150. Geburtstag Dresden zeigt erste große Barlach-Ausstellung seit Jahrzehnten

Zum 150. Geburtstag des Künstlers Ernst Barlach zeigt das Dresdner Albertinum eine umfassende Werkschau. Rund 230 Werke und Werkgruppen werden präsentiert, so viel, wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. In Dresden hatte Barlach sich als Meisterschüler des Bildhauers Robert Diez wichtige Fertigkeiten angeeignet.

Ausstellungsansicht "Ernst Barlach zum 150. Geburtstag. Eine Retrospektive"
Ernst Heinrich Barlach, geboren am 2. Januar 1870 in Wedel, ist vor allem durch sein holzbildhauerisches Werk bekannt geworden. Bildrechte: SKD

Zum 150. Geburtstag des Expressionisten Ernst Barlach präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eine umfangreiche Schau des Schaffens des Künstlers, der vor allem als Holzbildhauer eine große Popularität genießt.

In Dresden ist damit die erste große Ausstellung zu Barlachs Schaffen seit den 1980er Jahren zu sehen. So viel Material von Barlach sei in den vergangenen 40 Jahren noch nie zusammengetragen worden, betont Kuratorin Astrid Nielsen im Gespräch mit MDR KULTUR.

Ausstellung Ernst Barlach zum 150. Geburtstag

Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm
Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm Bildrechte: Ernst Barlach Haus Hamburg / Andreas Weiss
Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm
Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm Bildrechte: Ernst Barlach Haus Hamburg / Andreas Weiss
Ernst Barlach, Schreibender Prophet (Johannes auf Patmos), 1920, Kupferstich-Kabinett
Ernst Barlach, Schreibender Prophet (Johannes auf Patmos), 1920, Kupferstich-Kabinett Bildrechte: SKD
Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm
Ernst Barlach, Der Rächer, 1922, Lindenholz, 57,2 x 78,9 x 29,1 cm Bildrechte: Ernst Barlach Haus Hamburg / Andreas Weiss
Ernst Barlach, Lesender Klosterschüler (Detail), 1919, Eiche
Ernst Barlach, Lesender Klosterschüler (Detail), 1919, Eiche Bildrechte: SKD
Ernst Barlach, Russisches Taschenbuch I „Aus Rußland 1906“, Taschenbuch mit rotbraunem Ledereinband
Ernst Barlach, Russisches Taschenbuch I „Aus Rußland 1906“, Taschenbuch mit rotbraunem Ledereinband Bildrechte: Ernst Barlach Stiftung Güstrow
Ausstellungsansicht "Ernst Barlach zum 150. Geburtstag. Eine Retrospektive"
Ausstellungsansicht "Ernst Barlach zum 150. Geburtstag. Eine Retrospektive" Bildrechte: SKD, Foto: Oliver Killig
Ausstellungsansicht "Ernst Barlach zum 150. Geburtstag. Eine Retrospektive"
Ernst Barlach, Junge mit Panflöte, 1891/92 Bildrechte: Ernst Barlach Stiftung Güstrow
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Barlach und Dresden

Das Albertinum ist ein besonderer Ausstellungsort, denn Dresden spielte für die künstlerische Laufbahn des Expressionisten Ernst Barlach eine wichtige Rolle, hier an der Kunstakademie Dresden erarbeitete er sich als Meisterschüler des Bildhauers Robert Diez künstlerische Qualitäten.

Zu sehen gibt es in der Dresdner Barlach-Retrospektive rund 230 seiner Werke, darunter 30 Holzskulpturen und andere Plastiken. Auch sein Schaffen als Schriftsteller, Zeichner oder Grafiker wird gezeigt.

Man wird Barlach tatsächlich als multimedialen Künstler erleben können.

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums Dresden

Nach 80 Jahren wieder zurück

Ernst Barlach, Frierendes Mädchen, 1917, Holz (Mooreiche)
Ernst Barlach, Frierendes Mädchen, 1917, Holz (Mooreiche) Bildrechte: Ernst Barlach Haus Hamburg

Ein besonderes Werk ist das "Frierende Mädchen", das nach 80 Jahren nach Dresden zurückkehrt. Geschaffen 1917, wurde die Figur 1920 für die Dresdner Skulpturensammlung angekauft – jedoch 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Das Ernst-Barlach-Haus Hamburg hat die Plastik jetzt für die Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Für die Direktorin des Albertinums, Hilke Wagner, ist es "dringend nötig, Barlach mit einem frischen Blick zu begegnen." Wurde Barlach in der NS-Zeit verfemt, betrachteten beide deutsche Staaten das Schaffen des Künstlers aus recht unterschiedlichen Perspektiven: Im Westen stand das Christliche und Religiöse im Fokus, im Osten wurde er vor allem als Realist und Humanist gesehen, teilweise sogar marxistisch interpretiert, so Wagner.

Ich hoffe, dass es gelingt, Barlach frei von ideologischem Ballast zu begegnen.

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinums Dresden

Die Ausstellung ist bestückt mit Leihgaben des Ernst Barlach Hauses - Stiftung Hermann F. Reemtsma Hamburg, in Kooperation mit der Ernst Barlach Stiftung Güstrow und der Sammlung des Dresdner Kupferstich-Kabinetts.

Zur Ausstellung Ernst Barlach zum 150. Geburtstag. Eine Retrospektive
Albertinum Dresden
8. August 2020 bis 10. Januar 2021

Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Freitag, 17 bis 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. August 2020 | 08:15 Uhr