Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Moderatorin Anke Engelke stehen während der feierlichen Eröffnung der Berlinale auf der Bühne
Anke Engelke moderierte auch in diesem Jahr die Eröffnungsgala und sang ein Lied zu Ehren des scheidenden Berlinale-Chefs Dieter Kosslick. Bildrechte: dpa

Filmfestival Berlinale 2019 mit Glamour, Humor und Wehmut eröffnet

In Berlin sind wieder die roten Teppiche ausgerollt: Vom 7. bis 17. Februar 2019 finden in der Hauptstadt die 69. Internationalen Filmfestspiele statt, die Berlinale. Die diesjährige Berlinale ist die letzte, die unter der Leitung von Dieter Kosslick steht. Insgesamt 400 Filme werden bei der Berlinale gezeigt, 17 davon treten im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären an. Darunter finden sich auch drei deutsche Produktionen, wie die Romanverfilmung "Der Goldene Handschuh" von Fatih Akin.

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und Moderatorin Anke Engelke stehen während der feierlichen Eröffnung der Berlinale auf der Bühne
Anke Engelke moderierte auch in diesem Jahr die Eröffnungsgala und sang ein Lied zu Ehren des scheidenden Berlinale-Chefs Dieter Kosslick. Bildrechte: dpa

In Berlin ist am Donnerstagabend die 69. Berlinale eröffnet worden. Bis zum 17. Februar dreht sich in der Bundeshauptstadt wieder alles rund um das Thema Film, diesmal unter dem Motto "Das Private ist politisch". Insgesamt 400 Filme werden gezeigt, 23 von ihnen laufen im Wettbewerb. Um den Goldenen und die Silbernen Bären gehen 17 Filme ins Rennen, darunter auch drei Produktionen aus Deutschland.

Eröffnet wurde das Filmfestival mit dem Drama "The Kindness of Strangers" der dänischen Regisseurin Lone Scherfig. Scherfig ist keine Unbekannte bei der Berlinale. Bereits drei Mal war sie im Wettbewerb vertreten, mit ihren Filmen "Wilbur Wants To Kill Himself", "An Education" und "Italienisch für Anfänger" – für den sie 2001 den Silbernen Bären (Preis der Jury) erhielt.

"Es geht eine Ära zu Ende in Berlin"

Die glanzvolle Eröffnungsgala wurde auch zu einem freundlich-wehmütigen Abschied von Dieter Kosslick, der das Filmfestival in diesem Jahr zum letzten Mal leitet. Moderatorin Anke Engelke und Sänger Max Raabe begrüßten ihn bei der Eröffnung mit einem Lied und intonierten "Mann mit rotem Schal, wir sind nur wegen dir hier". Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters war bei der Eröffnung der Berlinale dabei und dankte Kosslick mit den augenzwinkernden Worten: "Glamour verbreitest du gut gelaunt in schwäbischem Englisch."

Das goldene Berlinale-Logo.
Zehn Tage steht ganz Berlin wieder im Zeichen der Berlinale. Bildrechte: imago/STPP

Auch zahlreiche Prominente kamen zur Eröffnungsgala, darunter u.a. Fatih Akin, Iris Berben, Andie MacDowell, Wim Wenders, Heike Makatsch, Marius Müller-Westernhagen und Bundesaußenminister Heiko Maas, der mit seiner Lebensgefährtin kam, der Schauspielerin Natalia Wörner.

Auch die Premierengäste lobten Kosslick. So bemerkte der Musiker Marius Müller-Westernhagen: "Es geht so eine Ära zu Ende in Berlin." Auch die Schauspielerin Iris Berben würdigte den Festivalchef, er habe es geschafft, die Berlinale "aus dem Tiefschlaf" zu wecken und auch dem deutschen Film wieder eine Plattform gegeben. Auch Kosslick selbst meldete sich zu Wort:

Wehmut kommt in zehn Tagen. Wenn wir dasselbe nochmal machen zum Schluss.

Dieter Kosslick über seine Abschieds-Emotionen

Die Filme im Wettbewerb

Bild aus dem Film 'Der Goldene Handschuh' von Fatih Akin
Premiere auf der Berlinale: Fatih Akins "Der Goldene Handschuh" über den Frauenmörder Fritz Honka. Bildrechte: Warner Bros. Entertainment/Gordon Timpen

Von den 17 Wettbewerbsfilmen stammen sieben Werke von Regisseurinnen und zehn von männlichen Filmemachern. Darunter Beiträge von bekannten Regisseuren wie François Ozon ("Grâce à Dieu"), Agnieszka Holland ("Mr. Jones") und dem chinesischen Filmemacher Zhang Yimou ("Yi miao zhong").

Auch deutsche Regisseure sind mit drei Beiträgen im Wettbewerb vertreten. So geht Nora Fingscheidt mit ihrem Film "Systemsprenger" ins Rennen und Angela Schanelec mit "Ich war zuhause, aber". Fatih Akin – Goldener-Bär-Preisträger 2004 für "Gegen die Wand" – präsentiert auf der Berlinale seinen neuen Film "Der Goldene Handschuh", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Heinz Strunk, der die Taten des Frauenmörders Fritz Honka zum Thema hat. 13 Filme, die auf der Berlinale laufen, sind mit Unterstützung der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) entstanden.

Kurzfilm-Weltpremiere aus Mitteldeutschland

Das Experimental-Filmemacher-Duo Florian Fischer und Johannes Krell (Deutscher Kurzfilmpreis in Gold für "Kaltes Tal") feiert mit seinem neuesten Werk "Umbra" Weltpremiere in der Sektion "Berlinale Shorts".

