Schloss Georgium Anhaltische Gemäldegalerie Dessau ist saniert und hat neuen Chef

Zehn Jahre war das Schloss Georgium als Ort der anhaltischen Gemäldegalerie geschlossen und damit fast schon aus dem Sinn. Nun wurde nicht nur die langanhaltende Sanierung abgeschlossen, sondern auch ein neuer Chef bestellt. Ruben Rebmann ist der neue Museumsdirektor. Wenn alles gut geht, kann er das Haus im Mai 2021 wieder eröffnen.

Blick auf das Schloss Georgium. 4 min
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Das Schloss Georgium in Dessau strahlt wieder von außen wie von innen. Als Teil des Wörlitzer Gartenreichs gehört es zum UNESCO-Welterbe und beherbergt seit 1927 die Anhaltische Gemäldegalerie. Doch die überfällige Sanierung hat sich immer länger hingezogen, viele Jahre war das Haus geschlossen. Bisher ist allerdings nur der Bau fertig, die Gemälde werden erst später einziehen.

Oberbürgermeister Peter Kuras zeigt sich dennoch erleichtert: "Man sagt im Volksmund 'Was lange währt, wird endlich gut'. Also, es waren vier Bauabschnitte insgesamt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 15,5 Millionen Euro, davon hat der Bund – das kann man nicht genug würdigen – etwa acht Millionen beigesteuert, das Land Sachsen-Anhalt etwa drei und wir als Stadt etwa vier Millionen. Und wie man sich das heute anschauen kann: Das war das Geld auch wirklich wert! Diese Perle."

Das eingerüstete Schloss Georgium der Anhaltischen Gemäldegalerie in Dessau-Roߟlau (Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 07.01.2015.
Lange Zeit war das Schloss Georgium eingerüstet. Bildrechte: dpa

Teile sprichwörtlich auf Sand gebaut

Eigentlich wollte man spätestens zum Bauhaus-Jubiläum 2019 fertig sein, doch ließ das alte Gemäuer immer mehr Schäden erkennen: Unvorhergesehene Hohlräume in den Wänden, aber auch Probleme mit der Statik, erzählt Christian Philipsen als Direktor der Kulturstiftung des Landes, die 2017 mit ins Boot geholt wurde.

Was mich besonders damals erschrocken hat und was auch zu einer Verzögerung geführt hat: Der Mittelteil des Georgiums zum Beispiel war gar nicht gegründet, sondern steht auf dem Schwemmsand der Elbe, ist also quasi auf Sand gebaut gewesen. Und hier musste eine ganz neue Gründung eingebaut und eingezogen werden. Und solche Dinge haben einfach zu diesen Verzögerungen geführt.

Christian Philipsen, Direktor der Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt

Neue Denkwege umgesetzt

Hinzu kam ein Paradigmenwechsel in der Konzeption, weg von der Idee eines Schlossmuseums, hin zu einem modernen, zukunftsorientierten Kunstmuseum mit allen technischen Erfordernissen, zum Beispiel im Hinblick auf Klimatechnik, Besucherempfang, Foyer, Museumsladen oder Beleuchtung. Das alles galt es so zu entwickeln und in einem Gesamtkonzept umzusetzen, dass es in einem historischen Schlossgebäude – das auch noch UNESCO-Welterbestätte ist – verträglich bleibt und möglich ist.

Ulrike Wendland, Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, steht im Schloss Georgium.
Ulrike Wendland, Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz Bildrechte: dpa

Für die Denkmalpflege war das ein Spagat, sagt die am Prozess beteiligte Ulrike Wendland, die mittlerweile Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz ist. Doch durch individuelle Lösungen, zum Beispiel für das Aufhängen der Bilder, sei dies vorbildlich gelungen.

Wendland erläutert: "Es sollen ja Bilder auch mal ausgewechselt werden. Oder es sollen Sonderausstellungen gezeigt werden können. Und das bedeutet aber immer Stress für die Wände. Dann wird reingebohrt und dann müssen diebstahlsichere Verankerungen angebracht werden. Und deswegen ist das Prinzip der Vorhangschalen verwendet worden, auf die die Bilder geschraubt werden können. Die auch zugleich die Licht- und Klimatechnik verdecken. Und wenn die verschlissen sind, kann man sie erneuern, ohne dass man die wertvollen Wände immer wieder neu anbohrt."

Barrierefreier Rundgang möglich

So gelingt es, durch Einbauten von Treppen und eines Fahrstuhls einen barrierefreien und geschlossenen Rundgang durch das Gebäude herzustellen. Im Eingangsbereich modern, mit Museumshop, Garderobe und Toilette in den Sälen mit historischen Stuckdecken und Parkettböden.

Blick in das Treppenhaus des Schlosses Georgium.
Beleuchtung im Treppenhaus des Schlosses Georgium Bildrechte: dpa

Vor allem aber gibt es durch den Ausbau des Mezzanins mehr Ausstellungsfläche, freut sich der neue Museumsdirektor Ruben Rebmann. Nach zwei Jahren wurde der Posten unlängst mit dem 45-Jährigen besetzt. Der Kunsthistoriker hat nach seinem Studium in Halle, Pisa und Leipzig für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin gearbeitet und kehrt nun quasi in seine Heimat zurück.

Rebmann beschreibt seinen Bezug zu dem Ort so: "Das Gebäude ist mir nicht unbekannt, ich kenne den früheren Zustand auch noch selbst aus den 80er-Jahren. Und es hat sich doch sehr viel verändert. Es ist sehr viel an moderne Ausstellungsmöglichkeiten angepasst worden. Auch die Anforderungen, die an die Erhaltung der Gemälde gestellt werden: dass die Gemälde sich wirklich in einem guten Zustand hier befinden, dass die klimatischen Werte auch tatsächlich sicher sein sollen und damit also auch die Erhaltung der Gemälde garantiert ist."

Platz für 1.800 Gemälde

Es ist ein wahrer Schatz, der hier in den nächsten Monaten wieder einziehen soll, knapp 300 der insgesamt 1.800 Gemälde sollen in der neuen Dauerausstellung gezeigt werden. Und wenn alles nach Plan läuft, wird das Museum im Mai 2021 eröffnet.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Dezember 2020 | 07:10 Uhr

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