Förderprogramm "Neustart Kultur" Schweina: Von der Industriebrache zum hippen Kulturort im Thüringer Wald

Neustart Kultur – so heißt das Förderprogramm des Bundes, mit dem Kulturschaffenden aus der Corona-Krise geholfen werden soll. In Thüringen fließt Geld aus diesem Programm in ein Dorf – und dort in eine Industriebrache. In Schweina, einem Ortsteil von Bad Liebenstein am Südwestrand des Thüringer Waldes, will ein Verein ein neues Kulturzentrum schaffen, im Maßstabwerk der früheren Pfeifen&Holz-Fabrik.

Schweina Industriedenkmal Maßstabwerk 4 min
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MDR KULTUR - Das Radio Do 01.04.2021 09:35Uhr 04:03 min

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Das Maßstabwerk: Ein schnörkelloser Industriebau aus den 1920er-Jahren – mit großen Fensterfronten und Backsteinmustern in der Fassade. Es heißt so, weil hier, in einem Teil der einstigen Pfeifen&Holz-Fabrik, einst Gliedermaßstäbe, also Zollstöcke hergestellt wurden. Seit 15 Jahren steht der Komplex weitgehend leer. Das soll sich jetzt ändern, erklärt Aline Burghardt, Leiterin der Kinder- und Jugendkunstschule in Schweina, die von einem Verein getragen wird: "In den nächsten Monaten wird hier ein Kulturzentrum für Schweina entstehen." Aus dem Maßstabwerk solle, laut Burghardt, ein innovativer Begegnungsraum für Akteure aus Bildung, Kultur, Wirtschaft und Sozialem entstehen.

700 Quadratmeter Platz für Kultur

Schweina Industriedenkmal Maßstabwerk
Diese Halle soll mit Bühne, Bar, Coworking Spaces und einem Sanitärtrakt ausgestattet werden. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Die künftige Kulturetage als neues Standbein befindet sich im zweiten Stock – 700 Quadratmeter Platz für soziokulturelle Angebote wie Theater, Film und Fotografie, für eine Außenstelle des Wartburg-Radio, aber auch für eine Bar und mietbare digitale Arbeitsplätze, sogenannte Coworking Spaces. Im größten Raum ist eine Bühne geplant. Die Halle sei für 400 Personen zugelassen, sodass große Veranstaltungsformate konzipiert werden könnten, ergänzt Aline Burghardt. Kultur soll dabei als eine Art Türöffner fungieren und den Anstoß geben, um weitere Teile des denkmalgeschützten Industriegebäudes wiederzubeleben.

Angebote für den kulturellen Bereich geplant

Kaffee an der Bar – und nebenan ein StartUp aufziehen – so etwas wünscht sich der Bad Liebensteiner Bürgermeister Michael Brodführer. Die Stadt hat im vergangenen Jahr das ehemalige Industrieareal von Pfeifen&Holz mitten in Schweina gekauft, gut 10.000 Quadratmeter Fläche mit vielen Gebäuden. Eine große Aufgabe, weiß Brodführer: "Wir wollen hier wieder Produktivität ansiedeln. Auch haben wir die Notwendigkeit erkannt, Angebote für den kulturellen Bereich zu schaffen – wir glauben, dass sich das gegenseitig bedingt."

Entwicklungen im ländlichen Raum forcieren

Schweina Industriedenkmal Maßstabwerk
Das etwa 10.000 Quadratmeter große Industrieareal birgt jede Menge Potential. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Kreativität in der Soziokultur – und kreative Unternehmen. Seit einigen Jahren wird die Idee vorangetrieben, auf dem Gelände eine universitäre Außenstelle zu schaffen, einen Landcampus Schweina. Dazu gab es eine vom Bund geförderte Studie, in der es darum ginge, Studienorte dezentral anzulegen, um Entwicklungen im ländlichen Bereich zu forcieren, erklärt Bürgerweister Brodführer und ergänzt: "Schweina in Thüringen ist ein Ort, in dem so etwas gelingen könnte."

Große Mittel für kleinen Verein

Bereits gelungen ist die Förderung für das Kulturzentrum Maßstabwerk. Mit rund 140.000 Euro aus dem Neustart-Kultur-Programm des Bundes wird die Fabriketage jetzt umgebaut und saniert, Fenster und Elektrik erneuert, Toiletten eingebaut. Aline Burghardt freut es besonders, dass die Mittel in einen kleinen Ort geflossen sind. So habe sie gemerkt, dass der ländliche Raum seit der Corona-Pandemie deutlich mehr in den Fokus geraten sei: "Das ist eine Riesenchance für uns als kleiner Verein, uns größer aufzustellen."

Begegnungsort zwischen Stadt und Land

In Schweina beäugt so mancher das Neue im alten Werk noch etwas misstrauisch, erzählt der Ortsteilbürgermeister Thomas Mieling. Aber auch das Neue werde gebraucht, meint er: "Manche Objekte werden mit neuem Leben gefüllt, und das ist eine gesunde Mischung für Schweina und für die Entwicklung im gesamten Ortsteil."

Schweina Industriedenkmal Maßstabwerk
Für die Verantwortlichen scheint festzustehen: Schweina ist der ideale Ort für die Umsetzung ihres Projektvorhabens. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Das Kulturzentrum wird allen offen stehen, bekräftigt Aline Burghardt, als Ort der Begegnung, vielleicht auch als Schnittstelle zwischen Stadt und Land. Erprobt wird es voraussichtlich ab September: dann soll das neue Kulturzentrum Maßstabwerk eröffnet werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. April 2021 | 10:10 Uhr

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