Ausstellung im Franziskanerkloster Zittau zeigt abstrakte Kunst aus dem Dreiländereck

Als Metropolen abstrakter Kunst gelten Paris, Berlin und New York, aber auch hierzulande fanden Künstlerpersönlichkeiten ihre Wege in die Abstraktion. Eine Ausstellung in Zittau nimmt jetzt das Dreiländereck zwischen Sachsen, Polen und Tschechien in den Blick und präsentiert künstlerische Spuren, die dieses weltweite, bis heute anhaltende Phänomen hinterlassen hat.

Ein gelbfarbenes Kunstwerk in einer Ausstellung
Bildrechte: Städtische Museen Zittau/René Pech

Es ist ein Feuerwerk der Farben, in dem man sich wiederfindet, wenn man die Ausstellung im Zittauer Museum im Franziskanerkloster betritt. Dicht an dicht drängen sich die Gemälde, Zeichnungen, die Plastiken und Skulpturen von Künstlerinnen und Künstlern, die sich von der jahrhundertelangen Bindung an Figuratives weg- und dem Nichtgegenständlichen zuwandten. Sie suchten und fanden in Formen, Farben, Rhythmen und Strukturen, in der künstlerischen Abstraktion ihre Ausdrucksmöglichkeiten.

Ausstellung Carl Lohse
In der Ausstellung zu sehen: ausdrucksstarke, farblich kontrastreiche Portraitbilder von Carl Lohse, außerdem eine Büste von Ludwig Renn des Künstler aus Bischofswerda. Bildrechte: Städtische Museen Zittau/René Pech

Mit mehreren Arbeiten vertreten ist Carl Lohse. Vermutlich würde man ihn, dessen berühmtes Frühwerk in einer Art Schaffensrausch in den Jahren 1919 bis 1921 in Bischofswerda entstand, eher den expressionistischen Künstlern zuordnen. Aber in seinen Portraits, Landschaften und Stadtbilden experimentierte auch er mit abstrakten, sich auflösenden Formen. Bis hin zu rein abstrakten Bildern, wie ein Gemälde von ihm, ein Farbwirbel, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, in der Ausstellung zeigt. Anerkennung dafür blieb ihm allerdings in der DDR verwehrt. 

Abstrakte Kunst unter Formalismusverdacht

Mit Carl Lohse und den Wegen in die Abstraktion während der Weimarer Republik befasst sich eine Sektion der Ausstellung. Vorgestellt wird zudem in einem Prolog die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, als eine wesentlich avantgardistisch geprägte Akademie, wo unter anderem der Brücke-Künstler Otto Müller als Professor ab 1919 die kommende Künstlergeneration, zu der beispielsweise Marg und Oskar Moll gehörten, beeinflusste.

Gerhard Richter
Gerhard Richter ist mit augewählten Arbeiten in der Zittauer Ausstellung vertreten. Bildrechte: imago/epd

Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich Künstlerinnen und Künstlern in der DDR, die in den 50er- und 60er-Jahren mit ihren Werken unter dem Generalverdacht des Formalismus und damit der Beeinflussung durch feindliche, westliche Ideologien standen. Selten Anerkennung, aber Nischen für ihre abstrakten Arbeiten fanden sie dennoch und trotzdem diese Künstlerpersönlichkeiten vom internationalen Kunstgeschehen so gut wie abgeschnitten waren, konnte sich die Abstraktion in immer neuen Spielarten auch diesseits des Eisernen Vorhangs behaupten.

Beispiel hierfür ist der Dresdner Künstler Hans Christoph, der auf seinem Weg in die Abstraktion Techniken für sich entwickelte, wie sie auch Jackson Pollock in seinen Drip-Paintings, seinen getropften Gemälden verwendete, ohne das Christoph den US-amerikanischen Maler überhaupt kannte.

Richter, Baselitz, Strawalde – Prominente Künstler mischen mit

Zwar fokussiert die Ausstellung auf abstrakte Kunst im Dreiländereck, sie ist aber durchaus weiter gefasst und schließt die Region zwischen Wroclaw, Prag und Dresden mit ein. Somit begegnet man auch großen Namen, wie dem Tschechen František Kupka, der 1912 als erster überhaupt zwei abstrakte Bilder ausstellte, sowie Gerhard Richter und Sigmar Polke. Außerdem Georg Baselitz und Strawalde alias Jürgen Böttcher, die in der Oberlausitz Kindheit und Jugend verbracht haben.

David Hanvald GREEN DEAL
David Hanvald aus dem tschechischen Liberec gehört mit seinen abstrakten Arbeiten zu den gefragtesten zeitgenössischen Künstlern seines Landes. Bildrechte: Städtische Museen Zittau

Spannend ist außerdem der Blick über die Grenzen zu den zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern in Polen und Tschechien, die auffallend oft zur jüngeren Malergeneration zählen. Das ist ein markanter Unterschied zu den zumeist betagteren Kolleginnen und Kollegen aus dem Oberlausitzer Kunstverein, die separat in der Galerie "Kunstlade" ausgestellt werden. Sie alle gemeinsam aber zeigen in der Ausstellung "Wege in die Abstraktion im Dreiländereck", dass diese Region durchaus eine künstlerische Relevanz hat.

Informationen zur Ausstellung "Wege in die Abstraktion im Dreiländereck"

Sonderausstellung 2. Juli bis 25. September 2022

Kulturhistorischen Museum Franziskanerkloster
Klosterstraße 3, Zittau

Galerie "Kunstlade"/ Oberlausitzer Kunstverein e. V.
Lindenstraß 15, Zittau

Redaktionelle Bearbeitung: Robert Kühne

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Juli 2022 | 13:10 Uhr

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