Interview mit Stiftungsdirektorin Doris Fischer Nach dem Thüringer Schlösserdeal: Wer profitiert vom Millionensegen?

Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten galt immer als chronisch unterfinanziert. Jetzt gibt es Geld: 100 Millionen Euro vom Bund und 100 Millionen Euro vom Land. Mit dieser Lösung war zugleich die Debatte über eine gemeinsame Schlösserstiftung von Sachsen-Anhalt und Thüringen vom Tisch. Dafür wird jetzt neu diskutiert und gestritten werden: Wer bekommt was ab von dem Geld und wofür? Wir haben Stiftungsdirektorin Doris Fischer gebeten, einen Ausblick zu geben.

Doris Fischer 7 min
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Die gemeinsame Schlösserstiftung von Sachsen-Anhalt und Thüringen ist vom Tisch. Dafür wird jetzt: Wer bekommt was ab von dem Bund-Länder-Geldsegen? Carsten Tesch befragt Stiftungsdirektorin Doris Fischer.

MDR KULTUR - Das Radio Do 10.12.2020 06:00Uhr 06:53 min

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MDR KULTUR: Die Thüringer Schlösserstiftung wurde bisher immer als chronisch unterfinanziert beschrieben. Hat die Not jetzt ein Ende?

Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten: Ich würde sagen, die Not ist doch maßgeblich gemildert durch die Gelder, die wir von Bund und Land bekommen. Wir sind glücklich und ausgesprochen dankbar dafür. Denn nun können wir zum ersten Mal in größeren Dimensionen planen und auch große Bauabschnitte fertigstellen und für Nutzungen bereit stellen.

Das heißt, ihre Albträume haben sich verändert. Jetzt geht es nicht mehr um faulende Schlösser, sondern fehlende Mitarbeitende, um die ganzen Projekte zu stemmen?

Selbstverständlich brauchen wir mehr Personal. Das war aber auch von Anfang an klar, das wir das mit unserem überschaubaren Mitarbeiter-Stamm nicht stemmen können. Wir werden Baumaßnahmen vorbereiten, die Planungs-, Auswahl- und Vergabeverfahren auf den Weg bringen.

Baufirmen finden, wahrscheinlich ...

Genau, alles mit den Behörden abstimmen und dann entsprechend ausführen. Aber es ist sportlich, das muss ich schon sagen.

Sportlich und wahrscheinlich auch heikel. Ein heikles Wort ist gerade "Leuchtturm". Direkt bei Ihnen Rudolstadt sitzt schon einer der Enttäuschten, Lutz Unbehaun als Direktor der Heidecksburg. Er beschwert sich und wedelt mit einer ganzen Liste: die Heidecksburg, Sondershausen, Arnstädter Schloss, Sommerpalais Greiz, Schleusingen, Schmalkalden, die sollen alle nichts abkriegen.

Da muss man jetzt deutlich unterscheiden zwischen den Projekt- und den Investitionsmitteln. Die Investitionsmittel sind ja in der kompletten Höhe zur Verfügung gestellt worden, nämlich in Höhe von 200 Millionen Euro. Innerhalb dieses Rahmens gibt es eine Vorfestlegung in Höhe von 50 Millionen für Gotha. Aber die restlichen 150 Millionen stehen natürlich für die Objekte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zur Verfügung, wie auch für Objekte, die dann eventuell in unsere Stiftung noch mit hinein transferiert werden. Also insofern gibt es auch für genau die Anlagen, die sie eben aufgezählt haben, Mittel.

Bei den Projektmitteln ist es natürlich so, dass die ausgereicht werdem nur für bestimmte Themenbereiche wie Digitalisierung, Provinienzforschung, Verbesserung der kulturellen Vermittlung und Markenbindung. Durch die massive Vorfestlegung auf drei Einrichtungen, bleibt da in der Tat nur noch ein kleines Stückchen des Kuchens übrig. Da wird es jetzt darum gehen müssen, diese Projektmittel so klug zu verteilen, dass wir die gesamte Residenzlandschaft in Thüringen damit weiter befördern und eben nicht nur auf die Leuchttürme setzen. Denn das würde die kulturelle Landschaft hier in Thüringen deutlich verkennen.

Die besteht aus mehr als den drei Leuchttürmen Weimar, Gotha, Altenburg. Sie sprachen von massiven Vorfestlegungen. Die kommen doch, denke ich, sehr stark aus Berlin. Beim Streit um die gemeinsame Stiftung mit Sachsen-Anhalt hatte sich insbesondere die Thüringer CDU immer beschwert, gar nicht mehr mitbestimmen zu können, wenn es alles in eine Stiftung geht. Jetzt wiederum macht der Bund so straffe Vorgaben. Wieviel Thüringer Residenz-Kultur hat Ihnen Berlin jetzt mit diesen also Millionen abgekauft?

Ich würde das jetzt nicht so betrachten. Ich denke, wir müssen das Glas als halb volles betrachten und nicht als halb leeres. Wir haben zum einen die hohe Summe von Investitionsmitteln und wir haben zumindest die Projektmittel für Thüringen auch retten können. Da dürfen wir erstmal froh darüber sein. Aber wir müssen nun innerhalb Thüringens dafür Sorge tragen, dass die übrigen Residenzen nicht abgehängt werden, die musealen Einrichtungen, Schlösser und Parkanlagen. Das halte ich für ganz, ganz wichtig.

Es ist ja ohnehin kompliziert, weil Sie mit der Stiftung ja nur einen Teil der Liegenschaften verwalten, wichtige Häuser wie Altenburg gehören nicht dazu, die Museen in den Schlössern ja meistens auch nicht. Kulturminister Benjamin Hoff will an diese Parallelstrukturen ran und mehr Teile in die Stiftung packen. Wie weit ist er damit eigentlich?

Dieser Ansatz, die Stiftung weiterzuentwickeln und ihr die Möglichkeit zu geben, museale Einrichtungen und die damit verbundenen Betriebe zu integrieren, wie auch einen Schwerpunkt auf die kulturelle Vermittlung zu setzen, ist wirklich sinnvoll. Aber das ist natürlich ein langer und nicht ganz konfliktfreier Weg. Denn wir wissen ja, dass auch die Museen untereinander sehr unterschiedliche Interessenlagen haben. Da wird mit den Trägern zu verhandeln sein, inwieweit sozusagen ein finanzieller Vorteil für die Trägereinrichtungen besteht, wenn sie ihre Museen in die Stiftung geben. Vor allen Dingen wird im Hinblick auf die Frage zu entscheiden sein, welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung ein Museum innerhalb der Stiftung hat. Da ist noch sehr, sehr viel Kommunikation zu leisten. Da ist aber natürlich vor allen Dingen auch noch eine Untersetzung notwendig an Strukturen, aber natürlich auch finanziell.

Was ist eigentlich mit den Schlössern, für die sich keiner finanziell so richtig zuständig fühlt, also Schloss Reinhardsbrunn, Schloss Friedrichswerth, Schloss Hummelshain?

Das wird letzten Endes eine Entscheidung des Freistaates sein, ob er diese Liegenschaften in die Stiftung integriert und damit die Voraussetzungen schafft, das sie mit einer Förderung bedacht werden können. Das müssen wir jetzt erst einmal abwarten, inwieweit es dazu kommt. Aber zu hoffen wäre es natürlich, weil es wichtige Liegenschaften sind und weil eben auch dort einen Bedarf ist.

Das Gespräch führte Carsten Tesch.

Die Debatte um die Thüringer Schlösserstiftung

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Dezember 2020 | 07:10 Uhr

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