Ausstellung "Natures/Naturen" im Kunstmuseum Magdeburger Museum zeigt Werke von Leipziger Dok-Filmern

Das Kunstmuseum Magdeburg zeigt derzeit in der Ausstellung "Naturen/Naturen" drei Kurzfilme zwischen Naturdokumentation und experimentellem Essayfilm. Die preisgekrönten Videoinstallationen der Leipziger Filmemacher Florian Fischer und Johannes Krell gewannen unter anderem den Goldenen Bären und zeigen Naturphänomene als Kunst.

Wasser und Bäume
"Still Life": Ein Film von Florian Fischer und Johannes Krel Bildrechte: Fischer/Krell

Eine weiße Staubschicht legt sich über die Landschaft, das Grün der Blätter und Gräser verschwindet unter zerriebenem Kalk, eine Raupe taumelt im weißen Puder – was hoch ästhetisch daherkommt, ist in Wirklichkeit ein paradoxer Prozess: Kalk wird im Tagebau abgebaut  – ein umweltbelastender Eingriff –, doch letztlich wird durch sogenannte Waldkalkung der Bodenbelastung durch sauren Regen entgegengewirkt.

Kreislauf mit Korrekturen

Schnee auf Bäumen
Ausschnitt aus "Kaltes Tal" Bildrechte: Fischer/Krell

"Dieser Kreislauf, der selber wieder ganz viel luftverschmutzende Dinge bereitstellt, hat eine gewisse Ironie oder Merkwürdigkeit, die da drin liegt – und die kann man auch auf einer größeren Ebene philosophisch begreifen –, dass durch die Anwesenheit des Menschen ein gewisses Gefüge ins Wanken kommt und der Mensch als solcher aber auch immer wieder versucht, es zu korrigieren", sagt Filmemacher Florian Fischer. "Aber selbst die Korrektur ist wieder etwas, das gewisse Schäden hinzufügt."

Unser ambivalentes Verhältnis zur Natur

Es ist die Auseinandersetzung über unser durchaus ambivalentes Verhältnis zur Natur, die Florian Fischer und Johannes Krell in ihren künstlerisch dokumentarischen Kurzfilmen aufgreifen. Eine Trilogie, die bisher nur auf Filmfestivals und im Kino gezeigt wurde – und nun erstmals im Kunstmuseum Magdeburg als Videoinstallation zu sehen ist. "Es sind drei Filme: 'Kaltes Tal', 'Umba' und 'Still Life', die zusammen nicht mehr als 40 min Spielzeit umfassen und in denen man ein sehr gutes Gefühl für das bekommt, was wir Menschen heute mit unserer Natur machen", erklärt Museumsleiterin Annegret Laabs.

Illustration
Das Brockengespenst?  Bildrechte: ROSENPICTURES GbR

Dabei sind es keine narrativen Geschichten, die erzählt werden, sondern es ist eher ein situatives Eintauchen in die Natur: in ihre Schönheit und Selbstbestimmtheit und in die Bilder, die die Natur uns gibt, aber die wir vielleicht gar nicht mehr sehen, sagt Laabs: "Da sind große Blätter, viele Pflanzen, Tiere … Da ist die Frage: Sind das eigentlich echte Tiere oder sind es ausgestopfte Tiere? Da sind Phänomene, Naturphänomene, die beobachtet werden, wo man ganz genau hingucken muss, was wir im Alltag nicht mehr tun", so die Museumsleiterin. "Das Brockengespenst zum Beispiel, das kann jeder sehen, wenn er auf dem Brocken bei einer bestimmten Sonneneinstellung einfach mal einen Moment abwartet: Niemand hat es bisher gesehen oder vielleicht einige? Das ist die Frage."

Mythen aus dem Harz

Der Harz spielt auch als Drehort eine besondere Rolle, sagen die Filmemacher, die beide einen starken Bezug zu Mitteldeutschland haben. Krell stammt aus Halle, Fischer war Mitarbeiter an der Hochschule Harz. Beide leben momentan in Leipzig. "Der Harz, auch der Brocken mit der speziellen Wolkenbildung, die dort herrscht, mit den Mythen auch und vielleicht mit dem deutschen Wald – eine Begrifflichkeit, mit der wir uns auch auseinandergesetzt haben – das waren für uns prägende Orte als Naturerlebnisse aber auch als konstruierte Orte", erklärt Fischer.

Fabrikgelände
Ausschnitt aus "Kaltes Tal" Bildrechte: Fischer/Krell

Tatsächlich kann man als Betrachter kaum mehr unterscheiden, wann die Natur wahrhaftig oder künstlich hergestellt ist, was vor allem durch die geschickte Synergie von Thematik und technischer Umsetzungsform gelingt: So wurde bei Umbra mit einer Lochkamera gedreht. "Um das Lochkameraprinzip eigentlich aufzunehmen, was wir in Umbra auch erzählen", erklärt Filmemacher Johannes Krell: "Nämlich die kleinen Löcher im Lausch von Bäumen bilden für sich selber schon kleine Kameras, also könnte man eigentlich sagen, dass die Natur sich selber fotografiert oder beobachtet, und dieses Prinzip haben wir wiederum technisch aufgegriffen und umgesetzt."

Preisgekrönte Filme

Auch wegen solcher Details wurden die Filme hoch dekoriert: "Umbra“ erhielt 2019 den goldenen Bären für den besten Kurzfilm, "Kaltes Tal" 2016 die Lola, den Deutschen Kurzfilmpreis in der Kategorie Dokumentation. Und das verwundert nicht – denn es ist die Mischung aus Faszination und Irritation, die den Betrachter regelrecht in den Bann zieht. So entwickeln die Filme eine Wirkmacht, der man sich schwer entziehen kann und für die es sich lohnt, mehr Zeit einzuplanen.

Mehr Infos Die Ausstellung "NATURES/NATUREN Videoinstallationen von Florian Fischer und Johannes Krell" ist bis zum 10.10.2020 im Kunstmuseum Magdeburg zu sehen

Mehr Museumstipps

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. August 2020 | 07:10 Uhr