Zeitgeschichtliches Forum "Tatort"-Ausstellung in Leipzig: Warum Schimanski, Boerne und Co. so erfolgreich sind

Der "Tatort" schafft es noch immer, ein Millionenpublikum vor die Fernsehgeräte zwischen Rügen und München zu locken. Eine Ausstellung in Leipzig ist nicht nur erhellend für dessen Fans und untersucht, was die Krimi-Reihe so erfolgreich macht, auch der Ostzwilling "Polizeiruf 110" wird betrachtet.

"Tatort"-Liebhaber können sich in Leipzig auf Spurensuche zur erfolgreichen Fernsehserie begeben. Das Zeitgeschichtliche Forum zeigt in der Ausstellung "Tatort. Mord zur besten Sendezeit" etwa 500 Objekte, die in der Krimiserie eine Rolle gespielt haben. Es sind Filmausschnitte, Studiobauten, Requisiten und Kostüme zu sehen, beispielsweise die Jacke des Duisburger Kommissars Schimanski (dargestellt von Götz George) oder der Arztkittel inklusive des Seziertisches von Prof. Boerne aus Münster (Schauspieler: Jan Josef Liefers).

Auch die (ost)deutsche Krimi-Zwillingsschwester, der "Polizeiruf 110", der gerade sein 50-jähriges Bestehen feiern kann, steht im Fokus der Ausstellung. Dabei offenbart sich anhand der beiden Krimiformate auch die Widerspiegelung von gesellschaftlichen Zuständen in West und Ost.

Kleidungsstücke von Fernsehkommissaren, darunter die "Schimanski-Jacke" in der Ausstellung "Tatort.
Die legendäre Schimanski-Jacke und andere eher dezent kolorierte Kleidungsmittel von Fernsehermittlern Bildrechte: dpa

Betrachtung extremer Verbrechen

Die Schau lädt ein, über die Rolle von Realität und fiktionaler Erzählung im Fernsehen nachzudenken, so der Ausstellungskurator Daniel Korsthorst am Donnerstag in Leipzig. Auch das Thema Schwerstkriminalität wird gesondert behandelt und lädt zum Nachdenken über diese extreme Form des Verbrechens ein. Hinterfragt wird der Realitätsgehalt der inszenierten Fälle, die dargestellte Kriminaltechnik und Rechtsmedizin.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) betrachten die Leiche in der Küche des verlassenen Hotels.
So wie die Fernsehserie (hier eine Szene aus der "Tatort"-Folge "Das Nest") ist auch die Ausstellung nicht für zu kleine Kinder geeignet. Bildrechte: MDR/Wiedemann&Berg/Daniela

Millionen Zuschauende

Im Blickpunkt steht aber auch die Serie selbst, welche Bedingungen und Hintergründe sie hat und wie diese letztlich ihren Erfolg begründet haben.

Der 'Tatort' ist ein Zeitdokument zur Geschichte der deutschen Gesellschaft, ein Zeitgemälde.

Daniel Korsthorst, Kurator der "Tatort"-Ausstellung

Der erste "Tatort" wurde 1970 ausgestrahlt, der "Polizeiruf 110" hatte 1971 Fernsehpremiere. Dargestellt werden fiktive Kriminalgeschehen, die sich teilweise auf gesellschaftliche Debatten beziehen. Noch heute erreichen beide Formate ein Millionenpublikum im Fernsehen.

Eine DDR- Schreibmaschine in der Ausstellung "Tatort. Mord zur besten Sendezeit" im Zeitgeschichtlichen Forum.
Eine typische DDR- Schreibmaschine Marke "Robotron", wie sie in zahlreichen älteren "Polizeiruf 110"-Folgen zu sehen war Bildrechte: dpa

Die Ausstellung "Tatort. Mord zur besten Sendezeit"

11. Juni 2021 - 16. Januar 2022
Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Öffnungszeiten:
Di-Fr 9-18 Uhr
Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr
Eintritt frei

Voraussetzung für den Besuch ist die jeweils gültige sächsische Coronaschutzverordnung.

Elterninformation:
Die Ausstellung zeigt Ausschnitte und Requisiten aus Filmen der Reihe „Tatort“, die von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) ab 12 Jahren freigegeben sind. Bei einem Besuch mit jüngeren Kindern liegt die Entscheidung bei den begleitenden Eltern.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Mai 2021 | 12:05 Uhr

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