Logistik-Zentrum von KNV in Erfurt
Die KNV-Insolvenz trifft auch das Logistikzentrum in Erfurt Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Buchmarkt Wie sich die KNV-Insolvenz auf mitteldeutsche Verlage auswirkt

Die Insolvenz des Großbuchhändlers KNV hat weitreichende Folgen für Verlage aus Mitteldeutschland: Wie Recherchen von MDR KULTUR ergaben, warten zahlreiche Verlage noch auf Geld von KNV. Das befeuert zudem die Angst, dass sich der Buchmarkt noch weiter auf die großen Ketten konzentriert.

von Tino Dallmann, MDR KULTUR-Autor

Logistik-Zentrum von KNV in Erfurt
Die KNV-Insolvenz trifft auch das Logistikzentrum in Erfurt Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Medikamente, Ersatzteile für Autos und Bücher: Das sind die Dinge, die in Deutschland wahrscheinlich am schnellsten geliefert werden, oft auch über Nacht. In der Buchbranche wankt nun ein Großhändler, der diese Lieferkette aufrechterhält: Koch, Neff & Volckmar, kurz KNV. Im Februar hatte die KNV-Gruppe Insolvenz angemeldet. Und das hat Auswirkungen auf Verlage in Mitteldeutschland.

Dem Mitteldeutschen Verlag in Halle geht es wie vielen Verlagen aus der Region: Das Weihnachtsgeschäft lief gut, sagt Verleger Roman Pliske. Durch die Insolvenz von KNV kamen die Umsätze aber nicht beim Verlag an, die Insolvenz habe ihn hart getroffen: "Da sind mehrere Schecks geplatzt."

Besonders kleine Verlage profitierten von der KNV

KNV ist einer von zwei großen Zwischenbuchhändlern in Deutschland. Sie sorgen dafür, dass Kunden bestellte Bücher schon am folgenden Tag in der Buchhandlung abholen können. Davon haben kleine und mittelgroße Verlage besonders profitiert, sagt Annika Bach von der Verlagsgruppe Seemann Henschel aus Leipzig.

"Die Leser haben im Internet oder in der Zeitung davon gelesen und gehen dann in den Buchladen", so Bach, "sie sagen: Das möchte ich lesen." Dieser Vorgang sei vor allem für kleine Verlage wichtig. Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter bewertet Bach positiv. Sie habe den Eindruck, dass er sich der "Größe der Aufgabe bewusst" sei.

Angespannte Stimmung bei den Verlagen

Nachdem die Nachricht von der KNV-Insolvenz Mitte Februar die Runde machte, mussten sich viele Verlage ins Insolvenzrecht einarbeiten. So erging es auch Sebastian Wolter vom Dresdner Verlag Voland & Quist. Niemand habe bisher ein Insolvenzverfahren aus der Nähe erlebt, erzählt er. Vor allem die Frage, wie viel Geld man zurückbekomme, beschäftige die Verleger. "Da gab es unterschiedliche Aussagen", so Wolter. Er habe von einem Insolvenzfachmann gelesen, dass man normalerweise drei bis fünf Prozent bekomme. "Und das erst nach Jahren – das wäre fatal." Im schlimmsten Fall, mutmaßt Wolter, müssten Investitionen und Buchprojekte aufgeschoben werden.

Besonders angespannt ist die Stimmung in Erfurt. Dort betreibt KNV ein Logistikzentrum mit 1.000 Angestellten. Helmut Stadeler vom Thüringer Verlag Bussert & Stadeler sagt, ihm liege dieser Standort besonders am Herzen: "Die Idee, dass das größte Buchzwischenlager hier in Erfurt ist, das ist schön. Und es wäre wichtig, dass das erhalten bleibt."

Hoffnung auf Unabhängigkeit der KNV

Nun ist ein finanzstarker Investor gefragt. Die Verleger aus Mitteldeutschland hoffen, dass am Ende eine Lösung steht, bei der KNV unabhängig bleibt. Mit Riesen wie Hugendubel, Thalia und Amazon sei die Konzentration im Buchhandel jetzt schon hoch, meint Roman Pliske vom Mitteldeutschen Verlag:

Gerade der Online-Händler hat die Rabatte und Konditionen immer weiter verschärft. Wenn das jetzt noch im Offline-Bereich stattfindet, sehe ich schwarz für den Buchmarkt.

Roman Pliske, Mitteldeutschen Verlag:

Der Mitteldeutsche Verlag arbeitet weiter mit KNV zusammen. Dort wie in vielen anderen Verlagen hofft man, dass der strauchelnde Buchhandelsriese schnell wieder auf die Beine kommt.

Weiterlesen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Februar 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 04:00 Uhr

Abonnieren