Kulturgeschichte Salz in Salzelmen: Wie das weiße Gold die Region bis heute prägt

Bis ins 12. Jahrhundert geht die Salz-Bergbau-Tradition in Sachsen-Anhalt zurück. Gehandelt wurde es entlang der sogenannten Allertallinie, die Städte wie Bernburg, Magdeburg und Zielitz verband. Die Städtchen Schönebeck und Bad Salzelmen im heutigen Salzlandkreis nicht zu vergessen. Als man dort im 19. Jahrhundert die heilsame Wirkung der Sole zu nutzen begann, enstand das längste Gradierwerk Europas. Flaniert wird rund ums Kurhaus bis heute. Wie ein Rohstoff die Region bis heute prägt:

Stetig rieselt die Sole durch die meterhoch gestapelten Reisigbündel, das Wasser verdampft, der Salzgehalt wächst, so erklärt Andrea Silber die Funktionsweise des Gradierwerks in Bad Salzelmen.

Mit seinen fast zwei Kilometern war es das längste geradlinige Gradierwerk Europas.

Andrea Silber Leiterin Kunsthof Salzelmen

Eine technische Meisterleistung

Salz ummantelt Reisigäste im Gradierwerk im Kurpark Bad Salzelmen
Die Sole fließt über das Reisig und kristalliert. Die Kurgäste, die im Gradierwerk flanieren, atmen die salzige Luft. Bildrechte: dpa

Heute misst es noch 300 Meter, doch zu seiner Entstehung im Jahr 1765 war es gigantisch – und mit seinen 1.837 Metern das längste geradlinige Gradierwerk Europas, wie Andrea Silber als Leiterin vom Kunsthof Salzelmen erklärt.

Von oben steuerte der Gradierwerksmeister den Sohle-Zufluss, wie Silber weiter erläutert: "Es wird immer nur eine Seite berieselt, immer die dem Wind zugewandt."

800 Jahre Salz-Tradition in Salzelmen

Vor 800 Jahren begann die Geschichte der Salzgewinnung in dem Städtchen. Im Kunsthof, den Silber leitet, wird an die große Tradition erinnert:

Seit dem 12. Jahrhundert wird hier Salz produziert. Es war das weiße Gold des Mittelalters und hat die Region geprägt.

Andrea Silber Leiterin Kunsthof Salzelmen
Neben dem pyramidenförmigen Pfännerturm des Gradierwerkes im Schönebecker Stadtteil Bad Salzelmen erhebt sich die doppeltürmige Kirche "Sankt Johannis".
Neben dem pyramidenförmigen Pfännerturm des Gradierwerkes im Schönebecker Stadtteil Bad Salzelmen zu sehen: Sankt Johannis, die Kirche der "Salzgrafen". Bildrechte: dpa

Auch manch Gebäude erzählt von diesem Aufstieg. Dazu gehört die mächtige Johanniskirche. Deren Türme wollten die Salzgrafen, die sogenannten Pfänner, höher bauen lassen als die vom Magdeburger Dom. Das wusste der Erzbischof zu verhindern. Die Ausstattung geriet dennoch prunkvoll, wie Petra Koch im nahegelegenen Salzlandmuseum zeigt. Die wertvolle Kanzeluhr, auch Schränke oder Gemälde erzählen in der Dauerausstellung vom einstigen Reichtum des Städtchens, das damals noch Groß Salza hieß und vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit seine Blütezeit erlebte.

Die endete in dem Moment, "wo die Saline runter an die Elbe zog und in staatliche Trägerschaft kam", wie Silber weiter erklärt: "Damit begann der Niedergang für Groß Salze, heute Salzelmen".

Größte Saline Preußens in Schönebeck

Die Großproduktion verlagerte sich, in Schönebeck entstand bald die größte Saline Preußens. Munitionsfabriken entstanden, chemische Industrie. Selbst der Kaiser kam, den Aufschwung zu besichtigen, wie Koch erzählt.

Die industrielle Revolution haben wir dem Salz zu verdanken. An den Abfällen der Saline wurde geforscht. Die erste chemische Fabrik Deutschlands stand mit der ehemaligen Hermania in Schönebeck.

Petra Koch Leiterin Salzlandmuseum

Erstes deutsches Soleheilbad in Salzelmen

Salzelmen hingegen setzte im 19. Jahrhundert auf die Heilkraft des Salzes. Bekannt von den Seebädern experimentierte der Knappschaftsarzt Johann Wilhelm Tolberg mit der Idee vom heilenden Salzwasser und eröffnete 1802 eben hier das erste Soleheilbad Deutschlands.

Kurpark Bad Salzelmen
Im Kurpark, 1802 wurde in Bad Salzelmen das erste deutsche Solebad eingerichtet. Bildrechte: dpa

Am Gradierwerk hat Johann Wilhelm Tolberg eine Kuhle ausgehoben, die Restsole ablaufen lassen und dort zwei Jugendliche mit Hauterkrankungen baden lassen. Dann stellte er einen Antrag, ein Badehaus bauen zu dürfen. Mit vier Badewannen fing alles an.

Petra Koch Leiterin Salzlandmuseum

Selber Salzpfänner sein im Schausiedehaus

Solepark Schönebeck, Bad Salzelmen
Im Soleturm mit unterirdischem Durchgang zur Viktoriaquelle Bildrechte: Solepark Schönebeck/Bad Salzelmen

Mehr als 200 Jahre später lockt der Ort immer noch mit der Heilkraft des Salzes, ins vollständig rekonstruierte Lindenbad im Kurpark. Außerdem gibt es ein großes Soleschwimmbad. Am Gradierwerk sitzen die Patienten der Reha-Klinik. Touristen sind eingeladen, die Victoriaquelle unter dem 32 Meter Hohen Soleturm und das Schausiedehaus zu besuchen:

Solepark Schönebeck, Bad Salzelmen
Schausieden im Solepark Bildrechte: Solepark Schönebeck/Bad Salzelmen

Wie im Mittelalter wird hier die Sole so weit erhitzt, dass das Salz ausfällt und ausgehoben werden kann, wie Silber mit einem Rakel in der Hand vorführt. Damit schiebt sie das Salz auf dem Pfannenboden zusammen: "Jetzt nehme ich die Lochschaufel, und das Wasser fließt ab. Wenn es abgetropft ist, wird es in die Körbe geschlagen."

So blickt man heute vor allem mit touristischem Blick auf das Salz – vermarktet das weiße Gold als Event: Man kann es selbst sieden, probieren und auch kaufen, es gibt Führungen mit Brunch oder einen multimedialen Museumsrundgang.

Weitere Informationen Kunsthof Bad Salzelmen im SOLEPARK
Badepark 1
39218 Schönebeck (Elbe)
Telefon: 03928 7055-55/-58

Öffnungszeiten:
Di-So, Feiertag: 13:30 bis 18 Uhr

Salzlandmuseum
Pfännerstr. 41
39218 Schönebeck (Elbe)
Tel: 03471 / 684 624410

Öffnungszeiten:
Di: 12 bis 16 Uhr
Fr: 10 bis 16 Uhr
Sa/So: 14 bis 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Juli 2021 | 07:10 Uhr

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