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125 Jahre Schildkrötpuppen aus Rauenstein

Industriekultur

Nachhaltige Puppen mit Tradition: 125 Jahre Schildkröt in Rauenstein

von Bettina Ehrlich, MDR THÜRINGEN

Stand: 04. März 2021, 04:00 Uhr

Sie heißen Schlummerle, Schmuserle oder Schlenkerle – die Spielpuppen des Südthüringer Herstellers Schildkröt, die nachhaltig sind und nicht nur Kinder, sondern auch Sammler begeistern. Die traditionsreiche Manufaktur in Rauenstein im Landkreis Sonneberg feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Jubiläum und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Viele kleine Nadeln stanzen dem Puppenkopf dunkle Haarsträhnen ein – je nach Länge und Frisur kann es bis zu einer halben Stunde dauern, bis alle Puppenhaare am richtigen Platz sind. Im Raum nebenan bekommen die Puppen Augen und in der Etage darüber werden die Puppenkleidchen genäht. Geschäftsführer Stephan Biemann ist stolz auf die kleine Puppenmanufaktur: "Vinylteile, Kunststoffteile, Kopf, Arme und Beine, den ganzen Textilbereich, Kleider – alles machen wir hier."

Sammlerpuppen mit Lauschauer Glas

Die Mozartpuppe der Schildkröt-Manufaktur – eine Kreation für Sammler Bildrechte: dpa

Schlummerle ist die beliebteste Puppe made in Rauenstein. Rund 10.000 Mal wird die Puppe mit dem knuddelweichen Körper pro Jahr verkauft. Zum Sortiment der Firma gehören aber auch hochwertige Sammlerpuppen mit Glasaugen aus Lauscha und Echthaarperücke. Die Puppen werden über den eigenen Online-Shop und im gut sortierten Spielzeughandel verkauft. Die Kunden, sagt Geschäftsführer Biemann, achten heute viel mehr auf Nachhaltigkeit und fragen nach, wo das Produkt herkommt und welche Materialien verwendet werden. Masse sei aber sowieso nicht das Geschäftsmodell von Schildkröt, meint Biemann.

Manufaktur mit Tradition

Dabei hat Schildkröt seinen Ursprung tatsächlich als Massenhersteller. Gegründet wurde das Unternehmen 1873 in Mannheim. In den 80er-Jahren zog es ins Allgäu und setzte von da an auf hochwertige Puppen. Schon damals, zu DDR-Zeiten, haben Rauensteiner Puppenhandwerker für die Firma produziert. Der kleine Ort in Thüringen war lange Zeit auch für sein Porzellan bekannt, das bis in die 30er-Jahre dort hergestellt wurde. Nach der Wende verlegte Schildkröt seinen Firmensitz nach Rauenstein, in die Nähe des traditionsreichen Spielzeugstandortes Sonneberg. Biemann erklärt:

Dann haben wir uns 1993 entschlossen, nach Rauenstein zu gehen. So kam Schildkröt von Mannheim über das Allgäu nach Rauenstein.

Stephan Biemann, Geschäftsführer Schildkröt

Bieman hofft, dass er mit seiner kleinen Belegschaft in diesem Jahr noch einmal richtig feiern kann. Sobald Corona es zulässt, will er mit ihnen auf 125 erfolgreiche Jahre anstoßen. Das historische Spielzeug, kunstvoll gefertigte Puppen und Plüschtiere, sind heute im Schlossmuseum in Rauenstein zu sehen.

"Puppendoktor" Ramona Hoffmann von in der Schildkröt-Manufaktur Bildrechte: MDR/Heike Opitz

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Marlene | 28. Februar 2021 | 21:20 Uhr