Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MDR KULTUR im RadioMDR KULTUR im FernsehenÜber unsKontaktSuche

"WerkBank"Weimars Kreativszene bekommt neues Zuhause

von Mareike Wiemann, MDR KULTUR-Korrespondentin für Thüringen

Stand: 14. März 2022, 09:57 Uhr

Schon im Sommer soll die "WerkBank" im Gebäude der ehemaligen Münzbank in Weimar zum beruflichen Zuhause für bis zu 70 Menschen werden, darunter Startups, Vereine und Initiativen. Das Besondere: Die Immobilie soll den Menschen gehören, die sie auch nutzen. So soll die lokale Szene gestärkt und Weimar als internationaler Kreativstandort weiter entwickelt werden. Ein Besuch in der Denkfabrik.

Die Schubertstraße 10 in Weimar ist eine Adresse, in der man nicht unbedingt ein Kreativzentrum erwarten würde. In dem herrschaftlichen Gebäude in bester Lage war früher eine Bank untergebracht. Doch wenn es nach dem Willen von rund 25 Engagierten geht, werden hier bereits im Sommer Grafikdesignerinnen, Klangkünstler und Illustratoren einziehen. Darunter befindet sich auch Sebastian Kirschner: "Die WerkBank wird im besten Fall dann so eine Art Thinktank für Weimar, wo Ideen zusammenkommen und Schwarmintelligenz entsteht."

Neuer Kreativstandort in Weimar

Es sind große Visionen, die Kirschner hat. Doch man kann ihm durchaus abnehmen, dass das Projekt etwas wird. Denn er hat Erfahrung mit dem Entwickeln von gemeinschaftlichen Wohn- und Arbeitsprojekten. Rund zehn von ihnen hat er in den vergangenen Jahren begleitet. Jetzt brennt Kirschner für die WerkBank – hier entstehe etwas völlig Neues:

"Es gibt natürlich andere kreative Orte in Weimar, Co-Working Spaces zum Beispiel. Aber das sind alles Mietkonzepte von Investoren oder Privatpersonen, und die Menschen sind einfach nur Mieter. Hier in der WerkBank gehört das Haus den Mietenden. Und damit sind sie völlig frei. Wir können diesen Ort komplett selbst gestalten. Und niemand kann uns je wieder hier rausschmeißen oder die Miete erhöhen."

Die WerkBank in Weimar soll das berufliche Zuhause für bis zu 70 Kreative werden. Bildrechte: Kreativetage Weimar

Kreativer Verein mit gemeinschaftlichem Konzept

Das Konzept hinter der WerkBank funktioniert so: Die Kreativen haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. Der Verein widerum ist Hauptgesellschafter einer GmbH, die zur Eigentümerin der alten Münzbank werden soll. Alle, die hier künftig arbeiten, werden Mitglied im Verein und sind am Ende gleichzeitig Eigentümer und Mieter.

Franka Sachse hat dieses nicht gewinnorientierte Konzept überzeugt. Die Animationsfilmerin war mit Kolleginnen monatelang auf der Suche nach einem neuen Arbeitsraum in Weimar, bis sie auf die WerkBank stieß: "Wir haben explizit nach einem Ort gesucht, an dem wir mit den richtigen Leuten zusammenkommen. Und 'richtig' heißt, in unserem Sinne, mit Gleichgesinnten."

Gemeinsames Arbeiten, Ideen finden, Netzwerke pflegen: Franka Sachse und Sebastian Kirschner sind vom Konzept des Weimarer Kreativorts WerkBank überzeugt. Bildrechte: Mareike Wiemann / Mitteldeutscher Rundfunk

Co-Working Space und Tonstudio geplant

Auch der gemeinschaftliche Ansatz, hier zusammen etwas zu stemmen, die Bürotüren offen zu halten, auch miteinander zu arbeiten, war Sachse wichtig: "Wir haben alle irgendwelche Fähigkeiten. Wir können alle alleine vor uns hinbröseln oder wir werfen das alles zusammen und gucken, dass wir das gemeinsam nutzen und daraus mehr Nutzen ziehen."

Im Erdgeschloss der früheren Bank, in der Schalterhalle, wird ein Co-Working-Space entstehen. In der oberen Etage wird es abgetrennte Büros geben. Veranstaltungen sollen hier stattfinden können, genauso wie Treffen von Initiativen. Und im früheren Tresorraum, der passenderweise schallisoliert ist, soll ein Tonstudio eingerichtet werden. Viele Umbauten wird es vor dem Einzug nicht brauchen, das Gebäude ist in einem guten Zustand.

So könnte der Weimarer Thinktank WerkBank aufgeteilt werden: U.a. Co-Working-Spaces und Ausstellungsräume sind geplant. Bildrechte: Kreativetage Weimar

Finanzierung als letzte Hürde

Was aber davor noch über die Bühne gehen muss ist der Kauf, denn noch gehört die Münzbank der Lebenshilfe. Die Zusage zum Kauf sei aber schon gegegeben worden, betont Sebastian Kirschner: "Wir haben ein Nutzungskonzept, das wirtschaftlich funktioniert und mit seiner offenen Nutzung tolle Ideen birgt. Für den Kauf in diesem Frühjahr ist alles vorbereitet."

Eine Hürde gilt es nun noch zu überwinden: Kirschner, Sachse und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter müssen einen Eigenanteil beisteuern. 200.000 Euro, für die sie derzeit um Direktkredite von Privatpersonen werben – voller Energie für dieses ungewöhnliche Projekt.

Mehr InformationenAm 18. März sowie am 1. April gibt es jeweils um 13:30 Uhr Besichtigungstermine für Interessierte.
Adresse: Schubertstraße 10, 99423 Weimar

Mehr Kultur in Weimar

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 14. März 2022 | 07:10 Uhr