Berlinale-Preisverleihung Goldener Bär für iranischen Film über Todesstrafe

Die Preisträger der 70. Berlinale stehen fest: Der Episodenfilm "Es gibt kein Böses" des iranischen Regisseurs Mohammed Rassulof gewann den Goldenen Bären – in Abwesenheit des Regisseurs. Paula Beer wurde mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin in Christian Petzolds Film "Undine" ausgezeichnet. Der deutsche Beitrag "Berlin Alexanderplatz" ging leer aus.

Baran Rasoulof erhält für ihren Vater, dem Regisseur Mohammad Rasoulof, den Goldenen Bären für den Besten Film von Jeremy Irons, Schauspieler und Jurypräsident der Berlinale.
Die Tochter des Regisseurs Mohammad Rasoulof erhält den Goldenen Bären von Jurypräsident Jeremy Irons Bildrechte: dpa

Mohammad Rasoulof ist für den Film "Sheytan vojud nadarad" (Es gibt kein Böses") mit dem Goldenen Bären der 70. Berlinale geehrt worden. Das gab die Internationale Jury unter der Leitung des Briten Jeremy Irons am Samstagabend bei einer Gala im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz bekannt.

Leerer Stuhl des Regisseurs Mohammed Rasoulof
Regisseur Mohammad Rasoulof dufte nicht kommen Bildrechte: dpa

Der Filmemacher erzählt darin vier Kurzgeschichten, die sich mit der Todesstrafe im Land beschäftigen. Er selbst konnte bei der Preisverleihung nicht anwesend sein, weil er keine Reiseerlaubnis bekam. Stattdessen nahm den Preis seine Tochter Baran an, die sich bedankte: "Ich bin natürlich absolut glücklich und überwältigt. Und gleichzeitig bin ich sehr traurig, denn dieser Preis ist für einen Filmemacher, der heute nicht hier sein kann."

Silberner Bär für Abtreibungsfilm

Der Film "Never Rarely Sometimes Always" von der US-Amerikanerin Eliza Hittman erhielt den Großen Preis der Jury. In ihrem Film erzählt Hittman von einer ungewollten Schwangerschaft. Eine 17-Jährige macht sich mit ihrer Freundin auf nach New York, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen.

Der Südkoreaner Hong Sangsoo gewann den Silbernen Bären für die beste Regie für sein Werk "Die Frau, die rannte" ("Domangchin yeoja"). Der Film handelt von einer Frau, die nach Jahren erstmals wieder etwas ohne ihren Mann unternimmt und frühere Freundinnen trifft.

Beste Darstellerin: Paula Beer

Paula Beer
Paula Beer mit dem Silbernen Bären Bildrechte: dpa

Die deutsche Schauspielerin Paula Beer wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet – mit gerade mal 25 Jahren. Sie erhielt den Preis für ihre Rolle in Christian Petzolds Film "Undine". In dem Liebesfilm mit Franz Rogowski spielt sie eine Historikerin, die Touristen architektonische Stadtmodelle erklärt. Angelehnt ist ihre Figur an einen alten Nixen-Mythos.

"Ich freue mich wahnsinnig", sagte die Schauspielerin in ihrer Dankesrede. "Ich finde, man kann immer nur so gut sein, wie sein Gegenüber. Franz Rogowski ist der wunderbarste Spielmann, den man sich wünschen kann."

Deswegen ist der Preis für Franz und für mich, weil, ein Liebespaar zu spielen, ist das Schönste und das Schwierigste zugleich.

Paula Bär in ihrer Dankesrede

Zwei Preise für italienische Filme

Der italienische Schauspieler Elio Germano wurde als bester Darsteller ausgezeichnet. Er bekam den Silbernen Bären für seine Rolle im Künstlerdrama "Hidden Away" ("Volevo nascondermi"). In dem Film spielt er einen Maler, der lange als Ausgestoßener lebte.

Der Schauspieler Elio Germano erhält den Silberner Bär für den Besten Darsteller.
Elio Germano bei der Preisverleihung Bildrechte: dpa

Germano war auch noch in einem zweiten Wettbewerbsfilm zu sehen – als brutaler Familienvater in "Bad Tales" ("Favolacce"). Für das Drehbuch dieses Filmes gewannen die italienischen Filmemacher Fabio und Damiano D'Innocenzo den Silbernen Bären. Die Geschwister erzählen ein beklemmendes Drama über mehrere Familien in einem Vorort.

