Übersicht Welche Naturkundemuseen es in Thüringen zu entdecken gibt

Giftige Tiere oder 300 Millionen Jahre Erdgeschichte - all das und noch vieles mehr lässt sich in den Naturkundemuseen erkunden. Welche es in den Städten Thüringens zu entdecken gibt, haben wir für Sie hier zusammengetragen.

ein Saurierskelett
Ein Saurierskelett im Naturhistorischen Museum Schleusingen. Bildrechte: Naturhistorisches Museum Schleusingen

Altenburg: Naturkundemuseum Mauritianum

Das Mauritianum ist eine kleine Einrichtung mit einem besonderen Konzept. Da es sich seit 2007 in Trägerschaft der Naturforschenden Gesellschaft Altenburg befindet, kann es frei über sein Wirken entscheiden.

So hat sich das Museum in den vergangenen Jahren vom Bewahrer zum Aktivisten entwickelt: Das Artensterben etwa wird nicht mehr nur mittels Ausstellungen begleitet, vielmehr suchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst nach Lösungsansätzen, um gegenzusteuern: Sie renaturieren Gewässer, sichern Flächen und haben gar einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb gegründet, um damit europäisch relevanten Arten eine Zukunft zu geben. Dieses Wirken wiederum wird im Museum dokumentiert, wie zuletzt in der Sonderausstellung "Auerochse, Wildpferd & Co. – Mitteleuropas ausgestorbene 'BIG FIVE'".

Das Museum hat außerdem ein großes Angebot für Kinder: Ein Kinderkolleg ist angegliedert, an dem Schülerinnen und Schüler über mehrere Jahre Kurse am Museum besuchen und mehr über drängende Themen der Zeit lernen können, etwa über Biodiversität, Artenvielfalt und Klimawandel. Denn das erklärte Ziel des Hauses ist es, die Forscherinnen und Forscher von morgen zu begeistern.

Weitere Informationen Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg
Parkstraße 10, 04600 Altenburg

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 13 bis 17 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage: 10 bis 17 Uhr

Erfurt: Naturkundemuseum

Das Ausstellungshighlight dieses Museums liegt im Keller. Dort ist ein riesiges Schiff aufgebaut worden, das Besucherinnen und Besucher betreten dürfen. Auf dieser Arche Noah, die authentisch hin- und herschwankt, reiht sich eine beeindruckende Auswahl an Tieren aus der ganzen Welt aneinander: Die Giraffe blickt den Eisbären an, ein Braunbär klettert eine Querstrebe hoch, während ein Esel im Hintergrund genüsslich aus einem Eimer frisst. Keines der Tiere steht hinter Glas oder einer anderen Art von Absperrung – ein tolles Erlebnis gerade für Kinder.

Gleichzeitig regen die Ausstellungsstücke aber auch zum Nachdenken an: In einer kleinen Kammer werden Mitbringsel von Urlauberinnen und Urlaubern ausgestellt, die zum Artensterben beitragen, zum Beispiel Schlangenlederschuhe oder Schildkrötenpanzer. Auch die Vitrinen in den Obergeschossen laden dazu ein, innezuhalten. Falter und Schmetterlinge sind an einer Wand so durchdacht nebeneinander positioniert, dass man den Eindruck bekommt, vor einem riesigen Schwarm zu stehen. Hier kann man viel über die Naturvielfalt Thüringens lernen, heimische Arten sehen, außerdem lockt ein Quiz, bei dem man Vogelstimmen den entsprechenden Tieren zuordnen muss. An verschiedenen Stellen wird reflektiert, wie vielfältig der Mensch in die Natur eingreift. Für Familien definitiv einen Besuch wert.

