsen-Anhalt ein.

Gasse mit Fachwerkhäusern in Halberstadt
Halberstadt in Sachsen-Anhalt ist der Eröffnungsort des diesjährigen internationalen Museumstags. Bildrechte: MDR/Jan Dörre

Das hatte sich der Museumsverband Sachsen-Anhalt anders vorgestellt – nur alle 16 Jahre richtet ein Bundesland die zentrale deutsche Veranstaltung des internationalen Musemstages aus. Eigentlich etwas Besonderes, sagt Geschäftsführer Danny Könnicke: "Der Museumstag macht natürlich immer auf die Museen vor Ort aufmerksam und ist eine sehr besucherstarke Veranstaltung – das fällt dieses Jahr vor Ort fast alles weg, weil die meisten Museen zu haben." Könnicke bedauert die Einschränkungen durch die Pandemie, zumal Sachsen-Anhalt dann wieder 15 Jahre lang warten müsse, bevor das Land wieder zum Austragungsort werden kann.

Vielfältiges digitales Angebot: Virtuelle Rundgänge, Podcast und Blogger-Tour

Immerhin hat man 230 Museen im Land und um diese trotzdem adäquat zu präsentieren, haben sich die Häuser ein vielfältiges digitales Angebot überlegt. Zum einen wurden sie aufgefordert, kurze Imagefilme zu produzieren: Von 50 eingereichten Filmen werden am Eröffnungstag acht gestreamt. Und mehr noch: Vom Kaffeeklatsch bis hin zu digitalen Angeboten für Kinder und Familien, umfasst das Programm auch virtuelle Rundgänge, zum Beispiel im Rahmen des Weltenbummel Projekts. Und weil das übergeordnete Motto in diesem Jahr "Museen inspirieren die Zukunft" lautet, gibt es auch seitens des Museumsverbands entsprechende Angebote, wie einen 15-teiligen Podcast: Darin erforschen Journalisten die Geschichten hinter den Museen und alles rund ums Thema Restaurierung, Ausstellungen und Sammelleidenschaft, erklärt Könnicke. Außerdem gibt es eine "BlogerInnen Tour", in der drei bekannte Blogerinnen die Welterbestätten im Bundesland besuchen.

Das Berend Lehmann Museum und jüdisches Leben im Fokus

Fachwerkhäuser in Halberstadt
Das Berend Lehmann Museum hat zwei Standorte. Das Mikwehaus ist einer davon. Bildrechte: MDR/Jan Dörre

Bei der Eröffnungsveranstaltung steht allerdings das Berend Lehmann Museum in Halberstadt im Fokus. Im Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" eröffnet man dort eine neue Dauerausstellung, freut sich die Leiterin der Moses Mendelssohn Akademie Jutta Dick. Denn zwanzig Jahre nach Eröffnung des Museums konnte man die Sammlung erheblich erweitern: "In dem Maße, wie sich die Moses Mendelssohn Akademie mit dem Berend Lehmann Museum hier in Halberstadt etablieren konnte, ist auch das Vertrauen der Familien gewachsen, Objekte hier nach Halberstadt in unsere Sammlung zu geben. Und so können wir mit diesen Objekten arbeiten und ganz spezifisch die Geschichte der Juden in Halberstadt erzählen, aber auch das Thema Grundlagen des Judentums mit Objekten hier aus Halberstädter Familien untersetzen."

Jutta Dick weist auf ganz besondere Exponat hin, wie zum Beispiel den Toraschrein-Vorhang der Familie Hirsch, die über Berlin und München nach London emigrierte und in den sechziger Jahren nach Israel übersiedelte. Auch ein Geschäftsbuch auf Hebräisch, das bei der Renovierung eines Fachwerkhauses gefunden wurde und anhand dessen sich das Leben eines jüdischen Händlers Mitte des 18. Jahrhunderts rekonstruieren lässt, zählt zu den Besonderheiten der Ausstellung: "Wir erfahren aus dem Geschäftsbuch was der Händler anbot, also Stoffe oder Spazierstöcke und wer die Produzenten waren, zum Beispiel die Strumpfwirker in Magdeburg. Und wir erfahren auch, welche Märkte dieser Händler besucht hat. Diesen Händler, Melcher Isaac, lassen wir dann in einem animierten Film mit der Postkutsche durch Sachsen-Anhalt fahren, um die Märkte zu besuchen."

Spielerische Vermittlung der Museumsinhalte

So versucht man mit den Mitteln der Neuen Medien die Exponate spielerisch und gleichsam hintergründig in einen alltagstauglichen Kontext zu setzen. Doch da sich wegen Corona die musealen Umbauten verzögert haben, ist bisher nur der erste Teil der Schau zu sehen – und wegen der hohen Inzidenzzahlen noch nicht einmal live. Man kann es eben nicht ändern, aber so kann sich der Besucher in den kommenden Wochen dann auf eine analoge und komplette Eröffnung der neuen Dauerausstellung freuen.

Museen in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Mai 2021 | 07:10 Uhr

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