Bischof Gerhard Feige
Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg Bildrechte: Susanne Sperling, Bistum Magdeburg

Im Gespräch Bischof Gerhard Feige: Der Glaube im unberechenbaren Leben

Bischof Gerhard Feige
Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg Bildrechte: Susanne Sperling, Bistum Magdeburg

In der katholischen Kirche ist der Karsamstag der stillste Tag im Jahr. Es ist der Blick in den Abgrund, der hoffnungsloseste Tag, denn an diesem Tag ist Christus abgestiegen in das Reich des Todes. Ein existenzieller Moment, den viele durchleben, wenn sie denken: Jetzt geht es nicht mehr weiter. Was bedeutet Ostern für Bischof Gerhard Feige? Ostern ist das Fest aller Feste, das mit dem größten theologischen Gehalt, sagt er.

Ostern strukturiert auch das ganze Kirchenjahr. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Im Russischen wird das besonders deutlich, da heißt Sonntag Woskresenje - das ist dasselbe Wort für Auferstehung.

Gerhard Feige, Bischof

Das, was mit Ostern verbunden wird, ist eigentlich das Geheimnis, aus dem Christen heraus leben: die Hoffnung auf Erlösung, auf Vollendung, dass alles nicht so bleibt, wie es ist. Der Osterglaube sei keiner, der alles schön färbt, so Feige. Er zeige die Möglichkeit auf, an das Unmögliche zu glauben, zu erkennen: Das Leben ist stärker als der Tod. Ohne Hoffnung ist Leben nicht möglich.

Auch ein Bischof darf zweifeln

Aber es gibt auch keinen Glauben ohne Zweifel - und auch ein Bischof zweifelt. Die Religion hat nicht auf alle Fragen eine Antwort, zum Beispiel darüber wie das ewige Leben eigentlich genau aussieht. Doch darüber grübelt Gerhard Feige nicht nach, er lässt sich offen darauf ein.

Der Glaube ist keine Ideologie, kein geschlossenes System, wo man für jede Frage eine Antwort hat. Es ist ein Hoffnungsangebot, das uns gemacht wird, auf das man sich persönlich einlassen kann und das Leben verändern kann.

Gerhard Feige, Bischof

Zu den Fragen, die sich auch ein Bischoff stellt, gehört die Frage nach dem Schmerz und Leid auf der Welt: Was tun sich Menschen gegenseitig an. Doch Gott hat die Freiheit gegeben - die können wir auch missbrauchen. Es gibt die Naturkatastrophen, auch die haben mit unserem Lebensstil zu tun, wir haben über unsere Möglichkeiten gelebt, jetzt kommt das zurück. Aber es bleibt immer etwas übrig, worauf es keine Antwort gibt. Da kann mancher seinen Glauben verlieren.

Wie aus einem Hallenser ein Bischof wurde

Seit 2005 ist Gerhard Feige römisch-katholischer Bischof von Magdeburg und damit Dienstältester katholischer Bischof im Osten Deutschlands. Am Ostersonntag, am 01.04. 2018, kann er auf 40 Jahre Priesterweihe zurückschauen.

Halle hat mich geprägt. Das finde ich wunderschön.

Gerhard Feige, Bischof
Gerhard Feige, römisch-katholischer Bischoff von Magdeburg
Gerhard Feige zu Gast bei MDR KULTUR trifft ... Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Geboren wurde er in Halle. Seine Heimatstadt hat er auch in seinem bischöflichen Wappen verewigt, dort dürfen auch persönliche Dinge Platz haben. Sein Vater war Schuhmachermeister, seine Mutter Hausfrau, als Kind spielte er am liebsten auf den Straßen Halles. In Halle gab es damals viele katholische Familien. Im ganzen Gebiet sei die katholische Kirche seit der Reformation eine Kirche der Zugezogenen und der Flüchtlinge gewesen, fasst Feige zusammen. Sie waren willkommen. Es kamen immer mehr Katholiken in die Region, so dass neue Gemeinden gegründet werden konnten.

Im Halle der 60er Jahre ein junger Katholik zu sein, war ein spannendes Unternehmen, erzählt Feige. Es war lebendig, es gab viele Jugendliche und Seelsorger, die die Jugend geistig forderten, mit ihnen kritisch über Bibeltexte redeten. Das kirchliche Leben vermittelte einen weiten Horizont. Das war SEIN Leben, betont der Geistliche. Natürlich hat es da auch noch das andere Leben gegeben, das Leben im DDR-Regime.

In der DDR konnte ich meinen Weg gehen, im Rahmen des Systems.

Gerhard Feige, Bischof

Gerhard Feige war kein Pionier, er empfing keine Jugendweihe, er war nicht in der FDJ und er hatte den Dienst an der Waffe abgelehnt - trotzdem durfte er sein Abitur machen. Warum, weiß er nicht. Er hatte Glück. Aber natürlich gab es immer Widerstand in der Schule. Es war nicht selbstverständlich, Christ zu sein. Das musste er sich immer wieder erkämpfen und sich deshalb auch immer wieder mit seinem Glauben auseinander setzen.

Ich kann nicht sagen, ich hab eine Erscheinung gehabt. Ich glaube, dass Gott mich über viele Umstände und andere Menschen auf diesen Gedanken gebracht hat. Von daher spreche ich auch von einer Berufung.

Gerhard Feige, Bischof

Ab der 8. Klasse war der Gedanke dann da, Priester zu werden. Da begann die Leidenschaft für seinen Berufswunsch. Schon da formierte sich in ihm der Wunsch, Menschen bei der Sinnsuche im Leben behilflich zu sein.

Biografische Eckdaten In Halle wurde Gerhard Feige 1951 geboren. In Erfurt studierte er ab 1971 Philosophie und Theologie, empfing 1978 in Magdeburg die Priesterweihe und wirkte für vier Jahre als Vikar in Salzwedel und Magdeburg. Danach folgten weitere Studien in Erfurt und Rom. Ab 1989 war Gerhard Feige Dozent für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Ökumenische Theologie in Erfurt. Vom 1994 bis 1999 lehrte er dort als Professor für Alte Kirchengeschichte, Patrologie und Ostkirchenkunde.
Am 11. September 1999 empfing Gerhard Feige die Bischofsweihe und war zunächst Weihbischof in Magdeburg, ab 2004 auch Diözesenadministrator. Am 16. April 2005 wurde er als Bischof von Magdeburg eingeführt. In der Deutschen Bischofskonferenz ist Gerhard Feige seit 2012 Vorsitzender der Ökumene- Kommission. Zudem gehört er verschiedenen Gremien des Dialogs mit der orthodoxen Kirche auf nationaler wie internationaler Ebene, sowie mit der evangelischen Kirche in Deutschland an. Von Papst Franziskus wurde er 2014 in den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen berufen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR trifft ... | 31. März 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2018, 14:21 Uhr