Interview Öffnungs-Modellversuch in Weimar: Klassik Stiftung zieht positive Bilanz

Bei dem Weimarer Corona-Modellprojekt sind seit dem 29. März neben Geschäften auch die Museen für drei Tage offen gewesen. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung, berichtet im Interview von emotionalen Szenen – und erklärt, warum sie es dennoch bei der Ausnahme belässt.

MDR KULTUR: Ich kann mich erinnern, wie lang die Schlange war, als das Bauhaus-Museum 2019 eröffnet wurde. Wie war es in den letzten drei Tagen, als Sie, auf eine Art exklusiv, nach dem Lockdown-Winter geöffnet hatten?

Ulrike Lorenz: Wir haben uns an diesem Testversuch in Weimar gerne beteiligt, weil eine so große Kultureinrichtung wie die Klassik-Stiftung ohne unser Publikum, das so wichtig und wertvoll ist für unseren Austausch, für das Gespräch – das ist für uns eine ganz schwere Zeit. Und wir haben eine Menge Erfahrung gesammelt, in den drei Tagen – allerdings keine Schlangen. Das hat es relativ entspannt gemacht.

Sehr, sehr freundliche Gäste, insbesondere natürlich aus der Region, aus Thüringen, aber auch ein paar Kulturhungrige aus Berlin, Köln und München, die extra angereist waren. Es waren jeweils an den drei Tagen unter hundert Gäste, aber extreme Freude auf allen Seiten und auch Familien mit Kindern, die sich mal was Gutes gönnen wollten nach dem anstrengenden Homeschooling.

Wir haben wirklich ganz tolle Erlebnisse mit unseren Gästen in den drei Tagen gehabt.

Ulrike Lorenz ist Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar

Was war leicht, wo hatten Sie Schwierigkeiten?

Das Bauhaus Museum Weimar
Das Bauhaus-Museum Weimar war drei Tage lang für Besucher geöffnet. Bildrechte: dpa

Leicht war die große Disziplin, die unsere Gäste mitgebracht haben. Jeder hatte diesen tagesaktuellen Negativ-Test dabei. Ungefähr 50 Prozent der Besucher waren auch mit der Luca-App ausgestattet. Die anderen haben die Formulare ausgefüllt. Also da gab es überhaupt keinen Stress.

Insofern kann ich eigentlich gar nicht von Problemen sprechen. Gleichwohl haben wir uns angesichts der globalen Lage, die wir mit dieser anlaufenden dritten Welle in der Corona-Pandemie haben, entschlossen, uns nicht weiter an diesem Testversuch zu beteiligen.

"Dann macht doch mehr Tübingen und Rostock", hat die Kanzlerin kürzlich gesagt – heißt: Übernehmt auch mehr Verantwortung in den Kommunen, seid kreativ, testet und öffnet exklusiv. Sie klingen so, als wären Sie wirklich begeistert dabei. Was ist mit gemischten Gefühlen?

Haben wir schon. Es macht uns große Sorge zu sehen, dass es diese dritte Welle in dieser Form gibt. Persönlich hatte ich damit so nicht gerechnet, wie sicher viele Menschen, und wir müssen uns einfach auf eine schwierige und deutlich längere Zeit auch unter den Bedingungen der Pandemie einstellen.

Umso wichtiger scheint mir aber dennoch zu sein, dass man hier und da verschiedene Dinge einfach ausprobiert. Weil, wir müssen als Menschen, die den sozialen Austausch brauchen, auch um unsere gesellschaftlichen Strukturen schlicht zu erhalten – wir brauchen diesen Austausch, und wir müssen eben lernen, unter den Bedingungen, die wir haben, diesen immer wieder herzustellen.

Hatten Sie in den letzten drei Tagen darüber hinaus einen Gedanken, wo Sie gedacht haben: Das merke ich mir, das werde ich nie vergessen?

Ja. Ich war ja selber vor Ort im Bauhaus-Museum, und wir haben die ersten Besucher begrüßt, und das war so schön zu sehen. Es waren drei Frauen verschiedener Generationen mit einem kleinen schulpflichtigen Jungen dabei, und es war so eine Herzlichkeit. Und eine der drei Frauen sagte dann auch: Es ist für uns so wichtig, Kunst im Original, also mit einem wirklichen, körperlichen Austausch im Raum zu erleben. Und das ist etwas, was ich als Kunsthistorikerin ja auch genau so empfinde. Und ich fand das toll, dass das vom Publikum zurückkommt.

Das Gespräch führte MDR KULTUR-Moderator Carsten Tesch.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. April 2021 | 08:10 Uhr

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