Der Wettbewerb der Berlinale Shorts ist zukunftsweisend für das Arthouse-Kino von morgen, und so hoffen Fischer und Krell auf einen Bären, möglich wären auch der mit 20.000 Euro dotierte "Audi Short Film Award" oder die Nominierung als "Berlin Short Film Candidate for the European Film Awards 2019". Der Hallenser Johannes Krell und der Leipziger Florian Fischer waren Teilnehmer der PMMC bei Werkleitz (Halle).

Juliette Binoche als Jurypräsidentin

Jury-Präsidentin Juliette Binoche kommt zur feierlichen Eröffnung der Berlinale
Jury-Präsidentin Juliette Binoche bei der feierlichen Eröffnung der Berlinale Bildrechte: dpa

Der internationalen Jury steht in diesem Jahr die französische Schauspielerin Juliette Binoche vor. Neben der Oscar-Preisträgerin gehören auch der amerikanische Filmkritiker Justin Chang, der chilenische Regisseur Sebastián Lelio, der Filmkurator des Museum of Modern Art in New York, Rajendra Roy, und die britische Schauspielerin Trudie Styler der Jury an. Aus Deutschland entscheidet die preisgekrönte Schauspielerin Sandra Hüller mit darüber, an wen am Ende die Goldenen und Silbernen Bären vergeben werden.

Eine Preisträgerin steht in diesem Jahr schon jetzt fest: Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling wird für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet.

Alle Filme im Wettbewerb

Der Boden unter den Füßen von Marie Kreutzer (Österreich)

Di jiu tian chang ("So Long, My Son") von Wang Xiaoshuai (Volksrepublik China)

Elisa y Marcela ("Elisa & Marcela") von Isabel Coixet (Spanien)

Der Goldene Handschuh von Fatih Akin (Deutschland / Frankreich)

Gospod postoi, imeto i' e Petrunija ("God Exists, Her Name is Petrunya") von Teona
Strugar Mitevska (Mazedonien / Belgien / Slowenien / Kroatien / Frankreich)

Grâce à Dieu ("By the Grace of God") von François Ozon (Frankreich)

Ich war zuhause, aber von Angela Schanelec (Deutschland / Serbien)

The Kindness of Strangers von Lone Scherfig (Dänemark / Kanada / Schweden / Frankreich)

Kız Kardeşler ("A Tale of Three Sisters") von Emin Alper (Türkei / Deutschland / Niederlande / Griechenland)

Mr. Jones von Agnieszka Holland (Polen / Großbritannien / Ukraine)

Öndög von Wang Quan'an (Mongolei)

La paranza dei bambini ("Piranhas") von Claudio Giovannesi (Italien)

Répertoire des villes disparues ("Ghost Town Anthology") von Denis Côté (Kanada)

Synonymes ("Synonyms") von Nadav Lapid (Frankreich / Deutschland)

Systemsprenger von Nora Fingscheidt (Deutschland)

Ut og stjæle hester ("Out Stealing Horses") von Hans Petter Moland (Norwegen / Schweden / Dänemark)

Yi miao zhong ("One Second") von Zhang Yimou (Volksrepublik China)


Zusätzlich wird es noch fünf Filme im Wettbewerb geben, die allerdings außer Konkurrenz laufen und daher nicht um einen der begehrten Preise konkurrieren. Dazu gehört unter anderem der Oscar-nominierte Film "Vice" von Adam McKay, der auf der Berlinale gleichzeitig seine Deutschlandpremiere feiert.

Viele weitere Dinge zu entdecken

Neben dem Wettbewerb gibt es noch viele weitere Rubriken, in denen während der Berlinale insgesamt 400 Filme gezeigt werden. In "Berlinale Shorts" geht es um Kurzfilme von Nachwuchsfilmemachern, die "Panorama"-Sektion widmet sich "aktuellen Stimmungen und Entwicklungen im gegenwärtigen Kino", das "Forum" zeigt Filme, die sich mit dem Medium Kino auseinandersetzen.

In der Rubrik "Generation" werden Werke gezeigt, die sich mit dem Leben junger Menschen beschäftigen, "Perspektive Deutsches Kino" widmet sich ganz dem deutschen Filmnachwuchs, im "Berlinale Special & Berlinale Series" wird auf besondere filmische Strömungen oder Personen geblickt sowie auf neue Serien. In der "Retrospektive" gilt es einen Blick in die Filmgeschichte zu werfen – in diesem Jahr stehen deutsche Regisseurinnen aus der Zeit von 1968 bis 1999 im Mittelpunkt der Retrospektive.

Abschied von Dieter Kosslick

Fast 20 Jahre lang hat er das Programm des Festivals geprägt und verabschiedet sich jetzt mit seiner letzten Berlinale: Festivalleiter Dieter Kosslik nimmt nach 19 Jahren seinen Hut. Seit 2001 war er der Chef des Filmfestivals. In den Jahren unter seiner Leitung versuchte er vor allem, dem deutschen Kino wieder zu stärkerer Beachtung zu verhelfen. Außerdem hat sich das Festival unter ihm zu einem wahren Publikumsmagnet entwickelt. Allerdings gab es auch immer wieder Kritik an seiner Zusammenstellung des Programms: Zu wenig Filmkunst – dafür zu großes Augenmerk auf Hollywood-Glamour.

Ab dem kommenden Jahr wird die Berlinale dann von einer Doppelspitze geleitet. Der Italinier Carlo Chatrian – bisher Chef des Filmfests von Locarno – wird dann die künstlerische Leitung der Berlinale übernehmen und die niederländische Film- und Maraketingexpertin Mariette Rissenbeek übernimmt den Part der geschäftsführendin Leiterin.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Februar 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2019, 04:00 Uhr

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