100. Geburtstag Auf und ab: Wie weiter mit der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg?

Noch steht der Name des umstrittenen DDR-Malers Willi Sitte am Gebäude, doch wie lange noch? Vor 15 Jahren wurde die Willi-Sitte-Galerie in Merseburg im Beisein von Altbundeskanzler Gerhard Schröder mit einem großen Festakt eröffnet. Derzeit ist sie geschlossen. Im Sommer soll sie noch einmal mit einer Sitte-Schau bespielt werden. Möglicherweise wird es die letzte Ausstellung sein.

Merseburg, Krummes Tor, Galerie Willi Sitte, 2010
Bildrechte: IMAGO / Köhn

Das konnte man schon einen großen Bahnhof nennen, was da vor 15 Jahren – am 85. Geburtstag von Willi Sitte – in Merseburg geschah: die Eröffnung der Galerie, die seinen Namen bis heute trägt. Es war fast so etwas wie ein Staatsakt. "Da war ich dabei, habe Willi Sitte und auch andere honorige Persönlichkeiten wie unseren Altbundeskanzler Gerhard Schröder kennengelernt", erinnert sich Michael Finger. Er ist der Mann, der noch heute Schlüsselgewalt über die Galerie hat.

Als Chef des Fördervereins kämpft er um ihr Weiterbestehen – ganz im Sinne des Namensgebers. "Ich glaube, das war für Willi Sitte eine sehr angenehme Sache und er fühlte sich gut aufgehoben in Merseburg. So etwas passiert einem ja nicht so häufig im Leben, dass man für sich und seine Werke eine Galerie erhält, mit der Aussicht, sie möglichst lange hier zu präsentieren", erzählt Michael Finger.

Die Willi-Sitte-Stiftung – ein sensibles Konstrukt

Doch diese Aussicht hing von einem sensiblen Konstrukt ab: Die Immobilie selbst hat die Stadt Merseburg in Erbpacht von der Domstiftung übernommen. Die Errichtung der Galerie kostete die öffentliche Hand um die 2,6 Mio. Euro. Der Verein, der die Galerie bis heute betreibt, ist eine Vereinigung von Menschen im Ehrenamt. Die Werke, die hier gezeigt werden, befinden sich im Besitz der Willi-Sitte-Stiftung, die nie auf gesunden Füßen stand. Das Problem damals sei gewesen, dass das Geld der Stiftung für das große Konvolut von rund 1250-1300 Werken, die in die Stiftung einflossen, nicht ausreichte: "Eine Stiftung lebt nun einmal von den Zinsen", so Finger.

Blick in die Willi-Sitte-Ausstellung 'Leben mit Lust und Liebe', 2013
Blick in die Willi-Sitte-Ausstellung "Leben mit Lust und Liebe" im Jahr 2013. Bildrechte: IMAGO / Köhn

Gerade mal 90.000 Euro Stiftungskapital warfen auch vor 15 Jahren viel zu wenig ab, um zum Beispiel eine Vollzeitstelle für die Sitte-Tochter als Galerie-Chefin zu finanzieren. Erst sprang Gazprom als Sponsor ab. Vor drei Jahren auch die Sparkasse als größter Einzelunterstützer. Sowohl die Stiftung als auch der Förderverein kamen in finanzielle Bedrängnis. Der Verein konnte sich wieder berappeln. Die Stiftung befindet sich in Auflösung und wird spätestens im Juni dieses Jahres Geschichte sein. Dort wo man im vergangenen Jahr neben den Werken des Malers auch noch sein originales Atelier erleben konnte, herrscht Leere.

Geburtstagsausstellung ab Juli – die letzte große Sitte-Schau?

Ein Teil des frühen Werkes hängt noch in den oberen Räumen. Im Foyer leuchtet eine Metallarbeit, Kunst am Bau in der typischen Handschrift von Willi Sitte. Doch was sich da momentan wie Willis Resterampe präsentiert, soll sich ab Juli diesen Jahres in eine große Geburtstagsausstellung zu Ehren des Malers verwandeln. In Kooperation mit dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle und der Hilfe vieler Künstlerkollegen: "Wir haben zur Zeit ungefähr 75 Künstler, die bereit sind, ein Werk für die Geburtstagsausstellung zur Verfügung zu stellen. Es ist ein breites Spektrum seiner Kollegen, Bekannten – vielleicht nicht immer Freunde", erklärt Finger. Der Galerieleiter wolle sich mit der Ausstellung von Sitte verabschieden. Zudem hoffe er auf die Möglichkeit einer erneuten Zusammenarbeit mit Sittes Familie: "Sie merken, ich bin Optimist bis zum geht nicht mehr. Sonst hätte ich schon alles hingeschmissen", meint Michael Finger, der sich weiter dafür engagieren wird, dass der Name Willi Sitte am Galeriegebäude auf dem Merseburger Domberg zu lesen ist.

Merseburg, Willi Sitte Galerie, 2013
Die Willi-Sitte-Galerie befindet sich in der Domstraße 15 in Merseburg. Bildrechte: IMAGO / Köhn

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Februar 2021 | 13:10 Uhr

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