Naturkundemuseum Erfurt
Seit 1995 ist das Naturkundemuseum am jetzigen Standort. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Weitere Informationen Naturkundemuseum Erfurt
Große Arche 14
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

Gera: Museum für Naturkunde

Das Naturkundemuseum in Gera richtet sich mit seinen Angeboten bewusst nicht nur ans Bildungsbürgertum, sondern an die breite Bevölkerung: Vor allem in den Sonderausstellungen zieht es mit einfach zugänglichen Überschriften Besucher an, wie etwa mit der vergangenen Schau "Ich leb nicht gern allein – tierisch sozial" oder der Ausstellung "Tödliche Schönheiten" zu Giften in der Natur. Die zwei Dauerausstellungen widmen sich zum einen Mineralen aus aller Welt, zum anderen zeigen sie die Landschaftsräume Ostthüringens so, wie sie ohne Eingriffe des Menschen aussehen würden. Die Plothener Teichlandschaft mit ihren Tieren und Pflanzen wird hier genauso im Modell dargestellt wie die Saale-Sandsteinplatte oder die Saale-Orla-Senke mit ihren Zechsteinriffen.

Die Sammlung des Museums hat weniger einen wissenschaftlichen, sondern vielmehr einen kulturhistorischen Wert, da sich hier die Hinterlassenschaften bedeutender Sammler aus der Region wiederfinden. Der letzte Auerhahn Thüringens ist ebenso zu finden wie die letzte Großtrappe.

Die letzte komplette Überarbeitung der Ausstellung fand noch zu DDR-Zeiten statt, nun wird das Haus nach und nach an heutige Museumsansprüche angepasst. Weil die finanzielle Situation der Stadt Gera aber schon lange schlecht ist, kann das Museum keine großen Sprünge machen. Für Fördergelder vom Land fehlen die Eigenanteile der Kommune. So versucht das Haus, auf kostengünstigen Wegen attraktiv zu bleiben, etwa mit Taschenlampenführungen durch die dunklen Ausstellungen oder mit der Öffnung seiner Depots zur Museumsnacht. Auch der botanische Garten der Stadt Gera gehört zum Naturkundemuseum.

Naturkundemuseum Gera
Das Naturkundemuseum zählt jährlich mehr Besucher als alle anderen Geraer Museen zusammen. Bildrechte: dpa

Weitere Informationen Museum für Naturkunde Gera
Nicolaiberg 3, 07545 Gera

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 11 bis 17 Uhr

Gotha: Museum der Natur auf Schloss Friedenstein

Die naturkundlichen Sammlungen der Stiftung Schloss Friedenstein genießen einen exzellenten Ruf: Sie reichen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Über 300 Jahre alte Stücke aus den Anfängen des Herzoglichen Kunst- und Naturalienkabinetts gehören heute zu den wertvollsten Sammlungsobjekten. Leider sind aber viele dieser Highlights, wie etwa ein Riesenalk (eine Vogelart, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurde), heute im Depot versteckt. Denn Schloss Friedenstein wird derzeit grundhaft saniert. So ist nur ein sehr kleiner Teil der Sammlungen im Rahmen der Dauerausstellung "Tiere im Turm" zu sehen.

Dabei locken hauptsächlich Attraktionen für Familien: Etwa ein dunkler Raum, der den Tieren der Nacht gewidmet ist. Verschiedene Tierstimmen sind hier zu vernehmen, passend zu den ausgestellten Arten. Zudem laden verschiedene Mitmachstationen dazu ein, selbst aktiv zu werden. Wie viele Jahre die Sanierung dauern wird, ist derzeit noch unklar. Fest steht bereits, dass das Museum der Natur auf Schloss Friedenstein künftig mehr Platz bekommen soll als an seinem früheren Standort im Herzoglichen Museum. Der traditionsreiche Schwerpunkt auf dem Friedenstein soll künftig also wieder eine wichtige Rolle spielen.

