Museen im Lockdown Was die Pandemiemaßnahmen für die Städtische Museen Dresden bedeuten

Aufgrund der Pandemieeinschränkungen sind die Museen im Krisenmodus – auch die Städtischen Museen Dresden, zu denen unter anderem das Stadtmuseum, die Technischen Sammlungen, das Kunsthaus und die Städtische Galerie gehören. Mit entsprechenden Hygienevorkehrungen konnten sie im Sommer nur etwa 60 Prozent ihrer sonstigen Besuchszahlen erreichen – nun sind sie ganz geschlossen. Was das für ihre Arbeit bedeutet, darüber hat MDR KULTUR mit Museumsdirektor Gisbert Porstmann gesprochen.

Leonhardi Museum
Das Leonhardi-Museum ist Teil der Städtischen Museen Dresden und kann derzeit keine Besucher empfangen Bildrechte: Steffen Georgi/MDR

Die zehn Häuser der Städtischen Museen Dresden bleiben bis mindestens 28. Februar für das Publikum geschlossen. Gleichwohl laufen intern Arbeiten wie Bestandsdokumentation, Restaurierungsarbeiten oder die Forschung weiter, die Ausstellungen sind ja nur ein kleiner Teil der Arbeit eines großen Museumsgefüges, der jedoch öffentlich wahrgenommen wird.

Museen haben langen Vorlauf

Laut Museumsdirektor Gisbert Porstmann hat die interne Arbeit einen Vorlauf von zwei bis zweieinhalb Jahren, das Team von den technischen Sammlungen, Kunsthaus, Leonhardi-Museum, Stadtmuseum und Galerie setzt sich mit den Vorhaben 2021 bis 2023 auseinander. Durch die Corona-Pandemie sind alle Abstimmungen mit Kooperationspartnern und Leihgebern hinfällig und der Austausch zwischen den Museen gestört.

Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie
Gisbert Porstmann leitet die Städtischen Museen Dresden Bildrechte: dpa

Porstmann ist daher froh, dass er mittlerweile seine Leihgaben, dazu gehört ein frühes und sehr fragiles Bild von A.R. Penck, das in der großen Amsterdamer Ausstellung hing, wieder im Haus hat. Kunstwerke sind eben keine normale Fracht, sondern anspruchsvolle Reisende, die immer von einem Kurier begleitet werden. Für Porstmann geht es auch um Haftungsfragen, auch wenn seine Häuser mit vertrauensvollen Partnern zusammenarbeiten. Man könne zwar per Video das Einpacken aus der Ferne beobachten, jedoch keine Malschichten beurteilen, erläutert er.

In den Städtischen Museen wird derweil versucht, Ausstellungen zu verlängern oder gleich ganz zu verschieben.

Andere Aussteller warten

Ende November sollte beispielsweise eine Schau zum Tabakrausch eröffnet werden, denn im frühen 20. Jahrhundert war Dresden das Zentrum des Orienttabakhandels in Europa und der Hauptort der deutschen Zigarettenindustrie. Laut Porstmann steht sie komplett produziert da und kann nicht eröffnet werden. Die Ausstellung einfach weit ins Jahr 2021 zu verschieben geht jedoch nicht, weil das Industriemuseum in Chemnitz als nächste Station schon fest mit ihr rechnet.

Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie
Gisbert Porstmann Bildrechte: dpa

Und nun sind wir natürlich in Kontakt mit der nächsten Station: Wie ist euer Plan? Können wir sie denn, wenn wieder auf ist, verlängern? Damit diese Ausstellungen auch ihre Wirkzeit haben. Da stecken zwei, drei Jahre Arbeit drinnen in so einer Ausstellung.

Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Museen Dresden

Auch die geplante Präsentation zum zweihundertjährigen Jubiläum der Ostsächsischen Sparkasse im Stadtmuseum wird zunächst nicht öffnen können, hoffentlich jedoch die große Ausstellung mit Werken der Dresdner Malerin Angela Hampel in der Städtischen Galerie.

Bestandserweiterungen gehen weiter

Dresden wird sich am bundesweiten deutsch-jüdischen Festjahr beteiligen, das 1.700 Jahre jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands thematisiert.

Das sogenannte Landhaus in Dresden
Im historischen Landhaus befindet sich das Stadtmuseum Dresden Bildrechte: Stadtmuseum Dresden/David Brandt

Erst unlängst konnte mit dem Kauf eines Dresdner Kidduschbechers ein wichtiger Erwerb für die Judaica-Sammlung des Stadtmuseums erfolgen. Porstmann erklärt dessen Bedeutung: "Ich bin sehr froh, dass Christina Ludwig, die Direktorin des Stadtmuseums, gemeinsam mit Frau Rudolph, ihrer Kustodin, darauf aufmerksam geworden ist und ihn auch erwerben konnte. Denn wir haben kaum Zeugnisse jüdischen Lebens in unseren Sammlungen, schon gar nicht so frühe. Es ist ein Becher aus dem 18. Jahrhundert. Er gehört zu einem jüdischen Festritual, wo feierlich zu Abend gegessen wird."

Wiedereröffnen ist schwieriger als Schließen

Das Wiederanschalten eines komplexen Kulturbetriebs, zu dem ja nicht nur die Ausstellungen, sondern auch ein großes Vermittlungs- und Bildungsprogramm gehören, sei schwieriger, als das Abschalten, resümiert Porstmann. Und trotzdem wünschen er und seine rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich nichts sehnlicher herbei – auch wenn es bis dahin noch eine lange Strecke ist.

Kunst und Kultur in Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Dezember 2020 | 07:15 Uhr

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