Initiative von Kulturschaffenden Wie in Weimar ein Autokino für Arthouse-Fans entstand

Autokinos erleben gerade ein echtes Revival – vielerorts ploppen sie auf, um in Corona-Zeiten endlich wieder ein Kultur-Ereignis in der realen Welt zu bieten. Meistens wird dort allerdings leider kein Filmprogramm für Arthouse-Fans geboten. In Weimar aber ist das anders. Dort eröffnete am 14. Mai ein Autokino im Innenhof der Alten Feuerwache – das Areal soll bald saniert werden und ein Wohnprojekt entstehen. Aber bevor es soweit ist, ist eben Platz für Kultur.

Menschen stehen vor dem Autokino "Lichtblick" in  Weimar
Das Organsiationsteam des Autokinos Lichtblick Bildrechte: Franziska Bernstein

Noch ist es ziemlich leer auf dem großen Innenhof der alten Feuerwache, nur ein paar Kinder drehen mit Bobbycars ihre Runden, und ein paar Erwachsene besprechen letzte Details zur anstehenden Autokino-Premiere. Darunter auch Franziska Bernstein vom Wohnprojekt Alte Feuerwache, die es gewohnt ist, den Hof öffentlich zur Verfügung zu stellen. "Wir haben auch letztes Jahr im Sommer viele Veranstaltungen auf dem Hof gehabt. Und das war dann bitter für uns, dass wir das nicht machen können dieses Jahr", sagt sie. "Dann kam uns die Idee Autokino - und so sind wir ans Lichthaus herangetreten, an Achava und ans Kunstfest, um eine kontaktlose Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen."

Kinofilme und Sonderveranstaltungen

Alle, die angefragt wurden, hatten auch Lust mitzumachen. Etwa Dirk Heinje vom Lichthaus-Kino, der normalerweise in einem alten Industriegebäude am Rand der Innenstadt Arthouse-Filme zeigt. "Wir haben jetzt ein Programm auf die Beine gestellt, das umfasst Kino in erster Linie, aber auch Sonderveranstaltungen wie Filmpremieren oder auch Dokumentationen, wie zur Befreiung von Buchenwald. Mit Zeitzeugen, die im Gespräch auf der Leinwand erscheinen." Für die Eröffnungswoche stehen zunächst einige Publikumslieblinge auf dem Programm: Etwa "Parasite", "Joker" oder "Die Känguru-Chroniken".

Der "Weimar-Effekt"

Heinje sagt, es habe nur wenige Tage gedauert, um das Autokino ins Leben zu rufen. Weil sich so viele verschiedene Kulturschaffende eingebracht hätten. Das ist so der Weimar-Effekt, sag ich immer. Man kennt sich, eigentlich kennt man alle Akteure", sagt Heinje. "Und irgendwo findet man auch die Akteure an einem Tisch. Das ist ja das Schöne, dass es so eine gewisse Solidarität auch gibt unter den Kulturinstitutionen."

Die Achava-Festspiele steuern gemeinsam mit dem Kunstfest Buchenwald-Dokumentationen bei, außerdem will das Kunstfest in Kooperation mit Arte Filme mit Bezug zum diesjährigen Festival-Programm zeigen - etwa eine Dokumentation über Anselm Kiefer im Juni.

Pandemie-sicheres Drive-In-Theater?

Kunstfest-Leiter Rolf Hemke beteiligt sich am Autokino, weil er es wichtig findet, dass staatliche Kulturinstitutionen die freie Szene in diesen Zeiten unterstützen. Gleichzeitig hofft er aber auch, von der Kooperation zu profitieren. "Für das Kunstfest bedeutet das aber auch eine wunderbare Option, hier unter Umständen ein Drive-In-Theater, oder auch ein Open-Air-Theater entsprechend den Distanzierungsregeln zu bauen, um dann auch ein Pandemie-sicheres Kernprogramm zu haben", sagt Hamke. "Natürlich werden wir ab 1. September auch in die DNT-Spielstätten gehen. Aber jenseits dessen möchten wir sicherstellen, dass das Kunstfest stattfinden kann. Und zwar unter allen denkbaren Entwicklungen, die dieser furchtbare Virus nehmen kann."

Bald Freilichtkino statt Autokino

So bringt das Kino alle Beteiligten weiter – auch die Mitglieder des Projekts Feuerwache, die noch Geldgeber für die Sanierung des Areals suchen und mit dem Kulturangebot bekannter in der Stadt werden wollen. Alle Beteiligten hoffen nun, dass aus dem Autokino bald ein Freilichtkino wird, in das die Menschen – mit Abstand – auch ohne Fahrzeug kommen können. Denn in den Hof der Alten Feuerwache passen nur 35 Autos. "Es ist alles sehr low. Und es ist von der Anlage, wie viele Autos passen, nichts, wo man jetzt groß Geld verdienen kann", sagt Sven Opel, ebenfalls Betreiber des Lichthaus-Kinos. "Sondern da steht eher der große Gedanke dahinter - was ich eben auch sympathisch finde – man bewegt was, man macht was, es findet was statt. Und das ist auch gut so."

Nun geht's also los, zur Eröffnung wurde "Der Junge muss an die Frische Luft" gezeigt. Ein Lichtblick für die Kulturstadt Weimar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Mai 2020 | 06:15 Uhr