Marie Sophie Hingst
War promivierte Historikerin und bloggte im Internet: Marie Sophie Hingst Bildrechte: dpa

Mit 31 Jahren Bloggerin Marie Sophie Hingst gestorben

Marie Sophie Hingst
War promivierte Historikerin und bloggte im Internet: Marie Sophie Hingst Bildrechte: dpa

Die deutsche Bloggerin und Historikerin Marie Sophie Hingst ist tot. Das berichteten am Wochenende die "Irish Times" und das Magazin "Spiegel". Die 31-Jährige sei bereits Mitte Juli in ihrer Dubliner Wohnung tot aufgefunden worden, ohne Anzeichen für ein Fremdverschulden, hieß es in der irischen Zeitung unter Berufung auf Polizeiangaben.

Der "Spiegel" hatte zuvor aufgedeckt, dass die Bloggerin erfundene Geschichten über angebliche jüdische Vorfahren sowie Falschmeldungen verbreitet hatte. Der Tod der Bloggerin wurde dem "Spiegel" zufolge von Hingsts Mutter bestätigt.

Promovierte Historikerin aus Wittenberg

Marie Sophie Hingst stammte aus Wittenberg, absolvierte das Abitur in Dessau und studierte Geschichte und Ostasienwissenschaft an der Freien Universität in Berlin. Später promovierte sie am Trinity College in Dublin und arbeitete als Projektmanagerin bei Intel Ireland in der irischen Hauptstadt.

In ihrem Blog "Read on my dear, read on" hatte Hingst behauptet, aus einer jüdischen Familie zu stammen und dass mehrere Familienmitglieder dem Holocaust zum Opfer gefallen wären. Diese Aussagen und weitere Angaben über ihr Leben und ihre Herkunft waren erfunden – dies veröffentlichte der "Spiegel" Anfang Juni. Recherchen der Journalisten hatten ergeben, dass Hingst in Wahrheit aus einer evangelischen Familie stammte und bei der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem gefälschte Dokumente für 22 Holocaust-Opfer eingereicht hatte. Vom "Spiegel" mit den Vorwürfen konfrontiert, ließ Hingst über einen Anwalt mitteilen, dass ihr Blog "ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit" für sich beanspruche. Für den Blog war sie 2017 mit dem "Goldenen Blogger" als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet worden. Der Preis wurde ihr im Nachhinein aberkannt.

"Fräulein Read on" und die Medien

Auch die ARD-Radioprogramme "Bayern 2" und "SWR 3" hatten über Hingst berichtet: Eine angeblich von ihr initiierte Sexual-Aufklärungskampagne für Flüchtlinge hatte sich im Nachhinein als "weitgehend erfunden" herausgestellt. "Deutschlandfunk Nova", die Wochenzeitung "Die Zeit" sowie die "Frankfurter Allgemeine" hatten ebenfalls über Hingsts Sexualaufklärung indischer Männer in Neu Delhi bzw. männlicher syrischer Flüchtlinge in Deutschland berichtet. Die genannten Medien haben entsprechende Online-Meldungen inzwischen depubliziert.

Marie Sophie Hingst initiierte im Sommer 2018 zudem bei Twitter den Hashtag #KunstGeschichteAlsBrotbelag, der innerhalb weniger Tage auf Platz 1 der deutschen Twitter-Trends landete. Viele der dabei entstandenen Werke - Nutzer versuchten bekannte Kunstwerke auf Broten nachzubilden - veröffentlichte Hingst im Frühjahr 2019 als Bildband.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 11:09 Uhr