Ausstellung Neo Rauch zeigt unbekannte Papierarbeiten in Rudolstadt

Neo Rauch gilt als wichtigster Vertreter der "Neuen Leipziger Schule" und ist einer der international bedeutenden Malern der Gegenwart. Nun zeigt er auf der Heidecksburg bei Rudolstadt Arbeiten, die er lange Zeit nicht aus der Hand gab. In der Ausstellung "Das Wehr" sind sechs großformatige Papierbilder und mehr 60 Zeichnungen versammelt. Zu sehen ist sie noch bis zum 16. Januar 2022. Hier finden Sie auch Informationen für Ihren Besuch, wie Adresse, Öffnungszeiten und aktuelle Corona-Regeln.

Zwei Frauen betrachten Bilder des Malers Neo Rauch
Blick in die Ausstellung "Das Wehr" von Neo Rauch auf der Heidecksburg bei Rudolstadt in Thüringen. Für den Besuch gelten die aktuellen Corona-Regeln. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Eine brennende Fabrik und dominierende Rottöne signalisieren: Hier geht es weniger um die Eindämmung eines Flusses im wasserwirtschaftlichen Sinne, sondern eher um eine Feuer-Wehr. Aktive und passive Akteure bevölkern das Bild. Da sind Brandstifter und Zuschauer, aber auch drei, die versuchen, das Feuer in den Griff zu bekommen: Die Frau ist barbusig und handfest und dennoch zauberisch wirksam mit Wasser aus einer Gießkanne. Die Männer versuchen es ideell mit Transparent und Magierstab. Neo Rauchs großformatiges Bild "Das Wehr" wird auf der Heidecksburg bei Rudolstadt das erste Mal öffentlich gezeigt und prägt den Titel der Ausstellung.

Der Maler, der jüngst auch ein Ölbild mit dem Titel "Die Entzündung" malte, räumt ein: "Es thematisiert offenkundig bestimmte Vorkehrungen, die gegenüber gefahrdrohenden Anbahnungen getroffen werden müssen." Das Bild "Das Wehr" mit seiner ängstigenden, surrealen Bildwelt ist eine von sechs großen "Rauchschen" Papierarbeiten, die die Gewölbehalle im Nordflügel der Heidecksburg bevölkern. Außerdem sind mehr als 60 kleinere Zeichnungen zu sehen.

Privatsammlung in Rudolstadt gezeigt

Neo Rauch und seine Frau, die Malerin Rosa Loy, haben sich irgendwann entschieden, Rauchs Papierarbeiten zu behalten und nicht an Galerien zu geben. Im März dieses Jahrs wurden sie erstmals ausgestellt – mit Erfolg im Gutshaus Steglitz in Berlin. Der öffentliche Ausstellungsraum, auch Wrangelschlösschen genannt, besticht durch klassizistisches Flair.

Zwei Frauen betrachten das Bild Wehr des Malers Neo Rauch
Das Bild "Das Wehr" (2018) des Malers Neo Rauch in der Gewölbehalle im Nordflügel der Heidecksburg Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Nun erfolgt die zweite Präsentation von dieser Papierarbeiten auf der barock überformten Heidecksburg. Das Paar war persönlich vor Ort, um sich die Räumlichkeiten anzuschauen. "Sie waren begeistert von der Gewölbehalle, ein Raum, der auch als älteste Bauteil hier in diesem Schloßkomplex gilt", erklärt Sabrina Lüderitz, Direktorin der Heidecksburg.

"Der Raum hat eine ganz eigene Atmosphäre und Geschichte. Er verbindet das alte Schloß mit der Schloßkirche, was so alles nicht mehr sichtbar ist unter der barocken Fassade. Der Raum erzählt eben Geschichten, die mit den Werken von Neo Rauch in einen guten Dialog treten." Schon länger besteht im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt der Wunsch nach einer Rauch-Schau. Sabrina Lüderitz freut sich, dem gerecht werden zu können.

"Lebensspuren" des Leipziger Kunststars

Auch wenn die großformatigen Bilder die Gewölbehalle dominieren, Neo Rauch selbst sieht die kleinen Arbeiten im Zentrum der Ausstellung. Seine Zeichnungen begreift der Künstler als "Lebensspuren": "Das ist ein Fluss, der sich, von wo auch immer, einfach ins Land ergießt. Das Land ist dann zunächst einfach mal mein Atelierfußboden. Da landen die Blätter nicht selten, werden dann von verantwortungsbewusster Hand aufgesammelt und in die Schubfächer überführt. Und dann kommt wieder der neue Schwall, der sich einfach so ergibt."

Das sind Lockerungsübungen, das sind Spaziergänge des Geistes auf dem Papier.  Das hat nichts von einer vorbestimmten Marschrichtung, sondern das sind wirklich die Äußerungen eines Flaneurs.

Neo Rauch, Künstler

Zwei Frauen betrachten das Bild Die Erwartung des Malers Neo Rauch
"Die Erwartung" ist eins der knapp 70 ausgestellten Werke, die zum Großteil aus dem unverkäuflichen Privatbesitz Neo Rauchs stammen. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Nun hängen Neo Rauchs Zeichnungen auf Papier hinter Passepartout und Glas. Sie sind keine Vorskizzen zu Rauchs Gemälden, sondern führen ein Eigenleben – als Fingerübungen, mit denen sich der Maler über sein Erleben der realen Welt verständigt. Wer sie mit Muße betrachtet, kann verstehen lernen, wie Rauch denkt und malt, kann leichter Zugang zu den allegorischen, rätselhaften Bildwelten des Malers finden.

Weitere Informationen für Ihren Ausstellungsbesuch:

Ausstellung "Das Wehr"
mit Arbeiten von Neo Rauch
bis 16. Januar 2022

Schloss Heidecksburg
Schlossbezirk 1
07407 Rudolstadt

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Oktober 2021 | 16:10 Uhr