Robotron-Wandreliefs DDR-Kunst in Leipzig: Robotron-Reliefs bekommen neuen Platz

Vier Wandreliefs zierten einst das Robotron-Verwaltungsgebäude in Leipzig. Die DDR-Kunst entstand unter der Sputnik-Begeisterung im Jahr 1969 durch ein Künstlerkollektiv um Arno Rink, Rolf Kuhrt, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe. Nach Abriss des Robotron-Gebäudes im Jahr 2013 konnten die Reliefs gerettet und aufwendig restauriert werden. Drei davon bekommen jetzt einen neuen Platz: Die DDR-Kunst zieht zurück in Leipzigs Zentrum und kann dort ab September besichtigt werden.

Ein Relief (r) von Frank Ruddigkeit ist während Restaurierungsarbeiten im Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig zu sehen. Die Arbeit gehört zu einer mehrteiligen Innenwandgestaltung aus dem früheren Robotron-Gebäude und steht unter dem Titel - Leben im Sozialismus - Datenverarbeitung. Die großformatigen Werke der Wegbereiter der Leipziger Schule spiegeln den euphorischen Zeitgeist des Sputnik-Jahrzehnts sowie der Ost-Moderne wider. Drei von vier Reliefs sind nach der Restaurierung im neuen Hauptsitz der SAB zu sehen.
Restaurierungsarbeiten am Wandrelief von Frank Ruddigkeit Bildrechte: dpa

Quer durchs All fliegen – das war der große Menschheitstraum Ende der 60er-Jahre. Und auch in der DDR gab es diese Begeisterung für die Abenteuer der Weltraumfahrt, gepaart mit einem unerschütterlichen Vertrauen in modernste Technik. Die wiederum wurde verkörpert von dem Kombinat Robotron, dem größten Computerhersteller der DDR. Deshalb sollte sich der Aufbruch in die Moderne auch in der Architektur des neuen Verwaltungsgebäudes spiegeln.

Die Leipziger Architekturhistorikerin Annette Menting beschreibt das Robotron-Gebäude als einen klaren, rationalen Quader, der in den Fassaden mit blauen Mosaiken behandelt war, was die Wertigkeit der Fassade ausmachte.

Das eigentliche Ereignis war für mich im Inneren: Dort eröffneten sich sehr wohlproportionierte Räume, Innenhöfe und es gab einen sehr klaren, gut strukturierten Grundriss. So etwas sucht man heute wieder.

Architekturhistorikerin Annette Menting über das Robotron-Gebäude

Vier Künstler, vier Reliefs und eine aufwendige Rettungsaktion

Das Gebäude des Robotron-Museums mit dem Schriftzug des Unternehmens.
Bis 2013 zierten die Reliefs das Robotron-Gebäude in Leipzig. Bildrechte: dpa

Das Robotron-Gebäude war ein gelungenes Beispiel für die DDR-Moderne in den 60er-Jahren. Passend dazu wurden vier Wandreliefs geschaffen. Ihr Titel hieß schlicht und ergreifend "Leben im Sozialismus – Datenverarbeitung". Und so kreisten die Künstler Arno Rink, Rolf Kuhrt, Frank Ruddigkeit und Klaus Schwabe um die Themen Informationstechnologie, Kybernetik, Atomkraft und der Eroberung des Kosmos.

Als das Robotron-Gebäude dann 2013 abgerissen wurde, konnten die Wandreliefs erfreulicherweise gerettet werden. Und das war ein ziemlich aufwendiger Prozess, wie die Restauratorin Daniela Arnold erklärt:

Das Gebäude wurde etagenweise abgebrochen und die Reliefs durch eine Schutzummantelung, mit Edelstahlschienen und U-Profilen und einem Gipsnegativ geschützt. Und dann, mit Abbruch der Etage, wurde das Relief mit der Wand ausgebaut.

Daniela Arnold, Restauratorin

Daniela Arnold, Restauratorin, begutachtet ein Relief von Frank Ruddigkeit im Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB) in Leipzig.
Restauratorin Daniela Arnold vor dem Relief von Frank Ruddigkeit Bildrechte: dpa

Die Reliefs wurden zusammen mit der dahinterliegenden Wand extrahiert und befinden sich nun im Neubau der Sächsischen Aufbaubank in einem lichtdurchfluteten Foyer – zumindest drei der vier Werke. Denn das Quartett ist nun leider auf ein Trio geschrumpft. Aus Platzgründen konnte das vierte Wandrelief von Rolf Kuhrt nicht installiert werden. Man versichert aber, einen anderen Ort für dieses Kunstwerk in Leipzig zu suchen.

