Directors Florian Fischer (L) and Johannes Krell (R) pose for a photo at a press conference after winning the Golden Bear for Best Short Film for 'Umbra' during the 69th Berlinale
Florian Fischer und Johannes Krell erhielten den Bären für den besten Kurzfilm bei der Berlinale 2019. Bildrechte: dpa

Berlinale Goldener Bär für Halle – Interview mit Florian Fischer und Johannes Krell

Directors Florian Fischer (L) and Johannes Krell (R) pose for a photo at a press conference after winning the Golden Bear for Best Short Film for 'Umbra' during the 69th Berlinale
Florian Fischer und Johannes Krell erhielten den Bären für den besten Kurzfilm bei der Berlinale 2019. Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Der Goldene Bär in der Kategorie Kurzfilm haben am Wochenende für ihren Film "Umbra" Johannes Krell und Florian Fischer von der Produktionsfirma Rosen Pictures aus Halle abgeräumt. Herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank!

Ich habe im Fernsehen gesehen, wie Sie da auf die Bühne gegangen sind im Berliner Friedrichstadtpalast. Kann es sein, dass Sie da so ein bisschen erhöhten Puls hatten, so eine zeitweilige Sprachlosigkeit?

 (lacht) Oh Gott, ich kann mich gar nicht mehr so daran erinnern, ich habe das irgendwie verdrängt, glaube ich.

Wir waren natürlich sehr überrascht. Weil unser Film durchaus ein bisschen sperrig und unkonventionell ist, haben wir tatsächlich überhaupt nicht damit gerechnet, dass wir da einen Preis bekommen. Um ehrlich zu sein, waren wir überrascht, dass wir auf der Berlinale überhaupt laufen.

Das war eigentlich schon der Preis.

Genau. Und dann oben auf dieser Bühne, wenn man dann den Blick riskiert ins Publikum und in diese vielen Etagen und Reihen und Sitze, dann kann es nochmal verstörend wirken.

Sehr surreal auf jeden Fall, sehr traumhaft.

Das sah man Ihnen auch an, Sie waren überrascht. Ihr Film – Sie sagten es – sei sperrig, ungewöhnlich. "Umbra" heißt er, ist 20 Minuten lang und gedreht im Harz und im US-Bundesstaat Oregon. Ich habe den Trailer gesehen und den Plot jetzt zu erzählen, da hätte ich ein paar Schwierigkeiten ...

Es gibt auch nicht wirklich einen Plot. Es ist eher eine Aneinanderreihung von Atmosphären und Zuständen. Und eigentlich auch Gefühlen, die wir haben und mögen in der Natur, wenn wir in der Natur sind. Und dazu gehören auch optische Phänomene, wie zum Beispiel dieser Pinhole-Effekt, den wir während der Sonnenfinsternis in Oregon aufgenommen haben oder eben auch das Brockengespenst, was wir tatsächlich auch auf dem Brocken gedreht haben.

Was ist das für ein Effekt, der Pinhole-Effekt?

Das ist ein Prinzip, das vergleichbar ist mit dem Auge. Das Licht, wenn es durch ein kleines Loch in einen Raum einfällt, wird ein Bild auf der gegenüberliegenden Seite produziert. Und dieses Phänomen, das wir mit der Camera Obscura und dem Auge verbinden, finden wir auch in der Natur. Es gibt eine natürliche Camera Obscura, und das findet unter Laubbäumen statt. Und besonders bei der Sonnenfinsternis ist das sehr eindrücklich.

Von der Jury hieß es ja Ihr Film sei "schlicht perfekt" gewesen. Wo ist für Sie die Grenze zur Videokunst? Das hier ist fürs Kino, das andere für die Galerie, fürs Museum. Wie ist es bei Ihnen?

Ich glaube, die Grenze verschwimmt, die gibt es nicht wirklich bei uns. Aber es ist natürlich nochmal eine andere Frage in einem Kinoraum, also in einem dunklen geschlossenen Raum, auf einem Sitz, wo man sich mehr oder weniger nicht bewegt und eigentlich fast gefesselt ist wie in Platons Höhle und das hat schon nochmal eine ander Form als in einer Videoinstallation, wo man als Betrachter vielleicht selbst entscheiden kann, wie lange gucke ich mir den Film an, gehe ich vielleicht aus dem Raum, langweile ich mich.

Die typische Kurzfilmfrage: Was macht ihr, wenn ihr mal einen "richtigen" Film macht?

Kurz- oder Langfilm ist vermutlich ein Begriff, der aus der Industrie kommt oder vom Fernsehen oder der Fernsehzeitung oder sowas, also wir glauben nicht daran, dass die Länge eines Films die Qualität oder die Reife eines Films beschreiben kann. Sondern, dass man von der Idee oder der Konzeption ausgehend eine Länge bestimmen muss. Es gibt auch sehr viele Filme, die mehrere Stunden lang gehen und bei uns, bei diesem nonverbalen Film – "Umbra" ist von einer Trilogie der letzte Film, – gibt es keine Erzählstimme, es gibt keine klassische Narration. Da sind eben diese 15-20 Minuten eine gute Zeit, um diese Erfahrung im Kinoraum zu gewähren.

Das Gespräch führte Carsten Tesch für MDR KULTUR.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Februar 2019 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 12:58 Uhr

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