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Stefan Weppelmann Bildrechte: dpa/MDR/Bertram Kober/Florian Leue

Interview

Neuer MdbK-Direktor Weppelmann: "Einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt"

Stand: 05. Januar 2021, 16:02 Uhr

Kunsthistoriker Stefan Weppelmann ist seit Januar 2021 der neue Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste (MdbK) und damit der Nachfolger von Alfred Weidinger. Im Interview mit MDR SACHSEN hat Weppelmann verraten, welche Pläne er für das Museum hat, welche Herausforderungen es zu meistern gilt und warum das Museum der bildenden Künste für ihn einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt ist.

MDR SACHSEN: Was interessiert Sie besonders in Leipzig?

Stefan Weppelmann: Ich war vor allem auch an einer Öffnung für mich interessiert, eine etwas größere Zuständigkeit und Bandbreite zu erfahren, also ein Haus zu finden, in dem Skulptur, Malerei, Fotografie, Grafik und vielleicht alles dies noch über mehrere Jahrhunderte vorhanden ist. Und Leipzig war immer ein Haus, das ich mit im Blick hatte, zumal nach dem spektakulären Neubau, der 2004 hier am ehemaligen Sachsenplatz entstanden ist, eine Infrastruktur gegeben ist, die besser kaum sein kann. Und dann kommt in Leipzig natürlich noch das besondere Umfeld hinzu, dass es eine Stadt ist, die wächst, die durch dieses Wachstum eine hohe Dynamik hat und eine sehr junge Stadt ist, die auch mit einer gewissen Aufbruchsstimmung in die Zukunft schaut. Das ist natürlich für einen Wechsel sehr sympathisch und stimulierend.

Können Sie sich noch erinnern, wann Sie das allererste Mal das Museum besucht haben?

Das war am Beginn der 90er-Jahre. In Leipzig war das Museum damals noch im Gerichtsgebäude untergebracht. Ich habe mich damals schon erstaunt darüber gezeigt (und habe darüber auch ein paar Aufzeichnungen gemacht), wie qualitätvoll die Sammlung eigentlich auftrat. Und sie finden ja in Leipzig zum Beispiel ein Werk von Rogier van der Weyden ebenso, wie einen ganz außergewöhnlich dichten Beckmann-Bestand, der durchaus die Konkurrenz mit Hamburg oder München nicht zu scheuen braucht. Und das in Kombination mit der drittgrößten Skulpturensammlung in Mitteldeutschland ist schon auch einfach etwas ganz Außerordentliches. Ein vergleichbares Sammlungsprofil ist schwer in Deutschland zu finden.

Und wenn Sie jetzt bedenken, dass mit der Schenkung Bühler-Brockhaus auch noch eine Gruppe von über 40 Barbizon-Gemälden, also Gemälden der postimpressionistischen Malerei der Schule von Barbizon, hier in Leipzig ein Alleinstellungsmerkmal ausdifferenzieren, ist das schon ein Ort, der für jemanden, der sich jetzt seine Traumstelle in einem Museum vorstellt, ganz, ganz stark nach vorne rückt. Mit der Möglichkeit, jetzt nach Leipzig zu kommen, habe ich einen der schönsten Arbeitsplätze der Welt.

Auf ihrem bisherigen Museums-Werdegang hatten Sie es in erster Linie immer mit einem abgeschlossenen Werk von Künstlern zu tun, klar aus der Vergangenheit, jetzt in Leipzig, auch mit gegenwärtigen, sodass Sie wahrscheinlich viel unterwegs sein werden in Ateliers. Ist das etwas, worauf Sie richtig Lust haben?

Ja, natürlich habe ich da extrem Lust darauf. Und vor allem auch Neugier. Das sind neue Arbeitsfelder für mich. Hier werde ich also auch sehr viel lernen dürfen. Und das ist natürlich immer im Beruf eine schöne Erfahrung. Ich möchte mir allerdings auch nichts anmaßen. Ich werde sicherlich nicht in der Lage sein, die zeitgenössische Kunst Leipzigs in ihrer Bandbreite in kürzester Zeit zu durchmessen, geschweige denn sie zu erklären. Hier wird für mich eher ein respektvolles Zuhören, Zuschauen auf dem Plan stehen, um dann mit den Kuratorinnen und Kuratoren des Hauses eine Programmdiskussion zu haben, sinnvolle Dinge auszuwählen und vor allem dann auch den Begriff der Verantwortung nach vorn zu stellen. So ein Haus muss die Kunst in Mitteldeutschland der Vorwendezeit, der Nachwendezeit und der Gegenwart dokumentieren, muss sich mit dem Thema Künstlernachlässe beschäftigen. Das sind Dinge, die kann man auch als Nicht-Experte für zeitgenössische Kunst, glaube ich, sehr ernst nehmen. Und ich freue mich ungeheuer darauf, mit dieser Verantwortung auch zu tun zu haben.

Wie lange wird es brauchen, bis man die Handschrift des neuen Direktors im Museum der bildenden Künste spüren wird?

Es gibt einige Projekte, die Kolleginnen und Kollegen des Hauses schon seit Jahren vorbereiten. Also zunächst die große Ausstellung zu Andreas Gursky mit vielen neuen Arbeiten von ihm und dann natürlich das Projekt, das mit Düsseldorf zusammen entstanden ist zu Caspar David Friedrich und der Düsseldorfer Malerschule – Projekte, die einfach großartig sind und das Jahr sehr gut ausfüllen werden. Wenn wir die abgearbeitet haben, dann wird man unmittelbar hoffentlich auch in der Ausstellungstätigkeit bemerken, dass ein Direktionswechsel da ist.

Aber ich würde das nicht nur mit dem Thema Ausstellungen verbinden wollen, sondern ein Museum hat ja auch Aufgaben im Bereich der Bildung und der Forschung. Und wenn man auch hier diese Aufgaben ernstnimmt und mit Budgets versieht, dann wird man den Stefan Weppelmann hoffentlich unmittelbar im Museum angekommen erleben. Ich möchte schon auch Akzente jetzt nicht nur im Thema Event und Ausstellung setzen oder auch das Thema im Programm etwas weiterdenken und etwas nachhaltiger denken, etwas längerfristig planen und auch vor allem in die kunstgeschichtliche Tiefe gehen wollen.

Das hat auch sehr viel mit dem Umgang der Dauerpräsentation zu tun. Wie erzählen wir die Sammlung? Machen wir das eher aphoristisch? Oder gibt es einen kurzen historischen Zusammenhang? Also hier lässt sich, glaube ich, sehr viel auch an Neuem ausprobieren. Und indem man Dinge vielleicht in neuen Zusammenhängen zeigt, auch Orte wie das Café oder den Shop oder die Eingangssituation neu überdenkt, mit dem Platz umgeht, die Fassaden thematisiert – alles. Das sind Akzente, die man als Direktor zusammen mit seinem Team natürlich von Tag Eins an angehen und setzen kann. Wie lange die einzelnen Dinge dann brauchen, bis sie auch sichtbar werden, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Das Interview führte Andreas Berger für MDR SACHSEN.

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04. Januar 2021 | 22:10 Uhr