Legendärer Bergsteiger Bernd Arnold: Das Elbsandsteingebirge als Mittelpunkt der Welt

Seine Leistungen haben das Elbsandsteingebirge als Klettergebiet berühmt gemacht: Bereits als Jugendlicher kletterte Bernd Arnold durch das bergige Gelände. Immer wieder fand er neue Pfade zu den Gipfeln und wurde dafür bewundert, mit welcher Leichtigkeit er scheinbar Unmögliches schaffte. Als er irgendwann die Grenzen der DDR überwinden konnte, wurde ihm nochmal bewusst, wie schön "sein" Revier ist. Ein Porträt.

Kletterer Bernd Arnold
Bernd Arnold: Barfuß am Fels. Bildrechte: dpa

Bernd Arnold ist ein Weltstar der Kletterszene. Zwar ist sein Revier nicht sonderlich hoch – knapp 600 Meter misst der höchste Berg der Sächsischen Schweiz. Doch Bernd Arnold hat es geschafft, hier neue und extrem anspruchsvolle Wege zu klettern. Diese Wege haben das Gebirge international bekannt und den heute 73-Jährigen berühmt gemacht. Sein Motto "Schweres soll mit Leichtigkeit gelingen" gilt für ihn beim Klettern ebenso wie im Leben.

Eigene Wege durch die Sächsische Schweiz

Schon als Kind beginnt der Junge aus Hohnstein das Gebirge vor seiner Haustür zu erkunden. Das lag nicht unbedingt nahe, denn er stammt aus einer Familie von Buchdruckern, die mit den Felsen wenig zu tun hatte. Schnell wurde klar, dass es sich nicht nur um eine kurze Phase handelte, sondern zur großen Leidenschaft wurde. "Ich bin damit aufgewachsen, dass er regelmäßig und viel trainiert hat. Das war gang und gäbe, das gehörte bei uns zum Familienleben", erinnert sich seine Tochter Heike Knoll.

Kletterer Bernd Arnold
Bernd Arnold Bildrechte: dpa

Mein Ziel ist nicht der Beste zu sein. Mein Ziel ist, den Felsen hochzuklettern, weil es mir gefällt. Das hat auch was mit der Natur zu tun, weil von der Natur eine Linie vorgegeben ist, die muss man klettern, die spricht dich an. Dazu muss man das Können haben und wenn man es noch nicht hat, muss man es sich aneignen. Dann klettert man da hoch.

Bernd Arnold

Klettern ohne Schuhe

Immer wieder suchte er sich neue Touren und Wege durch die Felsen, mehr als tausend Erstbegehungen meisterte Arnold. Als Jugendlicher begann er, eigene Pfade zu suchen. Dabei ging er immer sehr genau vor, trainierte vorher die wichtigsten Muskeln und probierte die nötigen Techniken aus.

Das Elbsandsteingebirge hat eine spezielle Beschaffenheit: Der Sandstein, der die Sächsische Schweiz prägt, ist besonders porös und instabil. Beim Klettern dürfen deswegen keine Haken zum Steigen genutzt werden, sondern lediglich Ringe zum Sichern. So wurde das Elbsandsteingebirge weltweit berühmt als eine Wiege des Freikletterns, erklärt der Journalist und Kenner der Szene, Peter Brunnert. Die Bergsteiger mussten sich auf das verlassen, was die Wand zu bieten hatte und den Weg nehmen, den der Stein vorschrieb.

Ein Gebirgszug des Elbsandsteingebirges im Licht der aufgehenden Sonne.
Blick auf des Elbsandsteingebirge Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von Sachsen in die Welt

Der DDR-Staat interessierte sich wenig für das Bergsteigen, die Szene schenkte dem jungen Klettertalent schon früh Aufmerksamkeit. Doch Bilder und Geschichten über den Mann, der bist heute mehr als 1.000 Erstbegehung gemeistert hat, gingen früh um die Welt. Die Besten der internationale Kletterszene kamen Arnold in den 70er-Jahren besuchen. Immer wieder luden sie ihn in ihre Klettergebiete ein. Jedes Mal bat Arnold um eine Reiseerlaubnis, doch das Regime ließ ihn nicht reisen. "Ich habe mich deswegen nicht unwohl gefühlt. Ich war nicht todtraurig. Das Klettern hat mir so viel gegeben, das hat mich auch ausgefüllt, aber es gibt immer noch ein Aber", erinnert sich der Bergsteiger.

