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Bescheiden: Die Kunstsammler Günter und Anita Lichtenstein aus dem thüringischen Göpfersdorf finden, den Orden hätten andere genauso verdient. Bildrechte: Katja Evers

GeehrtKunstmäzene auf dem Dorf: Ein Thüringer Ehepaar und seine einzigartige Sammlung

von Katja Evers, MDR KULTUR

Stand: 04. Februar 2021, 04:00 Uhr

Seit den späten 1950er-Jahren wächst bei Anita und Günter Lichtenstein eine für den mitteldeutschen Raum beispiellose Sammlung von Malerei und Grafik zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler – mit Schwerpunkt auf ostdeutscher Kunst. Daneben engagiert sich das Ehepaar in verschiedenen Vereinen für Kunst und Kultur. Nun haben sie dafür den Bundesverdienstorden erhalten.

Wer Anita und Günter Lichtenstein begegnet, der merkt schnell: Es geht ihnen nicht darum sich selbst zu präsentieren. Ihre Kunstsammlung mit mehr als 10.000 Werken wirkt in ihren Erzählungen fast schon klein, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland hätten andere aus ihrer Sicht mindestens genauso verdient. Die Kunstwerke, die sie sammeln, tragen deshalb auch keine großen internationalen Namen, sondern die von regionalen Künstlern.

Vielfalt durch Regionalität

Seit mehr als einem halben Jahrhundert sammelt das Unternehmerpaar, dem die Baumärkte "Leitermann" gehören, regionale Kunst. Zu DDR-Zeiten vor allem mit dem Fokus auf Grafiken, denn die seien meist kritischer gewesen – weil weniger unter Beobachtung – als Malerei, so Günter Lichtenstein. Probleme wegen seiner Sammlung hätte er als privater Sammler aber nie gehabt, so Lichtenstein.

Und dann hatte Grafik für mich damals auch immer etwas Intellektuelles, Bild war bieder. Bilder haben die Genossen gesammelt.

Günter Lichtenstein, Kunstsammler

Dass vor allem regionale Kunstschöpfende für das Ehepaar im Fokus stehen, war zu DDR-Zeiten zunächst durch die Isolation quasi vorgegeben. Nach der Wende hätten beide überlegt, die Sammlung deutschland- und weltweit zu erweitern und auch westdeutsche Museen besucht. Anfängliche Begeisterung sei aber schnell in Langeweile über den Einheitsbrei umgeschlagen, so Günter Lichtenstein:                                                                     

Die Kunst wird international: die Chinesen malen wie die Amerikaner, die Amerikaner wie die Europäer und die Europäer wie die Afrikaner.

Günter Lichtenstein, Kunstsammler

Durch die Isolation in der DDR sei hingegen eine einzigartige Vielfalt entstanden, die die beiden auch weiter sammeln und fördern möchten. Für ihre eigene Sammlung haben sie deshalb eine Stiftung ins Leben gerufen. Daneben engagieren sich für die Kunst in mehreren Vereinen.

Mittlerweile umfasst die Sammlung an die 10.000 Kunstwerke. Bildrechte: Katja Evers

Gemeinsam für die Kultur

Auch Skulpturen gehören zur Sammlung des Ehepaars. Bildrechte: Katja Evers

Seit vielen Jahren etwa sind Anita und Günter Lichtenstein eng mit dem Heimatverein Göpfersdorf e.V. verbunden. Der ist Träger des Quellenhofes, ein alter Bauernhof und mittlerweile ein Kultur- und Veranstaltungsort. Seinen Aufbau hat das Ehepaar Lichtenstein mit unterstützt, in der Konzepterarbeitung, der Eintreibung von Fördermitteln und dem Betrieb selbst. Heute finden dort Oldtimertreffen, Volksfeste, Keramikwerkstätte, Kabaretts oder Kunstaustellungen statt.

Für Letztere und für die dort eingerichtete Galerie gilt Günter Lichtenstein als einer der Ansprechpartner. Obwohl die eigentlich zunächst nur eine Idee war, um Fördermittel für das Projekt einzutreiben, muss er schmunzelnd zugeben. "Das war eigentlich nicht so ernst gemeint". Mittlerweile übernimmt er die Aufgabe jedoch gerne seit vielen Jahren. Daneben ist er Gründungs- und Vorstandmitglied des Freundeskreises für das Lindenau-Museum Altenburg und engagiert sich für das Projekt Viaduktradweg.

Das ist nur eine Auswahl dessen, wofür die Lichtensteins den Bundesverdienstorden erhalten haben. Für sie ist aber vor allem wichtig, dass sie so viele Mitstreiter im Heimatverein und im Freundeskreis an ihrer Seite haben, um die Gegend gemeinsam kulturell zu bereichern.

Wir sind mit Nachbarort 250 Einwohner. Dass wir das bis heute aufrechterhalten können, ist beeindruckend. Das geht eben nur, weil das Ganze Dorf zusammensteht und viele Mitstreiter hat, die sich mit einbringen.

Günter Lichtenstein, Kunstsammler

Die ersten Bilder der Sammlung waren vor allem Grafiken und Zeichnungen. Bildrechte: Katja Evers

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 04. Februar 2021 | 07:10 Uhr