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"Mädchen, Mütter, Musen"Ausstellung in Schmalkalden zeigt Frauenbilder der letzten 2.000 Jahre

von Marlene Drexler, MDR KULTUR

Stand: 11. Juni 2022, 04:00 Uhr

Viele Jahrhunderte lang waren Frauen in der Kunst zwar sichtbar, jedoch zumeist nur in passiver Form als Quelle der Inspiration. Raum für künstlerische Ausdrücke ihres eigenen Innenlebens gab es selten. Die Ausstellung "Mädchen, Mütter, Musen... von der Bibel zum Phantastischen Realismus" im Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden macht sich deshalb auf den Weg, der Rolle der Frau anhand verschiedener Mädchen- und Frauendarstellungen von etwa 50 Kunstschaffenden aus den vergangenen 2.000 Jahren nachzuspüren, darunter David Hockney, Andy Warhol und Max Liebermann.

Ihre Ausstrahlung ist kindlich. Mit dem kleinen Mund und der großen Nase ist sie keine konventionelle Schönheit. "Aber dann ist da dieser kluge, melancholische Blick, der eine ganz spezielle Persönlichkeit definiert vor der ich sofort Achtung habe". Das Bild, vor dem Kurator Harald Gratz steht, heißt "Die Frau in Blau" und ist von Pablo Picasso.

Die Farblithografie aus dem Jahr 1948 stammt, wie auch die anderen gut 60 Werke die das Otto Mueller Museum derzeit ausstellt, aus einer privaten Sammlung, deren Eigentümer anonym bleiben möchte.

Frauendarstellungen von David Hockney, Max Liebermann und Käthe Kollwitz

Für Harald Gratz hat sich das Thema für die Ausstellung bei der Sichtung der Sammlung wie von selbst ergeben: "Plötzlich habe ich gesehen, hier schlummert etwas Komplexes".

Die ausgestellten Werke stammen von etwa 50 vorrangig männlichen Künstlern darunter David Hockney, Andy Warhol und Max Liebermann. Vereinzelt sind auch Künstlerinnen, wie zum Beispiel Käthe Kollwitz vertreten. Neben zahlreichen Abdrucken sind auch einige Originale zu sehen.

Für Kurator Harald Gratz, der selbst auch Maler, Grafiker und Plastiker ist, hat die Ausstellung zwei Dimensionen. Zum einen, soll sie einen Lichtstrahl auf die Rollenbilder der Frau von der Bibel bis hin zum phantastischen Realismus der 1950er Jahre werfen. Zum anderen eint die Kunstwerke nach Meinung von Gratz, die würdevolle Darstellung der jeweils Portraitierten.

Die Würde eines Menschen zu achten, bedeutet, das Gegenüber als selbstbestimmtes Individuum zu respektieren, unabhängig von den äußeren Umständen, in die jemand hineingeboren wurde. Im politischen Kontext hängt die Würde unmittelbar mit dem Wert der Gleichheit und der Gleichberechtigung zusammen. Aber wie verhält es sich in der Kunst – wer bestimmt, ob die Würde einer portraitierten Person geachtet wurde?

Bunte Pop-Art von Andy Warhol in Schmalkalden

Nehmen wir Andy Warhols bunte Pop-Art Darstellung der Sängerin Debby Harry: die funkelnden Augen umrahmt von blauem Lidschatten, die hohen Wangenknochen und dunkelroten Lippen, in Szene gesetzt durch den hohen Kontrast. Sehen wir hier eine feministische Ikone oder eine seelenlose Barbie? Für Kurator Gratz ist es genau dieser schmale Grat, der das Werk ausmacht.

Einerseits werde die Frau knallhart als Produkt dargestellt: "Und andererseits habe ich aber das Gefühl, Debby Harry ist die Chefin." Warhol hält damit einer Welt den Spiegel vor, in der der Materialismus an Stelle der Religion getreten ist, und alles mit einem Verkaufswert etikettiert wird. Die negativen Auswüchse dieses Dogmas bekommt eins ums andere Mal eher die Frau, als der Mann zu spüren.

Die Unterdrückung der Frau – und der Weg zur Freiheit

Für Harald Gratz zeigt der Blick in die Kunstgeschichte aber auch – und das soll die Ausstellung unterstreichen –, dass wir zeitweise schon mal weiter waren. In der griechischen Mythologie hätten die Göttinnen etwa tragende Rollen gespielt: "Im Trojanischen Krieg haben sie neben den Männern auf dem Schlachtfeld gekämpft." Auch die jahrhundertelange Verehrung der heiligen Mutter Gottes könne hier genannt werden.

Dennoch bleiben solche Beispiele eher kleinere Randnotizen in der langen Geschichte der Unterdrückung der Frau, die seit mindestens dem klassischen Altertum bis heute in unterschiedlich starker Form anhält. Umso beeindruckender erscheinen in diesem Licht die Werke von Käthe Kollwitz. Etwa eine Radierung aus ihrer Serie über den Bauernkrieg aus dem Jahr 1902. Es zeigt die Bäuerin Margarte Renner, die einzige namentlich bekannte Frau die an diesem Krieg teilnahm. Käthe Kollwitz malt sie von hinten, in ausdrucksstarker Pose mit erhobenen Armen, wie sie einem Heer von Bauern das Kommando erteilt.

Weitere Informationen zur Ausstellung"Mädchen, Mütter, Musen . . . von der Bibel zum Phantastischen Realismus" ist bis zum 24. September zu sehen

Otto Mueller Museum der Moderne I Altmarkt 8, 98574 Schmalkalden

Öffnungszeiten von April bis Oktober:
Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene: 4 Euro
Ermäßigt: 2 Euro

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 11. Juni 2022 | 08:45 Uhr