Da war klar, da ist einer, der etwas irrsinnig Schwieriges machen kann. Alle, die mit ihm geklettert sind, haben ihn zu einem der wichtigsten Kletterer des letzten Jahrhunderts erklärt.

Reinhold Messer

Jahrelang blieb Bernd Arnold also in Sachsen. Er konnte vielleicht nicht alle Berge der Welt erklettern, aber dafür kannte er sein Gebirge umso besser. Er fand an den heimischen Felsen seine innere Ordnung und er machte das Klettern zu seiner Lebenskunst. Sich der Gefahr auszusetzen und diese zu bestehen, war seine große Freiheit. Doch in den 80er-Jahren verschob sich dieses Gefühl langsam. Die Routen dieser Zeit trugen Namen wie "Buntschillernde Seifenblase" als Verweis auf den zerplatzten Traum, nach Amerika zu reisen.

Irgendwann schaffte Bernd Arnold es, an einer Expedition zu den Trango-Türmen im pakistanischen Karakorum teilzunehmen. Die Expedition verläuft allerdings nicht erfolgreich: Eis, Schnee und Kälte machen den Bergsteigern im Laufe der Expedition immer mehr zu schaffen und sie brechen ab. Als Arnold dann die Seile einsammeln will, rutscht er in eine Gletscherspalte und zieht sich schwere Verletzungen zu, an denen er bis heute leidet. Dennoch beginnt er bald wieder in seinem Elbsandsteingebirge zu klettern.

Gebirge in Pakistan
Die Trango-Türme im Karakorum. Bildrechte: imago images / Nature Picture Library

Die Grenzen der Sehnsucht

Mit der Wiedervereinigung begann auch eine Wende im Leben von Bernd Arnold. Jahrelang betrieb er, in die Fußstapfen seines Vaters tretend, eine Buchdruckerei. Er war selbstständig tätig, was ihm immer die Freiheit für das Klettern ermöglichte. 1990 schloss er dann seine Werkstatt und eröffnete ein Geschäft für Bergsteiger-Zubehör. Nun war auch die Zeit für Bernd Arnold gekommen, die Welt zu entdecken. "Er war ja in vielen Regionen der Welt Pionier, was das Klettern anging", erinnert sich Journalist Peter Brunnert. Arnold kletterte in Madagaskar, im Jemen, in der Sahara, in Mali, in Venezuela und immer wieder in Patagonien.

Kletterer Bernd Arnold
Bernd Arnold bereitet seine Ausrüstung vor Bildrechte: dpa

Ich hab gemerkt, dass vieles in Büchern und Filmen viel schöner aussieht als in Wirklichkeit und die ganzen Reisen haben dann auch meine Bindung zum heimatlichen Sandstein, zur Landschaft verstärkt.

Bernd Arnold

Die neue Reisefreiheit hat das "Aber" der 80er-Jahre verschwinden lassen. Heute ist der 73-Jährige froh, diesem Zweifel nicht gefolgt zu sein. Er hat den kleinen Felsen vertraut und nicht dem Ruf der weiten Welt. Noch heute ist Bernd Arnold im Elbsandsteingebirge unterwegs und nimmt seine Familie mit, die inzwischen ziemlich groß geworden ist: "Das Heimatgefühl den Kindern weiterzugeben, das ist auch wieder eine schöne Aufgabe. Da denkt man selbst wieder über das Thema nach."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 06. August 2020 | 23:10 Uhr