Inspiration Sputnik

Die Funksignale von Sputnik könnten der Soundtrack sein für das Wandrelief des damals knapp 30-jährigen Arno Rink. Es beschwört den Kosmos von neuester Wissenschaft und der Raumfahrt, wie Daniela Arnold ausführt: "Dargestellt sind beim Rink ellipsenförmige, plastische Stuckelemente, die an ein Atommodell und die Elektronenbahnen erinnern. Dann sind da drei Personen, vermutlich Wissenschaftler. Rechts sieht man eine Figur mit einem Raumfahrtanzug, die ins All gleitet. Oben, in einem der Flügel, sieht man auch Umlaufbahnen – man sieht den Sputnik überall."

Arno Rink
Auch Arno Rink unterlag der Sputnik-Euphorie und gestaltete dazu ein Wandrelief. Bildrechte: dpa

Die Sputnik-Euphorie gestaltet Rink mit viel Sinn für Poesie, denn sein im Raum schwebender Kosmonaut erinnert an die fliegenden Menschen eines Marc Chagall oder an den antiken Mythos vom Ikarus.

Jedes Relief setzt eigene Akzente

Es ist ein farbensattes Wandbild von Rink – ganz im Gegensatz zu der Arbeit von Klaus Schwabe. Im Zentrum sieht man hier eine Gruppe Ingenieure, die in Richtung eines Industrieareals weisen. Und auch dieses Relief setzt ganz eigene Akzente, so Architekturhistorikerin Annette Menting: "Bei Klaus Schwabe ist das figürliche Motiv sehr stark bei einer sehr dezenten Farbgebung, die in Sandtönen, Gelbtönen und mit kleinen Akzenten von Blau ausgestattet ist. Was vermutlich auch mit der blauen Farbe von Robotron zu tun hat – Corporate Identity würde man heute sagen."

Die Restauratorinnen Daniela Arnold (l) und Carina Schluckebier begutachten ein Relief von Klaus Schwabe im Neubau der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Die Arbeit gehört zu einer mehrteiligen Innenwandgestaltung aus dem früheren Robotron-Gebäude und steht unter dem Titel  - Leben im Sozialismus - Datenverarbeitung. Die großformatigen Werke der Wegbereiter der Leipziger Schule spiegeln den euphorischen Zeitgeist des Sputnik-Jahrzehnts sowie der Ost-Moderne wider. Drei von vier Reliefs sind nach der Restaurierung im neuen Hauptsitz der SAB zu sehen.
Das Relief von Klaus Schwabe im Neubau der Sächsischen Aufbaubank Bildrechte: dpa

Auch bei der Arbeit von Frank Ruddigkeit gibt es immer wieder subtile Bezüge zur Corporate Identity von Robotron.

Neuer Platz im Zentrum Leipzigs

Im Jahr 2021 werden diese monumentalen Bilder nun auf ganz andere Art und Weise zum Aushängeschild der Sächsischen Aufbaubank. Mit der Wiederauferstehung der DDR-Wandreliefs ist ein faszinierendes Stück Kunst- und Kulturgeschichte gerettet worden.

Zentrale der Saechsischen Aufbaubank in Leipzig
Der Säulengarten der Sächsischen Aufbaubank in Leipzig Bildrechte: IMAGO / Manfred Segerer

Und das strahlt selbstbewusst hinaus in den neu gestalteten Säulengarten vor dem Verwaltungsgebäude. Dort, in dem kleinen Park, sieht man haushohe Betonsäulen mit runden Dächern – und die verkörpern vielleicht wiederum die postmoderne Spielart der Himmelsstürmerei, wie man sie einst im Sputnik-Zeitalter ausgerufen hatte.

Wie umgehen mit DDR-Architektur?

Ein Element vom Wandmosaik "Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik" (1980-1984) des Spaniers Josep Renau (1907-1982) wird montiert. 7 min
Bildrechte: dpa

Kunst in der DDR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Die Kunst am Bau der DDR wird neu entdeckt" | 30. Juli 2021 | 18:05 Uhr

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MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei