"Nun sei bedankt!" Bayreuth rüstet sich für die Wagner-Festspiele

Am 25. Juli werden in Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele eröffnet. Auftakt bildet die Neu-Inszenierung des "Lohengrin" in der Regie von Yuval Sharon, für die Neo Rauch das Bühnenbild gestaltet. Neben dem "Lohengrin" werden auch "Die Meistersinger von Nürnberg", "Der fliegende Holländer", "Tristan und Isolde", "Walküre" sowie "Parsifal" aufgeführt. Während letzte Proben stattfinden, steigen die Kartenpreise für die Premiere in illustre Höhen.

von Bettina Volksdorf, MDR KULTUR

Der Mann war ein Genie: Richard Wagner! Als einziger Komponist weltweit baute er sein Festspielhaus, in dem bis heute ausschließlich zehn seiner eigenen Werke aufgeführt werden dürfen. Dabei stellte der gebürtige Leipziger frühzeitig höchste Ansprüche an sich selbst, an seine Mitmenschen, vor allem aber an die Kunst. Wagner, der visionäre Zukunftsmusiker, der die Oper revolutionierte, kühne Liebes-und Gesellschafts-Utopien entwarf, der Kunst als eine Art Ersatz-Religion definierte und sich im selben Atemzug als Rassist und Antisemit angreifbar machte.

Christian Thielemann, Yuval Sharon, Rosa Loy, Neo Rauch (vrnl)
Christian Thielemann, Yuval Sharon, Rosa Loy und Neo Rauch in Bayreuth Bildrechte: Bettina Volksdorf

"Wagner ist mir unheimlich" bekennt denn auch der israelisch-amerikanische Regisseur Yuval Sharon, der in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel den "Lohengrin" neu inszeniert. Sharon scheint sich allerdings weniger für den Gralsritter und Heilsbringer selbst (der Hitler einst zu Tränen gerührt haben soll), als für die Figur der Elsa und die Frage, wie man ein Ideal an der Realität andocken kann, zu interessieren.

"Lohengrin" mit Neo Rauchs Bühnenbild

Und während der jüdische Regisseur in Bezug auf den "Ungeist des Ortes" von Versöhnung spricht, beschwört der
Leipziger Maler Neo Rauch "Wundheilungsprozesse und Traumwelten im Theater" in der von ihm ausgestatteten Produktion.

So wird dieser neue Bayreuther "Lohengrin" wohl vor allem als ein Spiel von Schein und Sein, von alt und neu, vor allem aber als ein Farbenrausch in Blau-Tönen daherkommen! Eine Initialzündung sei für ihn das Porzellan-Blau der Delfter Periode gewesen, verrät Neo Rauch. Dirigent Christian Thielemann wiederum fühlt sich dadurch inspiriert, noch stärker die Zwischentöne einer Partitur auszuloten, die er schon x-mal dirigiert hat.

Von Wagner-Haarschnitt bis Festspielhaus-Tatoo

Und sonst? Die Festspielhaus-Fassade strahlt wieder, nachdem in den letzten Monaten rund 4.500 rot-braune Backsteinziegel erneuert wurden und der liebevoll-bepflanzte Festspielpark lädt ein, zu verweilen. Derweil hier "oben" konzentriert an den Endproben gearbeitet wird - an der Wiederaufnahme der "Meistersinger", des "Fliegenden Holländers", von "Tristan und Isolde", "Parsifal" und der Festspiel-Premiere "Lohengrin", rüstet man sich "unten" für den Besucherstrom, der sich spätestens ab dem 25. Juli vollends in die fränkische Residenzstadt ergießen wird. Rund 95.000 Übernachtungen zählte man 2017 in Bayreuth während der Festspiele.

Richard Wagner
Richard-Wagner-Figur in Bayreuth Bildrechte: Bettina Volksdorf

Und ER ist bei all dem omnipräsent: Richard Wagner scheint als kleine, in der Stadt vielfach-verteilte Statue mit weit geöffneten Armen die Welt willkommen zu heißen, zahlreiche, auf Fusswege gesprayte, rote "W"-Zeichen weisen zudem hinauf zum "Grünen Hügel", es gibt Wagner-Eis, Wagner-T-Shirts, Wagner-Kulis, Wagner-Pralinen, Wagner-Parfum ... man kann sich das Festspielhaus auch eintätowieren bzw. einen Richard-Gedächtnishaarschnitt anfertigen lassen oder aber über das Internet noch völlig überteuerte Karten für die Festspiel-Premiere ergattern - zum "Schnäppchen-Preis" von bis zu 2.000 Euro. Den in Geldangelegenheit beinah ewig klammen Wagner dürften Vermarktungsstrategien wie diese sogar amüsieren!

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Juli 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 09:22 Uhr