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Seit 2018 Welterbe: Der Naumburger Dom, vor allem aber der Westchor mit den berühmten Stifterfiguren im Inneren wurde mit dem Titel gewürdigt, der nun gefährdet ist. Bildrechte: Falko Matte

StellungnahmeNaumburg: Vereinigte Domstifter wollen Debatte um Welterbe entschärfen

Stand: 08. Juli 2022, 16:54 Uhr

In der Diskussion um eine mögliche Aberkennung des Welterbe-Status des Naumburger Doms haben sich nun die Vereinigten Domstifter zu Wort gemeldet und mit einem Gesprächsangebot reagiert. Laut einer Stellungnahme vom Freitagnachmittag soll es im Herbst ein Symposium zu dem Projekt "Triegel trifft Cranach" in Naumburg geben.

Denkmal mit Welterbe-Status und Kirche: Was sind die Rechte der Gemeinde?

Der Naumburger Dom ist seit 2018 Unesco-Welterbe, seit dem 2. Juli ist er um eine Attraktion reicher: Wiederaufgestellt wurde im Westchor der Marienaltar von Lucas Cranach dem Älteren, dessen 1541 zerstörten Mittelteil der Leipziger Künstler Michael Triegel mit einem imposanten Gemälde ergänzte. Dagegen hatte die deutsche Icomos-Monitoring-Gruppe, die die Welterbestätten überwacht, Beschwerde eingelegt.

Ihrer Ansicht nach beeinträchtige der Altar die Gesamtwirkung im Dom in seiner Einheit von Architektur, Bildhauerei und Glasmalerei. Vor allem würden die 12 Stifterfiguren, darunter die berühmte Uta, teilweise verdeckt. Genau wegen dieser Figuren im Westchor sei der Naumburger Dom aber zum Welterbe erklärt worden, führte der Icomos-Experte Manfred Schuller im Interview mit MDR KULTUR am Freitag aus. Den Verweis auf die liturgische Bedeutung für die Kirchgemeinde ließ er nicht gelten. Für den Welterbe-Titel trete die Kirchgemeinde gewisse Rechte ab. Das sei anders als im Landesdenkmalschutz.

Der von Lukas Cranach zwischen 1517–1519 für den Westchor des Naumburger Doms geschaffene Marienaltar wurde lange vor der Entstehung von Denkmalpflegebehörden für den liturgischen Dienst der Naumburger Domkirche geschaffen.

Aus der Stellungnahme

In der Stellungnahme der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz wird an erster Stelle allerdings erneut auf die liturgische Bedeutung des Marienaltars für Gottesdienste oder Andachten verwiesen. Der Vertrag des Landes Sachsen-Anhalt mit den Evangelischen Landeskirchen in Sachsen-Anhalt gewährleiste, dass gegenüber Denkmalbehörden bei Kirchen die Widmung für religiöse, kultische oder seelsorgerische Belange Vorrang habe.

Landesbischof Friedrich Kramer sieht keinen Grund zur Aufregung und sieht auch das Weltkulturerbe nicht gefährdet. Mit der Altaraufstellung sei eine Wunde geheilt worden, sagt er.

Die ursprüngliche Konzeption dieser Kapelle ist ja, dass die Stifterfiguren auf den Altar schauen.

Landesbischof Friedrich Kramer

Antwort auf Gutachten von Icomos International in Arbeit

Darüber hinaus sei bis zum Zeitpunkt der Weihe des Altars am 3. Juli 2022 noch nicht absehbar gewesen, inwieweit Sichtachsen im Dom davon beinträchtigt sein würden. Der Plan zur auf drei Jahre befristeten Aufstellung des Retables sei dem Direktor des Unesco-Welterbezentrums am 3. März 2022 schriftlich mitgeteilt worden.

Auf Wunsch des Landes Sachsen-Anhalt seien die Vereinigten Domstifter bereit, die Zeitdauer bis zum 4. Dezember 2022 zu verkürzen, um das Projekt "Triegel trifft Cranach" zu evaluieren. Das entsprechende Gutachten von Icomos International kenne man erst seit dem 2. Juli. Die Antwort darauf würde Anfang der kommende Woche an das Unesco-Welterbezentrum in Paris weitergeleitet.

"Sich persönlich eine Meinung bilden"

Zu dem Symposium sollen laut den Vereinigten Domstiftern Gegner und Befürworter des Projekts "Triegel trifft Cranach" eingeladen werden. Bis dahin könnten sich alle Interessierten vor Ort persönlich eine Meinung bilden.

Quelle: Vereinigte Domstifter / MDR / Katrin Schlenstedt

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 08. Juli 2022 | 07:10 Uhr