Silberner Bär für Jürgen Jürges

Der deutsche Kameramann Jürgen Jürges bekam den Silbernen Bären für eine "herausragende künstlerische Leistung". Geehrt wurde der 79-Jährige für seine Arbeit am umstrittenen Experimentalfilm "DAU. Natasha" der russischen Regisseure Ilja Chrschanowski und Jekaterina Oertel. Jürges hat in der Vergangenheit unter anderem mit Größen wie Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder gedreht.

Die französische Komödie "Delete History" ("Effacer l'historique") wurde mit dem Sonderpreis "Silberner Bär – 70. Berlinale" ausgezeichnet. Die Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern erzählen darin von drei Menschen, die gegen die Allmacht des Internets und den Konsumterror kämpfen.

Ehrenbär für Helen Mirren

Carlo Chatrian, Helen Mirren und Iris Berben
Carlo Chatrian, Helen Mirren und Iris Berben Bildrechte: Getty Images

Den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk bekam in diesem Jahr die britische Schauspielerin Helen Mirren. Ihr wurde die Hommage mit Filmen wie "The Good Liar" und "The Queen" gewidmet, für den sie 2007 den Oscar erhielt. "Mein Oscar wird sich in ihn verlieben", sagte Mirren zum Bären, der ihr bereits am Donnerstag verliehen wurde. Als Britin werde sie immer Europäerin bleiben, betonte sie unter dem Beifall des Publikums. Zur Rolle von Frauen im Film, zu Rassismus und Sexismus sagte Mirren mit Blick auf aus ihrer Sicht zu zögerliche Entwicklungen jeweils: "Das ändert sich, aber noch nicht genug."

Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek sagte über Mirren, sie verstehe es, dekorative Frauenrollen zu komplexen weiblichen Charakteren zu entwickeln. In einer Laudatio bezeichnete die Schauspielerin Iris Berben Mirren als brillante Kollegin. Humor und Charisma seien ihre herausragenden Eigenschaften und Preise zu gewinnen sei eine Art Gewohnheit für sie.

Jury unter Jeremy Irons

Jeremy Irons
Jury-Chef Jeremy Irons Bildrechte: imago images / Future Image

Jury-Präsident der Berlinale 2020 ist der britische Schauspieler Jeremy Irons. Unter seiner Leitung haben die Schauspielerin Bérénice Bejo (Argentinien / Frankreich), die Produzentin Bettina Brokemper (Deutschland), die Regisseurin Annemarie Jacir (Palästina), der Drehbuchautor und Regisseur Kenneth Lonergan (USA), der Schauspieler Luca Marinelli (Italien) und der Regisseur Kleber Mendonça Filho (Brasilien) über die Preise entschieden.

Fast 350 Filme

Die 70. Internationalen Filmfestspiele Berlin fanden vom 20. Februar bis 1. März 2020 statt. Sie standen zum ersten Mal unter der Leitung von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, die als Doppelspitze den bisherigen Festivalchef Dieter Kosslick ablösten. Insgesamt liefen 342 Filme in den verschiedenen Sektionen der Berlinale, 18 davon im Wettbewerb.

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt. Am Rande der Veranstaltung protestierten einige Demonstranten für mehr Klimaschutz.

Alle Preise in der Übersicht GOLDENER BÄR: "Es gibt kein Böses" ("Sheytan vojud nadarad") von
Mohammed Rassulof

SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: "Never Rarely Sometimes
Always" von Eliza Hittman

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: Hong Sangsoo für "Die Frau, die
rannte" ("Domangchin yeoja")

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN: Paula Beer für "Undine" von Christian Petzold

SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Elio Germano
für "Volevo nascondermi" ("Hidden away") von Giorgio Diritti

SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH: Fabio und Damiano D'Innocenzo für "Favolacce" ("Bad Tales")

SILBERNER BÄR FÜR HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Für die beste Kamera an Jürgen Jürges für "DAU. Natasha" von Ilja Chrschanowski und Jekaterina Oertel

SILBERNER BÄR - 70. BERLINALE: "Effacer l'historique" von Benoît
Delépine und Gustave Kervern

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Februar 2020 | 18:05 Uhr

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