"Halexa, siede Salz!" Kunstmuseum Moritzburg Halle feiert 300 Jahre Saline mit Sonderausstellung

Ob der Name der Stadt Halle vom Salz herkommt, darüber streiten sich Namensforscher. Doch das tut dem Jubiläum keinen Abbruch: Vor 300 Jahren wurde die königlich-preußische Saline gegründet, idyllisch auf der "Salinehalbinsel" gelegen. Sie gilt als "Wiege der Stadt" und ist heute ein Museum, das wegen Umbauarbeiten geschlossen bleiben muss. Das berühmteste Exponat des Hauses, den "Silberschatz der Halloren", zeigt 2021 nun das Kunstmuseum Moritzburg.

Ausstellungsstücke in Vitrinen
Der Silberschatz der Halloren Bildrechte: Kunstmuseum Moritzburg Halle / Foto: Marcus-Andreas Mohr

"Halexa, siede Salz!", lautet das Motto des kulturellen Themenjahres "Salz" 2021 in Halle an der Saale. Wem sich das Wort "Halexa" nicht sofort erschließt: Es ist eine volkstümlich-humorige Verknappung der Worte Halle und Alexa. Alexa, jene Sprachassistentin eines großen Versandhändlers, deren künstliche Intelligenz auch polarisiert, liefert auf Zuruf Alexa den Wetterbericht oder spielt das Lieblingslied. Warum soll Alexa also nicht auch in der Lage sein, Salz zu sieden, fragten sich die PR-Verantwortlichen des Themenjahres "Salz" und hoffen, mit dem kalauernden Motto breiteste Interessengruppen für die Museen in Halle zu mobilisieren.

Einzigartiger Schatz

Silberschatz der Halloren
Dankbecher von Anna Catharina Vogler für
das große Grabgeleit der Halloren für ihren Mann
Bildrechte: Kunstmuseum Moritzburg/Klaus E. Göltz

Diese Anziehungskraft erhoffen sich die Organisatoren auch für den berühmten "Silberschatz der Halloren", der für das Motto "Halexa" ja nichts kann. Er besteht aus rund 100 Silberbechern und -pokalen der namhaften Salzwirker-Brüderschaft der Halloren, die 2021 das 300. Jubiläum ihrer königlich-preußischen Saline feiert, und ist weltweit einzigartig. Der "Silberschatz der Halloren" gilt laut Thomas Bauer-Friedrich, Direktor der Moritzburg, als Kulturgut von nationaler Bedeutung, "weil es ist unseres Wissens der einzige Schatz einer solchen Bruderschaft in ganz Mitteleuropa, der heute noch überliefert ist."

"Dessen war man sich auch vor 100 Jahren schon bewusst", erklärt Ulf Dräger, Kurator für Kunsthandwerk und Design in der Moritzburg. "Denn 1922 hat das preußische Wissenschaftsministerium diesen Schatz als Kulturgut schon einmal unter Schutz gestellt. 2008 ist das noch einmal bestätigt und erneuert worden." Seitdem steht der Halloren-Schatz auf der Liste der national wertvollen Güter, die nicht ins Ausland verkauft werden dürfen.

Umbau der Saline verzögert sich

Die Moritzburg bietet dem "Silberschatz der Halloren" im Jubiläumsjahr eine museale Heimstatt, da der eigentliche öffentliche Ort ihrer Präsentation leider immer noch eine Baustelle ist. Ursprünglich hatte man sich im Halleschen Salinemuseum das Jahr 2021 als Ziel gesetzt, um mit dem teuren Großumbau in einen modernen Museumskomplex fertig zu sein.

Moritzburg Halle mit Raureif
Blick auf die Moritzburg in Halle Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

In der Moritzburg nimmt man es gelassen und freut sich, den Silberschatz präsentieren zu können. An historisch einleuchtender Stelle: im Gerichtszimmer des historischen Talamts-Gebäudes im Südflügel des Hauses. In ihm sprachen die halleschen Salzgrafen einst Recht. Erst vor kurzem wurde das "Talamt" komplett saniert – und beherbergt nun die lange für die Öffentlichkeit nicht sichtbare "Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts". Thomas Bauer-Friedrich betont, dass die Moritzburg übrigens schon einmal die Silberbecher der Halloren ausstellte: "Vor exakt 100 Jahren war er sehr umfangreich in der Moritzburg präsentiert, was äußerst selten ist, dass der Schatz der Halloren deren Räumlichkeiten verlässt."

Vergessene Schmiedekunst

Rund 100 silberne Trinkgefäße umfasst der Silberschatz der Halloren, das älteste stammt aus dem Jahr 1671. Oft waren die Silberbecher bei der Übergabe mit Geld gefüllt und fungierten somit nicht nur als Dankesgabe, sondern auch als Ehrung. Gestaltet wurden sie von verschiedensten Gold- und Silberschmiedemeistern aus dem mitteldeutschen Raum, deren Schaffen sich gut ablesen lässt an den Gefäßen. So stammt Becher Nr. 11, ein Becher mit Kugelfüßen, beispielsweise von August Hosse, dem bekanntesten Halleschen Goldschmied, der in der Barockzeit in der Saalestadt wirkte. Hosse arbeitete für Auftraggeber und Höfe in ganz Europa.

Silberschatz der Halloren
Der älteste Becher aus der Sammlung Bildrechte: Kunstmuseum Moritzburg/Klaus E. Göltz
Ulf Dräger ist neuer Chef des Museumsverbands Sachsen-Anhalt
Kurator Ulf Dräger Bildrechte: Falk Wenzel/Museumsverband Sachsen-Anhalt

"Wir haben dort eine Handwerkskunst, die heute keiner mehr kann", erklärt Kustos Ulf Dräger. "Sie müssen sich vorstellen, Sie gießen einen Barren aus Silber und mit tausenden von Hammerschlägen ziehen Sie über Monate diese Gefäßform auf. Dann versuchen sie von hinten mit Werkzeug Formen auszutreiben – Sie müssen im Grunde seitenverkehrt denken. Es gibt also eine fast unzählige Zahl an Arbeitsschritten, die notwendig sind, um einen solchen Becher herzustellen." Alle Regenten des mitteldeutschen Raumes seien auf den Silberbechern der Halloren präsent, heißt es: Walter Ulbricht ebenso wie Friedrich I.

Die meiste Zeit lagert die Sammlung in einem Bankdepot und wird regelmäßig gründlich poliert. Im Themenjahr "Salz" ist sie nun dankenswerter Weise in der Moritzburg in Halle zu sehen, gemeinsam mit den ebenso wertvollen, sogenannten "Halloren-Gläsern" – aber das ist eine andere Geschichte.

Weitere Informationen Die Kabinettsausstellung "Der Brüderschaft verehret – Der Silberschatz der Halloren" ist bis zum 9. Januar 2022 im Museum Moritzburg zu sehen. Bitte beachten Sie die Öffnungszeiten des Museums aufgrund der Corona-Pandemie.

Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)

Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Dienstag, 10-18 Uhr
Mittwoch ist Ruhetag

Ausstellungen und Kunst in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Dezember 2020 | 08:10 Uhr

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