Museum der Natur Gotha
Der ausgestopfte Tiger ist auch während der Sanierungsarbeiten zu sehen. Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Weitere Informationen Schloss Friedenstein
Schlossplatz 1
99867 Gotha

Öffnungszeiten Schloss Friedenstein und Herzogliches Museum:
Dienstag bis Sonntag
April bis Oktober: 10 bis 17 Uhr
November bis März: 10 bis 16 Uhr
Montags geschlossen, jedoch an Feiertagen geöffnet

Jena: Phyletisches Museum

Das Phyletische Museum trägt den Fokus des Hauses im Namen: Hier dreht sich alles um die Stammesgeschichte (Phylogenese), ein Begriff, der vom Gründer Ernst Haeckel geprägt wurde. Haeckel schenkte das Gebäude 1908 der Universität Jena, heute ist es Teil des Institutes für Zoologie und Evolutionsforschung.

Ein Höhepunkt des Hauses ist der Medusensaal, an dessen Decke sich großformatige, farbige Medusendarstellungen befinden. Hier werden häufig wechselnde Sonderausstellungen präsentiert. In der Dauerausstellung können Besucherinnen und Besucher das gesamte Tierreich entdecken, vom Badeschwamm über die Ohrenqualle bis hin zum Tiger. Themensäle informieren außerdem über die Evolution und die Menschwerdung. Auch die Evolution des HI-Virus wird erklärt.

Insgesamt ist dieses recht kleine Museum etwas in die Jahre gekommen, interaktive oder multimediale Präsentationsformen finden sich hier nicht. Dennoch – wer mehr über die Evolution der Tiere lernen möchte, ist hier genau richtig.

Außenansicht des Gebäudes des Phyletischen Museums in Jena.
Seit 1908 befindet sich hier das Phyletische Museum in Jena. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Weitere Informationen Phyletisches Museum Jena
Vor dem Neutor 1
07743 Jena

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen: 10 bis 16 Uhr

Geschlossen am 24., 25., 31. Dezember und am 1. Januar sowie an Feiertagen, die auf einen Montag fallen.

Schleusingen: Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg

Seit DDR-Zeiten versammelt das Naturhistorische Museum Schleusingen alle naturkundlichen Sammlungen Südthüringens: Insgesamt besitzt es rund 100.000 Objekte. In den Bereichen Geologie, Mineralogie und Paläontologie sieht sich das Haus als einzigartig in Thüringen an.

In der Dauerausstellung wird vor die eigene Haustür geschaut: Im Fokus liegen 300 Millionen Jahre Thüringen, auf rund 800 Quadratmetern werden hiesige Landschaften von ihren erdgeschichtlichen Wurzeln bis in unsere Tage hinein präsentiert. Faszinierend ist die Minerale-Ausstellung, in der es glitzert und funkelt. Hier wird eine wertvolle Edelsteinsammlung präsentiert, zudem kann man einiges über die Entstehung der Objekte lernen.

Auch wenn es ein paar Touch-Screens gibt: Das Museum präsentiert seine Objekte weitgehend traditionell. Die Räume indes wirken für sich, ist das Museum doch im frühneuzeitlichen Schloss Bertholdsburg untergebracht.

ein Saurierskelett
Beeindruckende Fossilien im Dinosauriersaal Bildrechte: Naturhistorisches Museum Schleusingen

Weitere Informationen Naturhistorisches Museum
Schloss Bertholdsburg Schleusingen
Burgstraße 6
98553 Schleusingen

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag: 10 bis 18 Uhr

Geschlossen am 24. Dezember, am 25., 26., 31. Dezember sowie am 1. Januar geöffnet von 13 bis 18 Uhr

Weitere Museums-Empfehlungen

Mehr Kultur-Empfehlungen für Thüringen

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Kultur

Grit Lemke  vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims mit Audio
Grit Lemke, aufgewachsen in Hoyerswerda, vor dem letzten noch vorhandenen Block des damaligen Vertragsarbeiterwohnheims. Sie wohnte in der gleichen Straße, wurde vom Angriff im benachbarten Jugendklub "Der Laden" völlig überrascht. Über ihre Kindheit und den September 1991 hat sie nun ein Buch geschrieben, das im September erscheint: "Kinder von Hoy". Bildrechte: ohne Angabe

Abonnieren