Lockdown und die Folgen Wie kommt das Hygiene-Museum Dresden durch die Corona-Krise?

In guten Jahren hat das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden bis zu 300.000 Besucherinnen und Besucher. In diesem Jahr waren es wegen Corona-Beschränkungen und Schließzeiten etwa 120.000. Ohnehin sieht das Museum sich unterfinanziert. Wie geht es weiter, wenn die Türen wieder offen sind?

Hygienemuseum Dresden
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden Bildrechte: imago/Torsten Becker

Die gute Nachricht kam Ende November: Der Bund fördert die Arbeit des international renommierten Deutschen Hygiene-Museums Dresden im kommenden Jahr erneut mit 500.000 Euro. Noch besser wäre es freilich, wenn der Bund in die Finanzierung dauerhaft einstiege. Seit ihrer Gründung wird die Stiftung Deutsches  Hygiene-Museum von Beiträgen der Stadt Dresden und dem Land Sachsen getragen: geradeso auskömmlich, aber sehr knapp.

Positive Signale, die strukturelle Unterfinanzierung zu beenden, sieht Museumsdirektor Klaus Vogel nach der letzten Gremiensitzung mit vorsichtigem Optimismus: "Wir möchten vor allem, dass sich unsere Stifter engagieren, um den Haustarifvertrag abzulösen – denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind tatsächlich materiell schlechter gestellt als ihre Kolleginnen und Kollegen in den öffentlich getragenen Museen", so Vogel. Da gebe es Handlungsbedarf.

Sonderausstellung "Future Food" soll verlängert werden

Eine kunstvoll gestaltete Festtafel ist in der Ausstellung Future Food - Essen für die Welt von morgen im Deutschen Hygiene-Museum zu sehen
Die Ausstellung "Future Food" könnte bis September 2021 verlängert werden. Bildrechte: dpa

Ein Haustarifvertrag, der seit 20 Jahren existiert. Zurzeit ist das Haus am Lingnerplatz als Veranstaltungsort wie alle anderen Kultureinrichtungen auch geschlossen. Zwei Sonderausstellungen liegen quasi auf Eis: Die eine beschäftigt sich mit dem Essen für die Welt von morgen, "Future Food". In den wenigen Sommermonaten, in denen sie gezeigt werden konnte, hatte sie immerhin 32.000 Besucherinnen und Besucher. Die Ausstellung kann – wenn eine Öffnung wieder möglich ist – verlängert und bis in den September des nächsten Jahres gezeigt werden.

Schlechter steht es um die Ausstellung "Im Gefängnis. Vom Entzug der Freiheit". Sie kann nur bis Mai präsentiert werden, dann wird die Fläche schon für die nächste große Sonderausstellung zur Künstlichen Intelligenz gebraucht. "Das ist unser großes Jahresthema", erklärt Museumsdirektor Vogel.

Die Ausstellung sei in Zusammenarbeit mit der Ars Electronica Linz entstanden: "Das ist der große Name auf dem Gebiet der elektronischen Kunst, auch der Künstlichen Intelligenz." Ein Thema, das auch in der Dresdner Forschungslandschaft stark verankert sei. Geplant ist die Ausstellung ab September.

Landesausstellung zur Industriekultur läuft aus

Keine Chance besteht für die Verlängerung der 4. Sächsischen Landesausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen". Die fand zwar mit ihrer zentralen Präsentation im Audi-Bau Zwickau und mit den sechs Schauplatzausstellungen an weiteren Orten im Land  statt, aber mit der Konzeption und Durchführung der Zentralausstellung war das Deutsche  Hygiene-Museum betraut.

"Die eigentliche Zentralausstellung war eine Ausstellung auf Zeit", so Vogel. Die Schauplatzausstellungen dagegen hätten Dinge realisiert, die auf Dauer bleiben würden, etwa eine Stärkung von Infrastruktur. Vor allem das Thema Industriekultur werde bleiben, glaubt Vogel.

So habe sich gezeigt, dass die Identität Sachsens nicht nur im Glanz des augustinischen Zeitalters bestehe: "Die Medaille hat eine andere Seite: nämlich dass das alles auch tatsächlich erarbeitet werden muss und Sachsen eine unglaublich spannende industriekulturelle Entwicklung hat." Immerhin haben rund 100.000 Besucherinnen und Besucher die Ausstellungen gesehen – in nicht einmal vier Monaten.

Die Pandemie ist ein Thema zukünftiger Ausstellungen

Die Zeit im Lockdown wurde im Hygiene-Museum auch genutzt, um einen Teil der Dauerausstellung zu überarbeiten. Der zur Sexualität war nach über 15 Jahren nicht mehr auf dem Stand der aktuellen Diskussion. Überhaupt müssen die Präsentationsformen im Museum noch einmal auf den Prüfstand.

Und es ist geradezu eine Ironie der Entwicklung, dass es in diesen hochhygienischen Zeiten ein Museum besonders schwer hat, das dem Publikum sehr zugewandt ist, mit Touchscreens und Mitmachstationen arbeitet und nicht nur mit klassischen Vitrinen.

Mit der Pandemie ist dem Hygiene-Museum ein neues Sammlungsgebiet zugewachsen: Im Internet sucht es bereits nach Objekten und Geschichten, die die außergewöhnliche Situation mit ihren Herausforderungen für den Einzelnen, aber auch die ganze Gesellschaft belegen und anschaulich machen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Dezember 2020 | 07:10 Uhr

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