Papst in New York, Fotografie, 1990, aus der Serie: In einem Wind aus Sternenstaub
Gundula Schulze Eldowy: "Papst in New York", aus der Serie: "In einem Wind aus Sternenstaub" (Fotografie, 1990) Bildrechte: Gundula Schulze Eldowy

Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt Fotos aus dem New York der frühen 90er

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR

Papst in New York, Fotografie, 1990, aus der Serie: In einem Wind aus Sternenstaub
Gundula Schulze Eldowy: "Papst in New York", aus der Serie: "In einem Wind aus Sternenstaub" (Fotografie, 1990) Bildrechte: Gundula Schulze Eldowy

Die Kunsthalle Erfurt zeigt Fotos der Ostberliner Fotografin Gundula Schulze Eldowy und dem New Yorker Fotograf Robert Frank. Als sich beide Mitte der 80er Jahre in Ostberlin kennen lernen, werden sie Verbündete, und wohnen ein paar Jahre später zusammen in New York.

Zwei Künstler aus ehemals verfeindeten Welten

Gundula Schulze Eldowy, New York 1992, aus der Serie: 'Spinning on my Heels'
Gundula Schulze Eldowy, aus der Serie: "Spinning on my Heels" (New York 1992) Bildrechte: Gundula Schulze Eldowy

Ihre Wege kreuzen sich erstmals am 8. Juni 1985 in Ostberlin, da ist sie 31, er doppelt so alt. Aus dieser Begegnung erwächst eine tiefe Freundschaft. "Er behandelte sie als Verbündete, ist der Erste, der den Wert ihrer Fotos schätzte", schreibt die Kunsthalle Erfurt auf ihre Homepage. In der Zeit zwischen 1985 und 1989 schreiben sie sich beeindruckende Briefe, die von einer tiefen Zuneigung zeugen. Auszüge aus diesen Briefen flankieren auch die Ausstellung in Erfurt.

Robert Frank weiß als einer der Ersten die Fotos der Künstlerin zu schätzen. Schulze Eldowy fotografiert nicht das, was die Kulturpolitik der DDR sehen will, sondern hält die verfallenden Städte fest, die Alten, die Armen, die so genannten "Asozialen" und schafft damit ein zeitgeschichtliches Zeugnis.

Ich hab dir ja schon geschrieben, wie mir deine Bilder von den Fabrikarbeitern gefallen. Du hast so viel Sympathie fürs Leben und Leiden. Für die Menschen, welche vor dir stehen und die ahnen, dass diese Fotos, dieser Moment übrig bleiben wird.

Robert Frank über Schulze Eldowys Fabrikbilder von 1985

Frank lädt sie nach New York ein, er unterschreibt sogar eine offizielle Verpflichtungserklärung der USA, im Falle einer Krankheit die Kosten zu tragen. Im Mai 1990 verbringt Schulze Eldowy schließlich einige Wochen im Haus von Robert Frank. Insgesamt lebt sie drei Jahre in New York und schafft hier vier fotografische Zyklen. In der neuen Schaffensperiode tritt das gleißende Licht New Yorks an die Stelle der Berliner Hinterhof-Dunkelheit.

Fotos erzählen von "Sternenstaub" und dem "Flügelschlag des Herzens"

Gundula Schulze Eldowy, New York 1992, aus der Serie:  Spinning on my Heels
Gundula Schulze Eldowy - aus der Serie: "Spinning on my Heels" (New York 1992) Bildrechte: Gundula Schulze Eldowy

Die Ausstellung "Halt die Ohren steif. Robert Frank und Gundula Schulze Eldowy in New York" zeigt über 200 Fotos aus Gundula Schulze Eldowys vier New Yorker Zyklen. Auch Bilder Robert Franks sind in der Ausstellung zu sehen, begleitet von Auszügen aus dem Briefwechsel, Tagebuchnotizen und Videos. Die Serie "In einem Wind aus Sternenstaub" knüpft an die legendäre "Strate Photography" New Yorks an, die Bilder der Serie "Spinning on my Heels" beschreiben eine Geisterstadt im Sinn einer großen Zivilisationskritik. Polaroids mit dem Titel "Flügelschlag des Herzens" zeigen Romanzen, Freundschaften und Selbstbetrachtungen. Außerdem zu sehen sind Portraits prominenter Künstler wie Robert Wilson, Allen Ginsberg oder Cindy Sherman.

Bilder in einer Ausstellung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von Erfurt in die Welt

Gundula Schulze Eldowy wurde 1954 in Erfurt geboren. Von 1979 bis 1984 studierte sie an Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Ihre Bilder befinden sich in Sammlungen wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Museum of Fine Arts Houston, dem LACMA in Los Angeles und der Bibliothèque Nationale in Paris. Sie lebt in Berlin, Peru und auf Reisen.

Der schweizerisch-amerikanische Fotograf, Filmregisseur und Kameramann Robert Frank wurde 1924 in Zürich geboren. 1955 erhielt er das Guggenheim-Stipendium. Mit "The Americans" (1958) revolutionierte er die Ästhetik des Fotobuchs. 28.000 Fotos schoss er allein bei seinen Reisen durch Amerika. Später gehörte er zum Kreis von Jack Kerouac und Allen Ginsberg. Außerdem drehte er über 30 Filme.

Angaben zur Ausstellung: "Halt die Ohren steif. Robert Frank und Gundula Schulze Eldowy in New York" in der Kunsthalle Erfurt
15. April bis 24. Juni 2018
Öffnungszeiten:
Di - So: 11-18 Uhr
Do: 11-22 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kunstkalender | 30. April 2018 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2018, 03:00 Uhr

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