Ausstellung Zwickau: Sächsische Künstler antworten auf Kunst von Pipilotti Rist

Die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist beschäftigt sich gern mit Mädchenfiguren aus der Literatur – daher auch ihr Name, der von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf beeinflusst ist. Im Zentrum einer neuen Ausstellung des Kunstvereins "Freunde aktueller Kunst" in Zwickau steht ihre Spiegeltisch-Installation "Emily". Für die Ausstellung haben die sächsischen Künstler Osmar Osten, Louise Walleneit, Harry Hachmeister, Oliver Kossak und Ekkehard Tischendorf eigene Werke geschaffen, die sich mit Rists Installation auseinandersetzen.

Der Song "Emma" von Hot Chocolate gab die Vorlage für Pipilotti Rists Installation "Emily", die nun in Zwickau im Kunstverein "Freunde aktueller Kunst" steht. In "Emma" geht es um eine junge Frau, die sagt, dass sie eine "Filmkönigin" sei und die am realen Leben scheitert. Das Medium Film spielt auch in Rists Arbeit eine Rolle: drei Monitore mit surrealen Szenen aus der Leichtigkeit des Seins flackern auf einem ovalen Spiegeltisch, drum herum sind bunte Stühle arrangiert. "Ist das Kunst oder darf ich platznehmen?", fragt man sich. "Man darf" und "es ist Kunst", bescheinigt Klaus Fischer, Vorsitzender des Vereins "Freunde aktueller Kunst".

Auf den Videos können wir typische Dinge sehen, mit denen Pipilotti Rist über viele Jahre gearbeitet hat. Der Grundtenor ist eine Fröhlichkeit, das zeichnet viele Arbeiten von ihr aus, farbenfrohe Abläufe, die wir auch in diesen zwei verschiedenen Videos sehen können.

Klaus Fischer, Vorsitzender des Vereins "Freunde aktueller Kunst"

Pippi Langstrumpf oder Alice im Wunderland: Reminiszenzen an eigenwillige Mädchenfiguren

In der Arbeit geht es um die Welt vor und hinter den Spiegeln. Die Tischplatte, um die man wie bei einer Séance platznehmen kann, fungiert als Zauberspiegel, ähnlich jenem, durch den Alice das Spiegelland erkundet, nachdem sie das Wunderland bereits kennt. Mit eigenwilligen Mädchen der Literatur hat sich Rist, 1962 in der Schweiz geboren und international gefeiert, immer wieder beschäftigt. So ist ihr Künstlername Pipilotti eine Reminiszenz an Pippi: Pippilotta Langstrumpf von Astrid Lindgren.

Wie kommt Rists Werk nun nach Zwickau? "Es gibt in Berlin die wirklich sehr große, gute Privatsammlung Hoffmann", führt Fischer aus. "Und diese Sammlung geht nach Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Die Sammlung Hoffmann hat sich ein Projekt ausgedacht, dass wir eine Arbeit auswählen dürfen."

Die Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist
Die Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist Bildrechte: dpa

Sächsische Künstler antworten auf die Rist-Installation

Fünf sächsische Künstlerinnen und Künstler haben sich nun mit Rists Spiegel-Installation auseinandergesetzt. Ganz unmittelbar in eine Welt mit Zauberspiegeln und seltsamen Begegnungen versetzt einen etwa die surreale, großräumige Installation von Harry Hachmeister aus Leipzig. Der Vereinsvorsitzende beschreibt: "Wir sehen hier insgesamt fünf bis sechs Spiegel und können uns darin natürlich spiegeln. Vor allem jedoch spiegeln sich die einzelnen Teile der Installation: Ein Eichhörnchen mit Sonnenbrille oder andere Figuren, die man gar nicht ausdeuten kann, oder auch abgeschnittene Finger, eigens in einer Vitrine."

Was ein Zauberspiegel für ein magisches Ungetüm sein muss, erkundet Louise Walleneit aus Leipzig. Ihre Installation nach Art eines überdimensionierten Frisierspiegels mit zwei Seitenflügeln gleicht einem Klapp-Altar. Kommt man der dunklen Spiegelfläche zu nahe, schnauft er. Die beiden Seitenflügel evozieren verschlissene Stofftapeten, die silbrig schimmernd die Gebrauchsspuren ihrer Bewohner offenbaren. Dass es sich um ein magisches Objekt handeln muss, offenbart zudem die pinke Aura, die es nach hinten auf die weiße Ausstellungswand abstrahlt.

In den Arbeiten von Rist wird man beäugt

Osmar Osten indessen, ein bekannter Chemnitzer Künstler, nimmt sich malerisch mit zwei zeichenhaften Ölgemälden u. a. die Farbstimmung von Pipilottis Spiegeltisch vor. Oliver Kossak wiederum, Professor für Druckkunst in Leipzig, hat eine großräumige 3-D-Installation geschaffen, teils mit Grafiken in Acrylglas, aber nicht nur. Klaus Fischer: "Die große Arbeit ist auch noch auf eine andere Weise verbunden mit der Arbeit von Pipilotti Rist: Also man wird ja auch beäugt, es gibt Augen, die gucken einen an. Und das passiert auch in den Arbeiten von Pipilotti Rist: Man ist auf sich selbst geworfen durch das Anschauen, durch den Blick eines anderen, der im Bild verhaftet ist."

Der Fünfte im Bunde ist der in Dresden lebende Ekkehard Tischendorf, der malerisch ebenfalls das Sphärische von Rists Zauberspiegel erkundet. Die Schau in Zwickau müsste eigentlich gut besucht werden, denn vor und hinter den Spiegeln wundern wir uns doch alle gerne.

Informationen "… kommt auf den Tisch. Fünf Künstler*innen antworten auf Pipilotti Rist"

Geöffnet dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung

Dauer: bis 17. September 2021

Kunstverein Freunde Aktueller Kunst e.V.
Leipziger Straße 90
08058 Zwickau

Kunst und Ausstellungen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Juli 2021 | 13:10 Uhr

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