Ein Apparat, der Spiele ausspuckt Der Spielomat – Designidee aus Halle am Bauhaus Dessau

Das Büro für Sinn und Unsinn in Halle entwickelt Spiele: fantasievoll, lehrreich und gerne digital. Jetzt sind die Designer mit dem Bestform-Award 2021 des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden. Anlass war ihre Erfindung Spielomat, ein Apparat, der individuelle Spielideen generiert. Felicitas Förster stellt die Idee und ihre Erfinder vor.

Willy Dumaz 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Klick, ratsch, ratterratter, brrrrr – so klingt es, wenn man den Automaten bedient, der seit fast zwei Jahren im Bauhaus Museum Dessau steht. Ein mannshoher Kasten in schwarz und grün, das Bedienfeld erinnert an ein Gesicht, wobei der Mund tatsächlich etwas ausspucken kann: Eine Spiele-Idee im Kassenbon-Format. Bei kleinen und großen Besuchern kommt das gut an, freut sich Lea Sonder, Mitentwicklerin des Spielomaten vom Büro für Sinn und Unsinn:

Man muss ja viele Knöpfe drücken, muss an einer Kurbel drehen, dann fängt alles an zu leuchten und am Ende kommt eine individualisierte Spielidee aus dem Drucker.

Lea Sonder, erklärt den Spielomaten

Schon dieser Prozess begeistere die Leute, meint Lea Sonder und berichtet lachend: "Es gibt kleinere Kinder, die können eigentlich noch gar nicht lesen, die wollen sich am liebsten eine Idee nach der nächsten ausdrucken." Größere Kinder und Eltern wiederum fänden die ausgedruckten Spielideen toll.

Finde die Buchstaben!

Über einhundert Ideen hat der Spielomat auf Lager, darunter zum Beispiel das Sammel-ABC. Dabei begibt man sich mit seinem Smartphone auf die Suche nach Buchstaben. Von A bis Z versucht man alle Buchstaben zu finden, zum Beispiel auf Schildern oder auch in einer Konstellation von Blättern auf dem Boden. Entwickelt wurden die Spiele gemeinsam mit Kindern im Rahmen von Workshops.

Der Spielomat ist Teil von future playground., einem Stipendium für die Entwicklung von digitalen Spielplätzen. Solche gibt es schon, vor allem in Skandinavien. Der Designer Willy Dumaz vom Büro für Sinn und Unsinn hat sich mit ihnen auseinandergesetzt. Richtig zufrieden ist er mit dem Angebot nicht. "Viele Games für den Spielplatz sind ein bisschen stumpfsinnig und verhindern freies Spiel", sagt er. "Man muss nur irgendwelche Lichter drücken, es geht um Reaktion, Schnelligkeit und Punkte-Sammeln. Das fanden wir schade. Deshalb möchten wir digitale und elektronische Mittel nutzen, um freies, soziales, kreatives Bewegungsspiel zu fördern."

Das Büro selbst gleicht einem Spielplatz

Vier Designerinnen und Designer arbeiten beim Büro für Sinn und Unsinn. Kennengelernt haben sie sich an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Vor fünf Jahren haben sie ihr Büro offiziell eröffnet.

Spielomat im Bauhaus Museum Dessau
Der Spielomat Bildrechte: Stiftung Bauhaus Dessau/Thomas Meyer/OSTKREUZ

Dieses gleicht selbst einem Spielplatz: Es gibt Drehscheiben, Bälle, elektronisches Spielzeug oder auch Brillen zum Um-die-Ecke-schauen. Eine anregende Umgebung für kreatives Arbeiten, wie zum Beispiel das Braindrawing. Das funktioniert ähnlich wie Brainstorming, nur dass hier statt gemeinsam zu schreiben gezeichnet wird. Dumaz erklärt: "Man nimmt entweder ein weißes Blatt Papier oder ein schon beschriftetes oder bezeichnetes Blatt Papier mit einer Skizze und zeichnet da weiter." Häufig werde im Team dabei gar nicht gesprochen, was schon mal zu produktiven Missverständnissen führe.

Spielerisch Lernen

So entstehen Spiele wie das durchgedrehte Story-Telefon oder ein Spieleteppich, der Kinder in Riesen verwandelt. Neben Spielobjekten und klassischen Brettspielen haben die Entwickler auch Workshops, Rollenspiele und Lernspiele im Programm. Wenn es möglich ist, gehen sie damit in Schulklassen. Dieser "Kontext des spielerischen Lernens" ist Sonder wichtig, "weil ich es als Kind oft trocken fand, in der Schule in immer gleichen Formaten, häufig im Frontalunterricht Themen vermittelt zu bekommen. Ich finde es toll, dass das heutzutage nicht mehr so sein muss, und habe Lust, diese Entwicklung voranzubringen."

Büro für Sinn und Unsinn (von links nach rechts): Max von Elverfeldt, Charlotte Janus, Willy Dumaz, Lea Sonder
Büro für Sinn und Unsinn (von links nach rechts): Max von Elverfeldt, Charlotte Janus, Willy Dumaz, Lea Sonder Bildrechte: MDR/Sabrina Gebauer

Spielen im Bahnhof?

Die größte öffentliche Aufmerksamkeit bekommt das Büro für Sinn und Unsinn zweifellos für seinen Spielomaten. Bei den Bestform-Awards 2021 belegte das Team damit einen zweiten Platz und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro. Auch der Bundesregierung hat die Idee gefallen. Sie hat das Team mit dem Titel "Kreativpiloten" ausgezeichnet. Außerdem hat die Deutsche Bahn Interesse gezeigt. Sie hat den Spielomaten an zwei Bahnhöfen getestet. Ob sie die verspielten Kästen irgendwann dauerhaft aufstellen wird, ist allerdings noch unklar.

Ausstellungsraum im Bauhaus Museum Dessau
In diesem Erlebnisraum befindet sich der Spielomat, rechts am Fenster und mit grüner Kappe. Bildrechte: Stiftung Bauhaus Dessau/Thomas Meyer/OSTKREUZ

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. April 2021 | 06:10 Uhr

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