Ulrike Bestgen
Die 1960 geborene Ulrike Bestgen hat nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau unter anderem Kunstgeschichte studiert. Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Bauhaus-Museum Weimar Museumschefin Ulrike Bestgen will "das Bauhaus in die Stadt bringen"

Als Chefin des neuen Bauhaus-Museums in Weimar will Ulrike Bestgen "das Museum in die Stadt bringen". Schon als Studentin hat es sie fasziniert, wie Kunst die Museen verlässt und im öffentlichen Raum wirkt. Mit MDR KULTUR sprach sie über die verbleibenden Baustellen am Museum, über die Kritik an seiner Architektur und darüber, was das Bauhaus uns heute zu sagen hat.

Ulrike Bestgen
Die 1960 geborene Ulrike Bestgen hat nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau unter anderem Kunstgeschichte studiert. Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Anfang April 2019 wurde das Bauhaus-Museum in Weimar eröffnet. Ulrike Bestgen, Direktorin des Museums, will nun "das Museum auch in die Stadt bringen". Dabei soll auch der Austausch mit jungen Menschen im Mittelpunkt stehen. Eine neue Schule, die an das Bauhaus anknüpft, wünscht sich Bestgen aber nicht, wie sie bei MDR KULTUR sagte: "Das Bauhaus ist historisch. Es ist abgeschlossen und das ist auch gut so." Die Haltung des Bauhauses zur Gegenwart spielt für das Museum allerdings eine Rolle, so Bestgen. Immerhin sei das Bauhaus Neuem gegenüber offen gewesen. Mit diesem Neuen verband sich aber auch die Analyse der Probleme der Zeit, zum Beispiel der damaligen Wohnungsnot, so Bestgen. Außerdem sieht sie im Freiheitsbegriff des Bauhauses einen Bezug zur Gegenwart:

Es gibt viele Dinge, die man kritisieren kann. Es gab aber trotzdem die Möglichkeit eines freiheitlichen Lebens.

Ulrike Bestgen, Direktorin Bauhaus-Museum Weimar

Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen

Auch nach der offiziellen Eröffnung wird an der Ausstellung noch gearbeitet, zum Beispiel im Erdgeschoss. Dort fehlen Screens, die das Bauhaus historisch einordnen sollen. "Außerdem fehlen noch Bänke, wo Tastmodelle für sehbehinderte Gäste sind", so Bestgen. Bis zum Sommer sollen die Arbeiten aber abgeschlossen sein.

Bestgen steht hinter der Architektur des Museums

Einen Lieblingsort im neuen Museum hat Ulrike Bestgen bereits. Der Werkstattbereich in der ersten Etage hat es ihr besonders angetan. "Das ist ein toller Raum", so Bestgen: "Man merkt, da wird etwas gemacht. Da werden neue Handwerkstechniken ausprobiert, wie etwa 3D-Cutter."

Die Kritik, die es an der Architektur des neuen Museums gab, kann die Kunsthistorikerin nicht verstehen. Manche Kommentare wie Vergleiche mit einem Luftschutzbunker, empfindet sie als polemisch. Sie überzeugt der Entwurf der Architektin: "Heike Hanada spricht ja auch von der Erhabenheit eines Baus und setzt sich auch mit Monumentalität auseinander", gibt sie zu bedenken. "Von daher ist es leichter den Schluss zu ziehen, das Bauwerk schottet sich ab. Oder das Bauwerk nimmt zu sehr den Brückenschlag zum Gauforum gegenüber. Das sehe ich nicht so."

Erst Bankkauffrau, dann Kunstgeschichte

Ulrike Bestgen wurde 1960 in Wuppertal geboren. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau hat sie in Münster unter anderem Kunstgeschichte studiert. Nachhaltig beeindruckt hat sie die internationale Kunstausstellung "Skulptur.Projekte", die aller zehn Jahre stattfindet: "Das hat mich immer fasziniert, wie die Kunst aus dem Haus rausgeht und was sie daraus macht." Anfang der 1990er-Jahre kam sie nach Thüringen und begann für die Kunstsammlungen zu Weimar zu arbeiten. "Es war eine spannende Zeit, in der sich viel bewegt hat. Es gab ja den Wunsch, sich für das Kulturstadtjahr zu bewerben. Das ging da los", sagt Ulrike Büstgen zurückblickend.

Mehr zum Bauhaus

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. April 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 04:00 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR