Heimatstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt Eisleben: Künstler Thomas Jeschner eröffnet Pop-Up-Museum

Weil es in seiner Heimatstadt kein Heimatmuseum gibt, eröffnet der 1967 in Eisleben geborene Filmemacher und Autor Thomas Jeschner im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt ein Pop-Up-Museum an verschiedenen Orten in Eisleben. Ausgestellt werden sorgsam ausgewählte Exponate aus dem nicht öffentlich zugänglichen Fundus der Regionalgeschichtlichen Sammlung Eislebens. Ziel des Künstlers ist es, der Sammlung zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen.

Thomas Jeschner/Pop-Up-Museum Eisleben 5 min
Bildrechte: Matthias Ritzmann/Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Ein Novum bei der Vergabe des Heimatstipendiums der Kunststiftung Sachsen-Anhalt: Erstmals ging die monatliche Unterstützung für die künstlerische Arbeit an einen Künstler, der seine Kunst nicht in ein kleines, abgelegenes Museum irgendwo in Sachsen-Anhalt bringt, sondern an den in Eisleben geborenen Filmemacher Thomas Jeschner, der in seine Heimatstadt geschickt wurde, obwohl die gar kein Heimatmuseum hat.

Pop-Up-Museum auf dem Eisleber Markt

Damit ist dieser Umstand Programm von Jeschners Arbeit: Zunächst lockte er die Eisleber in ein Pop-Up-Museum auf dem Markt, um ihnen von seinem Projekt zu berichten, nach Sammelleidenschaften und Gegenständen für ein mögliches Museum zu fragen, um dann mit etlichen Menschen in der Stadt Interviews zu führen über ihre Sammelleidenschaften und ihren Heimatbegriff. Das fehlende Museum machte somit eine ganz besondere Arbeit möglich. Nämlich die, einmal zu überlegen, was der Sinn einer Sammlung überhaupt ist, wie vergänglich öffentliche und auch private Sammlungen seien, deren Wert oft an Personen und Zeiten hinge und die immer mehr an Bedeutung verlören, so Jeschner.

Braucht Eisleben ein Heimatmuseum?

Ob es denn überhaupt einen Ort der Erinnerung wie ein Heimatmuseum in Eisleben geben muss, um so etwas wie Heimatgefühle zu entwickeln, stellen Filmemacher Thomas Jeschner und auch Daniela Messerschmidt vom Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit und Kultur der Stadt Eisleben in Frage. Sie und ihre Mitarbeiterinnen hatten mit Thomas Jeschner in den vergangenen Monaten "Inventur" gemacht und alles zusammengetragen, was an verschiedenen Stellen in der Stadt lagert oder auch in kleinen Ausstellungsteilen präsentiert wird.

Pop-Up-Museum Eisleben
Das Pop-Up-Museum speist sich aus dem Fundus der Regionalgeschichtlichen Sammlung von Eisleben. Bildrechte: Matthias Ritzmann/Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Dabei hat die Lutherstadt Eisleben so gut wie alles, was eine Kleinstadt an historischen Nachlässen so zu bieten hat: Von einer Sammlung der Früh- und Altertumsgeschichte, der Gesteins- und Mineraliensammlung, der Vogelpräparatesammlung bis zur Heimatgeschichtlichen Sammlung im sogenannten Herdlager. Ein Museum aber gibt es nicht.

Dabei empfinde man die Erinnerung an Martin Luther in dessen Geburts- und Sterbestadt keineswegs als Konkurrenz. Der große Reformator habe seinen berechtigten Platz in der Mansfeldischen Kleinstadt. Ob es in Zukunft auch ein Heimatmuseum gebe oder in wechselnden Ausstellungen an verschiedenen Orten die geschichtlichen Schätze der Stadt Eisleben gezeigt würden, das stehe noch nicht fest.

Das Projekt geht weiter

Fest steht aber, dass Thomas Jeschners Arbeit in seiner Heimatstadt mit Beendigung des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt nicht aufhört. Er wird sich weiter der Geschichte der Stadt und ihren Menschen widmen. Deren Erfahrungen, Aussagen über ihre Heimatgefühle zu Sammlungen gehörten aus seiner Sicht auch in ein Heimatmuseum wie Fossilien, eine Schreibmaschinensammlung oder die verschiedenen Sammlungen von Alltagsgegenständen.

Thomas Jeschner
Thomas Jeschner lebt als freier Autor und Filmproduzent in Halle. Bildrechte: Matthias Ritzmann/Kunststiftung Sachsen-Anhalt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Oktober 2021 | 09:40 Uhr