Ausstellung Neo Rauch in der Leipziger Kunsthalle G2

Andreas Höll
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Eigentlich war zu Neo Rauchs 60. Geburtstag eine große Ausstellung mit frühen Werken im Leipziger Museum der bildenden Künste geplant – die der Künstler überraschend absagte. In der privaten G2 Kunsthalle gibt es nun eine kleinere Werkschau zu sehen, die Bilder stammen aus der Sammlung des Kunsthallengründers Steffen Hildebrand.

Neo Rauch 6 min
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Die private Leipziger G2 Kunsthalle zeigt eine Ausstellung mit rund 25 Arbeiten von Neo Rauch. MDR KULTUR-Kunstredakteur Andreas Höll berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Do 30.01.2020 08:40Uhr 06:05 min

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Die Leipziger G2 Kunsthalle zeigt rund 25 Arbeiten von Neo Rauch. Sie stammen aus ihrer eigenen Sammlung, die der Kunsthallen-Gründer und kunstbegeisterte Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Hildebrand ab den 2000er-Jahren zusammengetragen hatte.

Fasziniert hat mich an den Arbeiten einfach das Beruhigende und Beunruhigende zugleich. Genau diese Ambivalenz der Arbeiten. Die üben auf mich bis auf den heutigen Tag eine unglaubliche Faszination aus.

Steffen Hildebrand, Gründer der G2 Kunsthalle und Rauch-Sammler

Comic-Einflüsse

Gezeigt wird beispielsweise Rauchs Papierarbeit "Plan" aus dem Jahr 1994. Sie fällt auf durch ihr außergewöhnliches Format, denn sie ist kreisrund und wirkt wie eine Collage aus unterschiedlichsten Elementen. Da gibt es beispielsweise die Silhouette eines spielenden Jungen und einer Ratte, da gibt es aber auch ein Rautenmuster und vereinzelte Buchstaben, die sich ins Bild drängen. Diese Arbeit verkörpert vieles von dem, was das Frühwerk von Rauch ausmacht und womit er dann seit den späten 90er-Jahren seinen internationalen Durchbruch erzielte.

Das Besondere an dieser Arbeit ist, dass man noch sehr stark spürt, wie beeinflusst Neo Rauch vom Comic ist, von der Popkultur auch. Die Arbeit ist gekennzeichnet durch schablonenhafte Figuren, einen erdigen, in diesem Fall rotfarbigen Untergrund und es gibt wenig Raumtiefe. In dieser Arbeit zeichnet sich aber schon ab, dass er langsam in die Raumtiefe geht.

Anka Ziefer, Leiterin der G2 Kunsthalle zum Werk "Plan"

Eroberung der Raumtiefe

Wie Rauch zunehmend die Tiefe des Bildraums auslotet, zeigt sich immer mehr in den folgenden Jahrzehnten. So auch in seinem in der Ausstellung zu sehenden großformatigen Gemälde "Das Treffen" aus dem Jahr 2013. Man sieht erwachsene Menschen in eigenartigen Kostümen, die sich sich in seltsame Kinderspiele mit Spielzeugautos und Spielzeugkäfern vertiefen. Das Ganze findet statt in einem riesigem Raum, vor einem Fenster, das den Blick auf eine Landschaft mit einem Fabrikgelände im Hintergrund freigibt. Diese eingefrorene Szenerie ist typisch für den Bilder-Kosmos von Rauch.

3. Neo Rauch, Das Treffen, 2013, Öl auf Leinwand, 300 x 250 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig
Neo Rauch, Das Treffen, 2013, Öl auf Leinwand, 300 x 250 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig Bildrechte: Neo Rauch & VG Bild-Kunst, Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin & David Zwirner, New York/London/ Hong Kong/Paris

Im zweiten Ausstellungsraum sieht man drei großformatige Gemälde aus den Jahren 2016 bis 2018, auf geheimnisvolle Weise eine ganz eigene Einheit bilden. ­In allen drei Gemälden wird das Geschehen dominiert von einem Turm im Hintergrund – und dieser Turm hat etwas mit der Biografie von Rauch zu tun.

4. Neo Rauch, Propaganda, 2018, Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig
Neo Rauch, Propaganda, 2018, Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig Bildrechte: Neo Rauch & VG Bild-Kunst, Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin & David Zwirner, New York/London/ Hong Kong/Paris

Das Motiv des Turms kann durchaus als Widerhall seiner Kindheit verstanden werden. Neo Rauch hat seine Kindheit in Sachsen-Anhalt, in Aschersleben verbracht. Und diese Stadt wird geprägt, noch heute, von den mittelalterlichen Türmen der Stadtmauer.

Anka Ziefer, Leiterin der G2 Kunsthalle

Ursprüngliche Geburtstagsschau im MdbK von Rauch abgesagt

Eigentlich sollte es in diesem Jahr eine große Neo-Rauch-Schau im Leipziger Museum der bildenden Künste (MdbK) geben. Dort sollten Bilder aus den frühen 90er-Jahren gezeigt werden, also jener Zeit, die Rauch als Beginn seines eigentlichen Werks datiert. Doch im Dezember hat Rauch überraschend die lange geplante Schau abgesagt, mit der Begründung, dass er noch nicht die "gebotene Altersmilde und Gelassenheit" habe, um sich mit diesem Frühwerk auseinanderzusetzen. Dafür gibt es nun diese kleine, aber feine Schau in der privaten G2 Kunsthalle in Leipzig zu sehen.

5. Neo Rauch, Fremde, 2016, Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig
Neo Rauch, Fremde, 2016, Öl auf Leinwand, 250 x 300 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig Bildrechte: Neo Rauch & VG Bild-Kunst, Bonn 2020, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin & David Zwirner, New York/London/ Hong Kong/Paris

Und es ist nicht die einzige Rauch-Ausstellung in dem Jahr, in dem der Künstler seinen 60. Geburtstag feiert. Ab dem 6. Juni zeigt Rauch in seiner Grafikstiftung in Aschersleben auf kleiner Bühne das, was eigentlich im Leipziger Bildermuseum geplant war. Es sind Arbeiten aus seinem Frühwerk, vorwiegend auf Papier. Und im September gibt es zudem in seiner Leipziger Galerie Eigen+Art neue Leinwände von Rauch zu sehen.

Die Ausstellung G2 #15 Neo Rauch
Werke aus der Sammlung Hildebrand
30. Januar – 10. Mai 2020

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Januar 2020 | 08:40 Uhr

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